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Netzpolitik
04/03/2020

Fridays for Future: Wie der Klimastreik online weitergeht

Durch die Corona-Krise verlagert sich der Klimaprotest ins Netz. Doch die Aktivisten sind weiterhin laut und umtriebig.

von Barbara Wimmer

Am Freitag, 13. März, gingen die Aktivisten von Fridays for Future erstmals in diesem Jahr in Österreich nicht auf die Straße, um zu streiken. Stattdessen fand unter dem Hashtag #NetzstreikFuersKlima ein Online-Protest statt, wie Philipp Wilfinger von der Klima-Bewegung der futurezone erzählt. „Wir rufen jede Woche über unsere Social-Media-Kanäle dazu auf, ein Foto von sich mit Streikschild zu posten, und uns zu markieren. Wir bekommen wirklich tolle Bilder rein“, erzählt Wilfinger.

Die Protest-Bewegung, die ein Umdenken beim Klimaschutz erreichen will, übernimmt in der Corona-Krise auch Verantwortung. „Weil die Schulen und Unis im ganzen Land ausfallen, organisieren wir laufend Webinare, Livestreams und Interviews mit Expertinnen und Experten zur Klima-Gesellschafts-Krisenbildung“, sagt der Aktivist. Diese Inhalte sind auf den diversen YouTube-Kanälen von Fridays for Future zu finden.

Helfen in der Krise

„Dann gibt es noch die #Nachbarschaftschallenge (die futurezone hat berichtet, Anm.), viele von uns sind derzeit voll im Einsatz. Wir versuchen gerade, einige Beispiele zur Inspiration für andere zusammenzutragen. Unser Grafik-Koordinator in Wien zum Beispiel hat seine Funktion innerhalb der Bewegung sogar kurzfristig ruhend gestellt, weil er vollen Einsatz beim roten Kreuz als Sanitäter leistet. Einer unserer Koordinatoren, der sich um die Vernetzung mit den Religions for Future kümmert, macht gerade seinen Zivildienst im Altersheim. Schwierige Zeiten wie diese zeigen, dass wir als Gesellschaft viel weiterkommen, wenn wir uns gegenseitig unterstützen und kooperieren“, sag Wilfinger von Fridays for Future.

"Es wird Zeit für eine neue Normalität"

Derzeit wirkt es außerdem, als würde die Corona-Krise auch dem Klima gut tun. Die CO2-Reduktion durch den Verkehr und im Luftraum geht zurück, die Umwelt hat ein wenig Zeit, um sich zu erholen. Doch ist das nicht die Ruhe vor dem Sturm? „Viele reden darüber, dass wir nach der Corona-Krise möglichst schnell zur Normalität zurückkehren sollen. Doch die Normalität war eine Krise. Unzählige Tote durch Hitze, Luftverschmutzung, Autoverkehr und Umweltgifte, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Normalität bedeutet die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen“, sagt der Aktivist. Man solle die Zeit des Stillstands daher nutzen, um sich zu überlegen, in welcher Welt wir künftig leben wollen. „Es wird Zeit für eine neue Normalität, in der wir Klimagerechtigkeit Realität werden lassen“, so die Forderung.

Wirtschaft und Klima retten

Auch Katharina Rogenhofer, Sprecherin des Klimavolksbegehrens, möchte nicht, dass durch die Corona-Krise der Klimaschutz „auf die lange Bank geschoben wird“. „Es gibt bereits Stimmen, die dafür plädieren, dass die EU den Green Deal vergisst, um die Wirtschaft zu retten. Diese Stimmen werden immer stärker, sie sind aber am Thema vorbei gedacht“, so Rogenhofer. „Jede Wirtschaftskrise lässt sich nur durch Investitionen und nicht durch Sparpolitik lösen und wir dürfen nicht Wirtschaft gegen Klima ausspielen, sondern wir müssen es zusammen denken und Vorteile für beides schaffen“, empfiehlt die Expertin im Gespräch mit der futurezone. Die ökosoziale Wende dürfe nicht verschleppt werden, bis sich die Welt vom Corona-Schock erholt habe, warnt sie.

„Wir sehen derzeit, dass die regionale Versorgung nicht super gut funktioniert und viele vor einer Existenzkrise stehen. Wir können die Krise nutzen, um Produktionsketten künftig regionaler zu denken. Das würde der Kreislaufwirtschaft und dem Klimaschutz zugute kommen“, erzählt Rogenhofer. Regionale Bio-Initiativen würden derzeit einen enormen Zulauf erleben, so Rogenhofer. „Das wird auch künftig so bleiben und gehört gefördert.“ Auch durch die Sanierung von Gebäuden und dem Ausbau von Erneuerbaren Energien würden neue Arbeitsplätze geschaffen, sagt die Expertin.

Das Organisationsteam des Klimavolksbegehrens nutzt die Zeit der Corona-Krise jetzt, um sich „intern zu strukturieren“. „Wir sind vor große Herausforderungen gestellt, weil gerade zivilgesellschaftliches Organisieren viel über persönliche Treffen funktioniert. Wir stellen das gerade auf online um und bauen die Organisation neu auf“, sagt Rogenhofer. Die Eintragungswoche für das Volksbegehren, die ursprünglich für Juni vorgesehen war, wird voraussichtlich verschoben werden müssen. Die Forderungen des Klimavolksbegehrens sieht Rogenhofer aber so aktuell wie nie zuvor. „An den Punkten muss nichts geändert werden. Wir brauchen eine rigorose Energie- und Verkehrswende sowie Investitionen in die richtige Infrastruktur“, sagt Rogenhofer.

Großer Streiktag am 24. April

Die Fridays For Future Bewegung plant unterdessen für 24. April eine große, internationale Aktion. „Wir beraten derzeit, wie man den geplanten weltweiten Klimastreik für eine starke Aktion im Netz nutzen kann. Es gibt viele kreative Ideen und wir versuchen uns da auch im deutschsprachigen Raum und international abzustimmen“, heißt es dazu.

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