FILE PHOTO: A 3D-printed YouTube icon is seen in front of a displayed YouTube logo in this illustration

© REUTERS / Dado Ruvic

Netzpolitik
03/20/2020

YouTube schraubt Qualität in Europa wegen Coronavirus zurück

Googles Videodienst ergreift ähnliche Schritte wie Netflix und wird die Standard-Rate reduzieren, um die Netze zu schonen.

Nach Netflix wird auch YouTube die Bildqualität in Europa etwas verschlechtern, um die Netze in der Coronavirus-Krise zu entlasten. Alle Videos sollen zunächst in den kommenden 30 Tagen standardmäßig nur noch in SD- statt HD-Qualität übertragen werden, wie die zu Google gehörende Videoplattform am Freitag ankündigte.

Google-Österreich-Sprecher Wolfgang Fasching-Kapfenberger bestätigt gegenüber der futurezone den Schritt und erklärt, man habe aktuell bislang nur einige wenige Spitzenwerte bei der Nutzung verzeichnet. Man wolle aber sicherstellen, dass man möglichst wenig Netzwerkkapazitäten verwende. EU-Kommissar Thierry Breton, der die Maßnahme angestoßen hatte, begrüßte den Schritt.

Manuelles Anpassen

Dass Inhalte standardmäßig in SD wiedergegeben werden, heißt natürlich nicht, dass man die Auflösung nicht manuell nach oben korrigieren kann. Wer in voller Auflösung schauen möchte, kann dies also weiterhin tun.

Netflix empfiehlt für HD (High Definition) eine Internet-Geschwindigkeit von 5 Megabit pro Sekunde, während es bei Standard-Auflösung 3 Megabit pro Sekunde sind. Einen richtig großen Sprung gibt es dann aber bei dem noch besseren Ultra-HD-Format: Hier werden zum Beispiel bei Netflix 25 Megabit pro Sekunde benötigt. Auch auf YouTube gibt es Ultra-HD-Videos.

Netflix

Netflix hatte nach Gesprächen mit Breton bereits am Donnerstagabend angekündigt, den Datendurchsatz in Europa für zunächst 30 Tage zu drosseln. Die Netflix-Nutzer sollten trotzdem einen Dienst mit „guter Qualität“ bekommen, versicherte die US-Firma. Nach Einschätzung des Unternehmens wird Netflix durch den Schritt aber 25 Prozent weniger Datenverkehr verursachen.

In Europa gibt es insgesamt die Sorge, dass die verstärkte Heimarbeit und Nutzung von Unterhaltungsangeboten die Netze verstopfen können. Internet-Anbieter versicherten bisher, dass sie den Anstieg schultern können.

Österreich

In Österreich erging an die Netz-Provider diese Woche bereits ein Schreiben der RTR, in dem festgehalten wurde, dass Videostreaming im Notfall gedrosselt werden könnte, falls ein Netzzusammenbruch droht. Realistisch dürfte dieses Szenario aktuell aber nicht sein: Auf Nachfrage der futurezone berichteten alle großen Anbieter zwar über ein erhöhtes Datenaufkommen, von Kapazitätsproblemen sei man aber noch weit entfernt.