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© Thomas Prenner, futurezone

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12/17/2019

E-Reader im Vergleich: Kindle Oasis vs. Tolino Vision 5 HD

Smarte Beleuchtung, größeres Display, aber auch nicht billig: Wie sich die Spitzenmodelle von Amazon und der Tolino-Allianz im Vergleichstest schlagen.

von Patrick Dax

Warum soll man elektronische Texte auf E-Readern statt auf Tablets oder Smartphones lesen? Der wohl beste Grund ist, dass das Lektüreerlebnis auf den Geräten, jenem auf Papier immer ähnlicher wird. E-Ink-Displays, die bei den elektronischen Lesegeräten zum Einsatz kommen und bei guten E-Readern bereits mit 300 dpi auflösen, schonen die Augen. Sie verfügen darüber hinaus - auch schon bei billigeren Geräten - über eine integrierte Beleuchtung, die die Nachttischlampe beim Lesen im Bett oder Beleuchtung bei ungünstigen Lichtverhältnissen etwa im Zug oder im Flugzeug ersetzt.  

Einige Geräte bieten darüber hinaus die Möglichkeit, die Farbtemperatur zu regeln. Tagsüber bei viel Außenlicht empfiehlt sich eine kalte Beleuchtung. Wird es dunkel, wird das Blaulicht reduziert und wärmeres, orange-rötliches Licht macht das Lesen angenehmer. Bessere Geräte regeln die Beleuchtung und die Farbtemperatur mittlerweile automatisch. Sowohl der Kindle Oasis der jüngsten Generation als auch der Tolino Vision 5 HD fallen in diese Kategorie. Beide Geräte sind in den vergangenen Monaten in neuen, überarbeiteten Versionen auf den Markt gekommen. Sie sind nicht billig, bieten aber eine Reihe von Annehmlichkeiten. Wir haben den Tolino Vision 5 HD und den Kindle Oasis 2019 einem Vergleichstest unterzogen. 

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Das Einrichten funktioniert bei beiden Geräten ohne Komplikationen. Beim Tolino irritiert zunächst, dass sich der Einschaltknopf auf der Rückseite des E-Readers befindet. Daran gewöhnt man sich aber schnell. Beim Kindle ist der Einschaltknopf wie gewohnt am rechts am oberen Rahmen platziert.

Insgesamt wirkt der Kindle Oasis hochwertiger verarbeitet. Die durchgehende Glasfront verhindert, dass sich Staub in den Ritzen der Bildschirmumrandung ansammeln kann, wie es bei dem leicht im Gehäuse versenkten Bildschirm des Tolino der Fall ist.

Während das Gehäuse des Tolino aus Kunststoff ist, ist das des Kindle aus Metall und fühlt sich deshalb auch kälter an. Der Tolino liegt mit seiner gummiert-gemusterten ebenen Rückseite aber angenehmer in der Hand.   

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Der Kindle ist mit 188 Gramm geringfügig leichter als der Tolino mit 195 Gramm. Die Maße sind bei beiden Geräten ähnlich. Die Horizontale beträgt beim Kindle 159 Millimeter, beim Tolino 158,6 Millimeter, die Vertikale misst beim Kindle 141 Millimeter, beim Tolino 144 Millimeter.

Beim Tolino verläuft der rechte Rand, unter dem sich der Akku befindet, aufsteigend auf der Vorderseite (5,5 bis 7,7 Millimeter), dafür ist die Rückseite eben. Beim Kindle ist die Ausbuchtung auf der Rückseite mehr als doppelt so lange als das Tolino-Pedant auf der Vorderseite und misst im Verlauf 3,4 bis 8,8 Millimeter, was das Gerät geringfügig breiter macht als das Konkurrenzmodell.

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Umblättertasten

Von herkömmlichen E-Readern heben sich die beiden Geräte unter anderem durch die am breiteren rechten Rand angebrachten Umblättertasten ab. Beim Kindle ist zum Umblättern dabei weniger Druck notwendig - die Druckpunkte wirken besser dosiert und verteilen sich gleichmäßig auf den Tasten. Beim Tolino verlangt das Vor- und Zurück-Blättern mehr Druck. Die Druckpunkte sind auf den Tasten auch unterschiedlich ausgeprägt. Außen drückt es sich sowohl beim Vor- als auch beim Zurück-Blättern leichter als auf der Innenseite der Tasten. Die Umblättertasten können bei beiden Geräten individuell konfiguriert und so an unterschiedliche Haltungsweisen der Geräte angepasst werden.

War es beim Vorgängermodell des Tolino Vision 5 noch möglich, durch Druck auf die Rückseite des Geräts zu blättern, ist diese Funktion beim aktuellen Modell nicht mehr vorhanden. Das Umblättern kann bei beiden Geräten alternativ dazu auch über den Touchscreen erfolgen.

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7-Zoll-Display

Von Standardmodellen, die üblicherweise über ein 6-Zoll-Display verfügen, unterscheiden sich die beiden Geräte auch durch das größere 7-Zoll-Display, das sowohl beim Oasis als auch beim Vision 5 mit 300 dpi auflöst.

Die E-Reader verfügen über eine integrierte Beleuchtung. Die Ausleuchtung fällt beim Kindle Oasis, der 25 LEDs verbaut hat, etwas gleichmäßiger aus. Aber auch die Ausleuchtung des Tolino überzeugt.

Beide Geräte verfügen über eine sogenannte Smart-Light-Funktion, die abgestimmt auf die Uhrzeit das Blaulicht reduziert. Beim Kindle kann der Zeitplan dazu auch manuell festgelegt werden. Die Farbtemperatur lässt sich unabhängig davon bei beiden Geräten auch manuell aussteuern. 

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Beim Kindle kommt es zu minimalen Ghosting-Effekten, bei denen Reste der vorherigen Seite verbleiben. Beim Tolino waren Ghosting-Effekte während des Tests nicht zu bemerken.

Drehen

Durch einen Lagesensor kann der Text beim Tolino sowohl im Hochformat als auch im Querformat dargestellt werden. Dreht man den Bildschirm, erscheint ein kleines Symbol, erst wenn man es kurz drückt dreht sich auch der Inhalt. Damit soll verhindert werden, dass die Darstellung nur bei entsprechenden Bewegungen des Readers umspringt.

Dieser Mechanismus kommt etwa auch zum Einsatz, wenn man den E-Reader um 180 Grad dreht und so die Umblättertasten auf der jeweils anderen Seite positioniert werden, was etwa beim Wechsel vom rechts- auf das linkshändige Lesen nützlich ist.

Beim Kindle dreht sich der Text bei einer 180-Grad-Drehung hingegen automatisch mit. Das Lesen im Querformat wird vom Oasis im Unterschied zum Tolino nicht unterstützt. 

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Bedienung

Über einen Home-Knopf, der bis vor wenigen Jahren bei E-Readern noch weit verbreitet war, verfügen beide Geräte nicht. Die Startseite kann beim Kindle durch Druck auf den oberen Bildschirmrand erreicht werden. Beim Tolino ist dazu ein Wischen vom unteren Rand nach oben notwendig. Von den Umblätter - und Einschalttasten abgesehen, erfolgt die Bedienung bei beiden Geräten ausschließlich über den kapazitiven Touchscreen.

Sie ist beim Kindle und beim Tolino gleichermaßen intuitiv. Die Unterschiede in der Bedienung sind wohl Geschmackssache. Beim Tolino kann etwa die Beleuchtungseinstellung durch den Druck auf den oberen Bildschirmrand direkt erreicht werden. Beim Kindle muss dazu zwei Mal gedrückt werden. Bei automatisierter Einstellungen sind aber Anpassungen beim Licht ohnedies kaum notwendig.

Funktionen, wie Wörterbücher, Markieren und Notizen - quasi Standards bei zeitgemäßen E-Readern - werden von beiden Anbietern bereitgestellt und sind in der Bedienung auch sehr einfach zu handhaben. 

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Bei den verfügbaren Funktionen ist der Kindle aber klar vorne. Neben den Standards werden etwa auch noch ein Vokabeltrainer, der nachgeschlagene Wörter gemeinsam mit den entsprechenden Textstellen in Karteikarten sammelt, oder die Erklärung von Wörtern über die Funktion WordWise geboten. Beide sind vor allem bei der Lektüre fremdsprachiger Texte sehr nützlich.

Speicher

Der Tolino Vision 5 HD wird mit 8 GB Speicher ohne Erweiterungsmöglichkeit angeboten. Der Kindle Oasis ist in der günstigsten Version ebenfalls mit 8 GB, gegen Aufpreis aber auch mit 32 GB Speicher zu haben.

8 GB, wovon netto rund 6G bleiben, sind für E-Books auf jeden Fall ausreichend. Außerdem ist bei beiden Geräten ausreichend Cloud-Speicher inkludiert. Die Inhalte können so alternativ auch über Apps auf Smartphones oder Tablets gelesen werden.

Den Kindle gibt es nicht zuletzt auch deshalb in einer 32 GB-Variante, weil damit im Gegensatz zum Tolino auch speicherintensivere Hörbücher abgespielt und über Bluetooth-Kopfhörer oder Lautsprecher gehört werden können. Kopfhöreranschluss ist keiner vorhanden. Auch beschränken sich die auf dem Gerät abspielbaren Audiobooks auf das Angebot des zu Amazon gehörenden Dienstes Audible.

 

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Formate

Der Tolino unterstützt die Formate EPUB, PDF und TXT und ist auch mit dem E-Book-Verleih öffentlicher Bibliothekten verfügbar. Der Kindle ist das nicht. Unterstützt werden die hauseigenen Formate AZW3, AZW, PDF, TXT sowie ungeschützte MOBI, HTML, DOC, DOCX sowie die Bildformate, darunter JPEG, GIF, PNG.

Hier hat klar der Tolino die Nase vorne, weil mit dem Gerät nicht nur bei einem Buchhändler eingekauft werden kann. E-Books im EPUB-Format, die bei unterschiedlichen Händlern gekauft wurden, können auch in einer Bibliothek zusammengelegt werden. Beim Kindle bindet man sich hingegen weitgehend an Amazon

Das Angebot an E-Books ist für beide Geräte groß. Beim Tolino kann in Österreich standardmäßig zwischen den Händlern Thalia und Weltbild ausgewählt werden. E-Books im EPUB-Format, die anderswo gekauft wurden können aber problemlos auf das Gerät übertragen werden.

Akku

Die Akku-Leistung sowohl beim Tolino als auch beim Kindle für mehrere Wochen ausreichend. Große Unterschiede konnten beim Test nicht festgestellt werden. Aufgeladen können beide Geräte über einen Micro-USB-Anschluss. Beide Geräte verfügen auch über ein IPX8 Coating, das vor Wasser schützt (bis zu 60 Minuten in 2 Meter Tiefe) und eignen sich deshalb auch für das Lesen in der Badwanne.

Fazit

Sowohl der Kindle Oasis als auch der Tolino Vision 5 HD lassen wenig zu wünschen übrig. Jedes Gerät hat seine Stärken und Schwächen. Die Display-Ausleuchtung ist beim Kindle besser. Der Kindle bietet auch mehr Funktionalitäten, etwa einen Vokabeltrainer und das Abspielen von Hörbüchern. Der Tolino ist nicht nur für einen Buchhändler offen und punktet etwa mit der Darstellung im Querformat und liegt angenehmer in der Hand. Günstiger ist der Tolino Vision 5 HD, der um knapp 180 Euro zu haben ist. Der Kindle Oasis wird je nach Ausstattung ab rund 230 Euro angeboten.

Gegenüber billigeren Geräten - etwa den Kindle Paperwhite oder den Tolino Shine - heben sich die beiden Modelle vor allem durch das größere Display 7-Zoll-Display und die smarte Beleuchtung ab, die das abendliche Lesen wesentlich angenehmer gestaltet. Wem es das wert ist, zwischen 60 und 100 Euro mehr für ein Lesegerät auszugeben, der ist mit beiden Geräten gut bedient. Glücklich wird man aber auch mit dem Kindle Paperwhite oder dem Tolino shine 3 (ebenfalls mit Smart-Light-Funktion) werden, die beide rund 120 Euro kosten.