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Meinung

Jetpack oder Straßenbahn?

Werden wir eines Tages mit dem Flyboard zur Arbeit fliegen? Klingt bequem, schafft aber viele Probleme

Ein fliegender Mensch – direkt neben dem Flugzeug! Es muss ein verrückter Anblick gewesen sein, den im Jahr 2020 ein American-Airlines-Pilot an den Tower in Los Angeles meldete: Mit einem Raketenrucksack war jemand knapp an seinem Flugzeug vorbeigeflogen.

Die Hintergründe des Vorfalls sind unklar, aber Raketenrucksäcke, wie man sie von Comic-Helden der 1970er Jahre kennt, sind heute prinzipiell möglich. Man fliegt mit umgeschnalltem Raketenantrieb durch die Luft, von Probeflügen in Dubai gibt es spektakuläre Luftaufnahmen.

Könnte das die Zukunft unserer Mobilität sein? Oder werden wir eines Tages eher von autonomen Flugtaxis abgeholt? Oder werden unsere selbstfahrenden Elektroautos in engen Tunnelröhren ans andere Ende der Stadt rasen? Futuristische Konzepte dieser Art gibt es längst, aber sie alle haben ihre Probleme. Das schwerwiegendste davon: Sie alle transportieren nur Einzelpersonen. Effizienter Massentransport ist so nicht zu bewältigen.

Gefährlich, laut und ineffizient

Beim Transport durch die Luft, egal ob mit dem Jetpack am Rücken oder im Mini-Helikopter, hat man unweigerlich mit einigen Nachteilen zu kämpfen – etwa mit Sicherheitsproblemen: Wenn es schon im heutigen Straßenverkehr am Boden täglich zu Zusammenstößen kommt, wie müsste man sich dann den Pendlerverkehr am Morgen vorstellen, wenn zehntausende Menschen in einer Großstadt zur Arbeit fliegen?

Aber nehmen wir an, man könnte dieses Problem lösen – dann würde dieser Luftverkehr immer noch unerträglichen Lärm verursachen, das lässt sich physikalisch kaum verhindern. Endlich haben wir die Chance, durch das Ende des Verbrennungsmotors den Verkehrslärm in den Städten zu verringern, und dann wollen wir diesen Vorteil ins Gegenteil verkehren, indem wir auf dröhnende Luftfahrt umsteigen? Vor allem aber ist Fliegen gerade bei kurzen Distanzen extrem ineffizient. Die Energiekosten von Fluggeräten wären gewaltig.

Elon Musks Supertunnel

Wenn man also nicht nach oben ausweichen kann, dann vielleicht lieber nach unten? Das ist zumindest die Vision des Geschäfts-Genies Elon Musk: Mit seiner „Boring Company“ will er enge Tunnelröhren in den Boden graben, in denen man dann mit hoher Geschwindigkeit dahinrasen kann, ohne Gegenverkehr, Straßenkreuzungen oder Fußgängerübergänge. In Las Vegas wurden bereits knapp 3 Kilometer eines solchen Tunnels in Betrieb genommen – keine besonders glorreiche Länge, aber immerhin genug, um ein paar Minuten zu sparen, wenn der Verkehr an der Oberfläche besonders zäh wird.

Doch es kam, wie es kommen musste: Die Zahl der Fahrzeuge im Tunnel stieg, und Anfang 2022 wurde dann ein Verkehrsstau in Elon Musks Tunnelröhre gemeldet. Der Spott war groß – man hatte das Stauproblem nicht gelöst, sondern einfach unter der Erde wiederholt.
Was nun? Man müsste die Kapazität des Tunnels erhöhen. Stellen wir uns vor, die Menschen werden nicht einzeln in ihrem Pkw durch die Röhre transportiert, sondern man baut stattdessen größere Wägen, in denen viele Leute gleichzeitig fahren können. Dummerweise kann man das dann nicht patentieren, weil es als „U-Bahn“ längst erfunden ist und ganz hervorragend funktioniert.

Größere Zahl – mehr Effizienz

Es geht nicht darum, welche Fortbewegungsmethode die höchste Maximalgeschwindigkeit erreicht oder den größten Unterhaltungswert hat. Entscheidend ist: Wir müssen auf engem Raum sehr viele Menschen komfortabel und energieeffizient dorthin bringen, wo sie hin wollen. Und genau wie Konsumgüter billiger werden, wenn man sie massenhaft produziert, wird eben auch Transport effizienter, wenn man ihn für viele Menschen plant.

Daher gehört die Zukunft wohl eher den Massentransportmitteln als den glamourösen Statussymbolen. Die Konzepte dafür haben wir längst: Im innerstädtischen Bereich ist ein gut geplantes Netz aus U-Bahnen, Straßenbahnen und Bussen praktisch unschlagbar. Über größere Distanzen sind Hochgeschwindigkeitszüge eine ausgezeichnete Option. Schnellere, billigere und stressfreiere Mobilität ist möglich, wir müssen sie nur wollen. Auf Science-Fiction-artige Erfindungen brauchen wir nicht zu warten.

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Florian Aigner

Florian Aigner ist Physiker und Wissenschaftserklärer. Er beschäftigt sich nicht nur mit spannenden Themen der Naturwissenschaft, sondern oft auch mit Esoterik und Aberglauben, die sich so gerne als Wissenschaft tarnen. Über Wissenschaft, Blödsinn und den Unterschied zwischen diesen beiden Bereichen, schreibt er regelmäßig auf futurezone.at und in der Tageszeitung KURIER.

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