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Auch in Corona-Zeiten fanden User genügend Gelegenheiten, um TikTok-Videos zu drehen

© APA/AFP/ANGELA WEISS / ANGELA WEISS

Netzpolitik
07/07/2020

USA drohen TikTok zu verbieten

Die Kurzvideo-App aus China hat weltweit 800 Millionen Fans, soll aber nach Indien auch in den USA verboten werden.

von David Kotrba

Der Unterschied zwischen dem Geschehen in TikTok und der Diskussion um die Social-Media-App könnte nicht größer sein. Auf der einen Seite ein meist junges Publikum, das sich mit Sketches, Streichen, Musik und Tänzen in kurzen Videos großartig unterhält, auf der anderen Seite meist ältere Politiker, die geostrategische und wirtschaftliche Interessen verfolgen und dabei keinen Spaß kennen. Mit mehr als 1,5 Milliarden Downloads und 800 Millionen aktiven Nutzern zählt TikTok heute zu den weltweit beliebtesten Smartphone-Anwendungen.

Für ByteDance, das chinesische Unternehmen dahinter, ist das ein riesiger Erfolg, anderen ist dies ein großer Dorn im Auge. In den USA werden nun etwa Pläne gewälzt, die App im Land zu verbieten, wie Außenminister Mike Pompeo in einem TV-Interview verriet. Vor Kurzem wurde US-Präsident Trump düpiert, weil TikTok-Nutzer massenhaft Tickets für einen Wahlkampfauftritt reservierten, dann aber nicht erschienen und dadurch die Zuschauermenge peinlich klein wirkte.

Die offizielle Anschuldigung gegen die App ist freilich eine andere: TikTok soll private Daten seiner Nutzer sammeln und direkt an die chinesische Regierung weiterleiten.

Huawei-Schicksal

Durch den Vorwurf droht ByteDance in ähnliche Schwierigkeiten zu geraten, mit denen der chinesische Handyhersteller Huawei kämpft. Auch diesem wurde Spionage im Dienste Chinas vorgeworfen. Ein Embargo wurde verhängt, wodurch Googles Android-Betriebssystem nur noch sehr eingeschränkt auf Huawei-Geräten läuft.

Genau wie Huawei beteuert ByteDance, völlig unabhängig von der chinesischen Regierung zu sein. Die Nutzerdaten seien auf Servern in den USA und in Singapur gespeichert. Außerdem "hat die chinesische Regierung niemals um die Daten von TikTok-Nutzern angefragt. Wenn sie das in Zukunft vorhat, werden wir nicht kooperieren", versicherte Kevin Mayer, der US-amerikanische CEO von ByteDance zuletzt.

"Nationale Sicherheit"

Anlass dafür war das Verbot von TikTok in Indien. Dieses trifft das Social Network ähnlich hart wie ein möglicher Bann in den USA. In Indien war die App extrem populär. Die Regierung wollte die Verbreitung zunächst unter Verweis auf "unangemessene Inhalte" stoppen, kam damit aber nicht durch. Vor wenigen Tagen erwirkte sie aber ein Verbot wegen einer angeblichen Gefährdung der "nationalen Sicherheit". Freilich hat Indien gerade mit China einen militärischen Konflikt in Kaschmir und neben TikTok wurde eine Vielzahl weiterer chinesischer Apps verboten.

INDIA-CHINA-INTERNET-SECURITY-TIKTOK

Kritik

Jugendschutz und Cybersicherheit sind also die Argumente für den Kampf gegen TikTok, nicht nur in den USA und Indien, zuletzt etwa auch in Australien. Tatsächlich gab es in der Vergangenheit Erkenntnisse, die solche Argumente stützen. Untersuchungen von Cybersicherheitsexperten haben gezeigt, dass Jugendliche in der App leicht in Fallen gelockt werden können und Belästigungen ausgesetzt sind.

Außerdem sammelt TikTok eine Unzahl an Daten über seine Nutzer und es wurden bereits zahlreiche Sicherheitslücken aufgedeckt. Die künstliche Intelligenz von TikTok, mit der Nutzern neue Beiträge ganz nach ihrem Geschmack vorgesetzt werden, scheint außerdem Kritik an der chinesischen Staatsführung tendenziell verschwinden zu lassen.

Konkurrenz schläft nicht

ByteDance hat bisher auf alle Vorwürfe mit vorgeblicher Einsicht reagiert. Wegen des neuen, restriktiven Sicherheitsgesetzes in Hongkong zieht man sich gar von diesem Markt zurück - um Nutzerdaten zu schützen. Laut einer Analyse von Forbes nutzt das alles nichts: "Wenn man in westlichen Demokratien eine starke Technologiemarke aufbauen will, ist das momentan keine gute Zeit, um Verbindungen mit Peking zu haben."

Die Konkurrenten von TikTok, großteils aus den USA, nutzen die neue Lage unterdessen aus. YouTube bastelt an einer Funktion namens "Shorts", die ähnlich wie bei TikToks zahlreiche Editiermöglichkeiten für 15-sekündige Videos bereithält. Facebook testet die neue Instagram-Funktion "Reels" - nun auch in Indien.

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