© Thomas Prenner

Mobile World Congress
02/26/2014

Für Wearables muss man sich nicht mehr schämen

Nach dem Galaxy-Gear-Debakel macht Samsung einen neuen Anlauf, der durchaus Potenzial hat. Sony will hingegen das ganze Leben abfotografieren.

von Gregor Gruber, Thomas Prenner

Mit der Galaxy Gear wagte Samsung als Smartphone-Marktführer den Sprung in den Wearables-Markt - und scheiterte. Sie war zu groß, zu schwer, zu teuer und für manche auch zu hässlich, um alltagstauglich zu sein. Entsprechend viel Kritik und Spott musste Samsung für die Galaxy Gear einstecken. Auch deshalb, weil das Start-up Pebble mit seiner Smartwatch neun Monate zuvor ein Produkt veröffentlicht hat, das günstiger und beliebter ist und so den erfolgsverwöhnten Elektronik-Giganten in seine Schranken verwiesen hat.

Die Schmach lassen die Südkoreaner nicht auf sich sitzen - zumal dem Wearables-Markt auch hohe Wachstumsraten prophezeit werden. Im Rahmen der Handy-Messe Mobile World Congress hat Samsung gleich drei neue Modelle vorgestellt.

Samsung Gear Fit

Samsung Gear Fit

Samsung Gear Fit

Samsung Gear 2

Samsung Gear 2

Samsung Gear 2

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Gear Fit als Messestar

Dabei sind es nicht die Gear 2 (299 Euro) und die abgespeckte Variante Gear 2 Neo (249 Euro), die die Stars auf Samsungs Messestand sind, sondern die Gear Fit (199 Euro). Durch den gebogenen AMOLED-Touchscreen sieht sie wie eine Mischung aus Fitness-Band und Smartwatch aus. Sie ist kompakt genug, um nicht als Klotz am Arm sofort ins Auge zu stechen, aber optisch ansprechend, um doch den ein oder anderen neugierigen Blick auf sich zu ziehen. Der auffällige Look hat für Samsung allerdings auch einen Nachteil: Das gleichzeitig vorgestellte Galaxy S5 sieht neben der Gear Fit unoriginell und langweilig aus.

Das Design reicht fast schon aus, um bisherige Smartwatch-Versuche, sowohl aus eigenem Hause als auch der Konkurrenz, in den Schatten zu stellen. Dazu kommt noch eine durchdachte Bedienung per Touchscreen, ein Schrittzähler und ein eingebauter Pulsmesser. Natürlich zeigt die Gear Fit auch Benachrichtigungen über das Smartphone an. Die Nachteile: Mit drei bis vier Tagen ist die Akkulaufzeit noch immer nicht optimal und sie ist nur mit Samsung Smartphones kompatibel.

Leichtere Gear 2

Die Gear 2 hat sich im Vergleich zur Galaxy Gear positiv verändert, setzt aber auf einen traditionelleren Armbanduhr-Look. Sie ist kompakter und leichter, Kamera und Freisprecheinrichtung sind vom Armband ins Gehäuse gewandert. Zusätzlich sind Infrarot-Fernbedienung, Schrittzähler und Pulsmesser verbaut. Statt Android nutzt sie das eigene Betriebssystem Tizen, weshalb die Akkuleistung von nur einem auf zwei bis drei Tage gesteigert ist. Die Gear 2 Neo ist technisch nahezu ident, verzichtet aber auf die Kamera und ist dadurch um 50 Euro günstiger als die Gear 2.

Sony Lebens-Tracker

Sonys Aktivitätstracker Core will das gesamte Leben aufzeichnen. Das kleine weiße Gerät kann man dabei als Armband, in der Jackentasche oder als Halskette tragen. Aufgezeichnet werden in erster Linie Bewegungen über den integrierten Beschleunigungssensor. Außerdem kann der Core mit dem Smartphone interagieren und benachrichtigt den Träger durch Vibrieren auch über neue Nachrichten oder Anrufe. Außerdem kann Musik auf dem Handy per Knopfdruck pausiert und weitergespielt werden.

Aufgezeichnet werden die Daten über das angeschlossene Handy und die dazugehörige App namens Lifelog, die die Aktivitätsprotokolle außerdem auch auf eine entsprechende Online-Plattform lädt. „Wir wollten mehr als nur ein einfaches Fitness-Band machen“, erklärt Sony-Manager Benoit Obadia. Wie viele seiner Smartwatches der Konzern verkauft hat, wollte er nicht verraten, sondern gibt lediglich an, dass man sich vom Aktivitätstracker mehr erwarte. „Das ist definitiv mehr eine Mainstream-Produkt“, so Obadia.

Immer-Dabei-Kamera

Neben dem Tracker hat Sony noch ein Design-Konzept vorgestellt, bei dem es sich um eine Kombination aus Aktivitätstracker und Kamera handelt. Das Gerät kann man sich entweder um den Hals hängen oder auf der Kleidung befestigen, damit es den eigenen Tag nicht nur über Statistiken sondern auch mit Fotos erfasst. „Menschen nutzen Online-Netzwerke wie Twitter und Facebook sehr intensiv“, so Obadia. „Dabei wollen sie nicht nur Statistiken, sondern auch Bilder in ihrem Freundeskreis verbreiten, wobei es nicht nur um Qualität, sondern auch um Quantität geht“, sagt Obadia. Ob dieses Konzept jemals in die Realität umgesetzt wird, ist allerdings noch nicht entschieden.

Die Idee der Kamera, die immer und überall am Körper mitgetragen wird, erinnert ein wenig an Google Glass. Zwar ist Google am Mobile World Congress nicht vertreten, dafür waren aber zahlreiche Besucher mit der Datenbrille in den Messehallen zu sehen. Im Vergleich zu Messen im Vorjahr zogen diese aber kaum noch die Blicke der anderen Fachbesucher auf sich. Das könnte man als Zeichen deuten, dass Wearables, langsam aber doch, alltagsreif werden.

Hauptsache günstig

Für die weite Verbreitung von Wearables ist aber auch der Preis ausschlaggebend. Ein Google Glass um mehr als 1.000 US-Dollar ist nicht gerade ein Schnäppchen. Was passiert, wenn man nur über die Preisschiene versucht Kunden anzusprechen, zeigt das Huawei TalkBand B1 (99 Euro, ab April).

Zwar ist wie bei Gear Fit ein flexibles OLED-Display verbaut, das klobige Design erinnert jedoch mehr an eine Handschelle als ein Fitness-Band. Eine Touch-Funktionalität gibt es nicht, auch auf einen Pulsmesser wird verzichtet. Dafür kann man das Display aus dem Armband herausnehmen und als Bluetooth-Headset verwenden.

Auch Alcatels preisbewusster Einstieg ins Wearables-Geschäft ist kein optisches Highlight. Anstatt eines Zusatzgeräts, schnallt man sich gleich das ganze Handy um. Das Pop Fit (90 Euro) ist ein Android-Einsteiger-Smartphone, das im Lieferumfang eine Armschlaufe enthalten hat.

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Disclaimer:
Redakteure der futurezone berichten live vom Mobile World Congress in Barcelona. Die Reisekosten wurden von der futurezone GmbH selbst sowie von Ford, Huawei, Samsung, Sony und T-Mobile übernommen.