SK at CES

Viele Aussteller, wie etwa SK, zeigten sich auf der CES als "besonders grün"

© EPA / YONHAP

Gastkommentar

Kaufen, um das Klima zu retten

Viele Aussteller, wie etwa SK, zeigten sich auf der CES als "besonders grün"

Auf der CES, einer der größten jährlichen Tech-Events der Welt, fielen diesmal die großen Ankündigungen zur Klimakrise der Tech-Industrie besonders ins Auge. Vor wenigen Jahren, als die weltweit gemeldeten Klimakatastrophen noch nicht das derzeitige alarmierende Ausmaß erreicht hatten, wäre es noch möglich gewesen, dass solche Veranstaltungen das Thema Klima unerwähnt lassen.

Das weltweit gesteigerte Bewusstsein für Ursachen und Auswirkungen der Klimakrise ließ der Branche jedoch keine Option mehr: Die Aussteller mussten diesmal ihre Bemühungen zur Reduktion ihrer CO2-Emissionen zum Thema machen. Viele untermalten das dem Vernehmen nach mit Stockvideos, in denen Kinder auf naturbelassenen Wiesen eine Hauptrolle spielten. Einige Unternehmen haben ihre Anstrengungen auch recht nüchtern beschrieben. Andere versuchten, einen nachhaltigen Wandel als eine unterhaltsame, aufregende Perspektive darzustellen.

Nachhaltigkeit als Unterhaltungselement

"Nachhaltigkeit", so verkündete etwa der Vorstandsvorsitzende von Samsung auf der CES, "kann ein Teil Ihres Produkterlebnisses sein". Die gemeinsame Klimabotschaft der Tech-Messe war klar: Konsumverhalten sei mit Klimaschutz nicht nur vereinbar, sondern mehr noch: Wer die neueren, smarteren Produkte kaufe, leiste sogar einen wertvollen Beitrag zur Klimarettung.

Nun ist es generell sinnvoll, es Menschen so einfach wie möglich zu machen, klimafreundliche Entscheidungen zu treffen. Wir sind eine faule Spezies, wenn es darum geht, unser Verhalten zu ändern, unsere Entscheidungen sind geprägt von Verlustaversion. Das wussten jene, denen klimaschädigendes Verhalten Gewinn brachte, etwa die Automobilindustrie, Ölkonzerne oder die gigantischen Fleischproduzenten, in der Debatte gekonnt zu nutzen: Sie punzierten Klimaschützer*innen stets als Spaßverderber*innen, die den Konsument*innen ihre Freiheiten rauben wollen. Eine Welt mit Klimaschutz, so die Bilder in den Köpfen der Menschen, sei asketisch, lustfeindlich und schmecke nach Pappe.

Mittlerweile haben die Auswirkungen der Klimakrise ihren Teil dazu getan, diese Bilder von Grund auf umzuprägen: Feuersbrunsten, Hitzewellen, schneelose Winter, Dürren, verwüstende Stürme und Überschwemmungen, die zerstörte Landschaften zurücklassen: Es dämmert, dass die karge, trostlose Welt nicht vom Klimaschutz verursacht wird, sondern uns bevorsteht, wenn wir weitermachen wie bisher.

Kaufen fürs Klima?

Einige der Technologien, die auf der CES vorgestellt wurden, sind für die weltweite Umstellung auf umweltfreundliche Technologien unverzichtbar. Realistischerweise sollten wir nicht zum Ziel haben, dass die ganze Welt auf Computer, Telefone, Kühlschränke und unzählige andere Produkte zu verzichtet. Solange wir ab und zu neue Geräte brauchen, sollten die Neuanschaffungen natürlich nachhaltiger und energieeffizienter sein als die Vorgängermodelle.

Was aber nicht zusammen passt mit den Ankündigungen, klimaschonender zu produzieren, ist der starke Wettbewerb der Tech-Riesen, einander mit immer neuen Geräten zu überbieten. Jedes Jahr neue Handys, Smartwatches, Elektroroller und Gadgets zu kaufen ist nicht nachhaltig, selbst wenn sie in recyclebaren Schachteln mit dem Fahrrad vor die Haustür geliefert werden. Dass ein wichtiger Schlüssel zur Reduktion der CO2-Emissionen darin liegt, die Wegwerfgesellschaft hinter uns zu lassen und wieder weniger, aber dafür langlebiger zu konsumieren, Geräte zu reparieren, statt sofort ein neues zu kaufen, das erwähnte auf der CES in Las Vegas naturgemäß niemand.

Paradigma ändern, nicht nur Botschaften

Und darin liegt die große Krux, wenn man die Anstrengungen gegen die Klimakrise allein auf das individuelle Konsumverhalten fokussiert: Großkonzerne wissen, dass wir faul sind, wenn es darum geht, unser Verhalten zu ändern. Deshalb passen sie gerne ihre Botschaften so an, dass die Unbequemlichkeiten der Klimakrise, die uns endlich in Bewegung setzen unser Konsumverhalten umzukrempeln, mit ihren Produkten als gelöst erscheinen – aber sie selbst ändern ihr klimaschädigendes System nicht grundlegend. Lassen wir sie nicht so einfach damit davonkommen. Es braucht einen Paradigmenwechsel. Bewegen wir uns weiter.

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Tina Wirnsberger

Tina Wirnsberger ist Trainerin für nachhaltige Wirtschaft & Politik und Sozialpädagogin. Sie war bis Jänner 2019 Grüne Stadträtin für Umwelt und Frauen in Graz.

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