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11.12.2018

futurezone Netztest: Das ist das beste Mobilfunknetz Österreichs

Die futurezone ist wieder im ganzen Land unterwegs gewesen und hat überprüft, welcher Mobilfunkbetreiber das beste Netz hat.

Im sechsten Jahr in Folge hat die futurezone ganz Österreich bereist, um zu überprüfen, wie sich die Handynetze des Landes im Vergleich schlagen. 2018 ist der Test besonders umfangreich ausgefallen: 14.000 Kilometer haben die Tester in Autos und Zügen zurückgelegt und dabei über eine Million Messpunkte aufgezeichnet. Zwei Monate lang dauerten die Messungen.

Unterm Strich steigt A1 als bestes Netz Österreichs aus, dahinter liegen mit knappem Abstand zueinander Drei und T-Mobile. Den größten Vorsprung konnte A1 bei der Up- und Downloadgeschwindigkeit herausholen: Der größte Provider lieferte im Schnitt die höchsten Daten-Geschwindigkeiten.  Es zeigte sich dabei allerdings, dass die Konkurrenz nicht schläft. Bei den Spitzengeschwindigkeiten lagen die Unterschiede nur im einstelligen Megabit-Bereich.

Bei der Einzeldisziplin Praxismessungen in den Bundesländern hatte teilweise sogar Drei die Nase vorn. Laut Testleiter Jürgen Dalmus deutet dies auf eine bessere Netzoptimierung hin, obwohl A1 grundsätzlich die schnellere Infrastruktur hat. Beim YouTube-Streaming wiederum war T-Mobile vorne. 

Insgesamt zeigt sich beim Ergebnis, dass der zweit- und drittgrößte Betreiber den Abstand zu A1 verringert haben. „Die Unterschiede werden immer kleiner“, sagt Dalmus. Damit der Marktführer die Spitzenposition auch künftig behält, sei Arbeit notwendig: „A1 muss Gas geben.“

Getestet wurden überwiegend die LTE-Netze (4G). Obwohl der Nachfolger 5G bereits in aller Munde ist, wird es bis zur breiten Nutzung noch Jahre dauern, wie Dalmus erklärt. Außerdem sei die fünfte Mobilfunkgeneration ohnehin nicht auf Endanwender ausgelegt. „5G ist eher für die Industrie, für die Kommunikation zwischen Maschinen, wie etwa selbstfahrende Autos, relevant.“ 

Das LTE-Netz wird demnach auch in den kommenden Jahren ein wichtiger Gradmesser dafür sein, wie Mobilfunkkunden ihr Netz erleben. Die Technik sei dazu auch in der Lage: „Das LTE-Netz reicht völlig aus, um die Leute zufrieden zu stellen. 4G wird noch lange relevant sein.“

Ständiger Ausbau

Ein Trend aus dem Vorjahr hat sich verfestigt. So wird es immer beliebter, auch zuhause über das Mobilfunknetz zu surfen. Möglich wird das über WLAN-Router, die per LTE mit dem Internet verbunden sind. Die zunehmende Zahl an Menschen, die auf diese Art online gehen, belasten die Netze. Die Bandbreite einer Funkzelle ist begrenzt. Je mehr Nutzer sich in ihr befinden, desto weniger bleibt für den einzelnen übrig.  Eine Lösung dafür sind mehr Zellen. Das haben auch die Netzbetreiber erkannt und ihre Kapazitäten bei LTE im Vergleich zum Vorjahr ausgebaut, sagt Dalmus

Das spiegelt sich auch in den Testergebnissen wider. So lagen die Download-Datenraten bei der heurigen Messung bei allen Netzbetreibern im Schnitt über denen im vergangenen Jahr. Die Messmethode wurde heuer einmal mehr optimiert: „Wir haben dieses Jahr länger gemessen und waren auch mehr außerhalb der Ballungsgebiete unterwegs“, sagt Dalmus. Insgesamt bleibt auch heuer festzuhalten, dass Österreichs Mobilfunknetze im internationalen Vergleich einen hohen Standard aufweisen und auf den steigenden Bedarf nach höheren Datenraten reagiert haben. „Die Betreiber haben ihre Hausaufgaben gemacht“, erklärt Dalmus

Telefonieren per Daten

Neben den Download- und Uploadgeschwindigkeiten von Datendiensten wurde in diesem Jahr überprüft, wie gut die Sprachtelefonie über LTE funktioniert. LTE spielt bei den Datendiensten bereits seit Jahren die entscheidende Rolle. Doch bisher telefonieren die meisten Kunden weiterhin über GSM oder UMTS. Dazu muß das Mobiltelefon zwischen den verschiedenen Netzen hin- und herschalten. Datentransfers werden unterbrochen und die Zeit, die das Telefon braucht, um zwischen den Technologien zu wechseln, beeinflussen die Leistung. Stattdessen kommt nun die neue Technik Voice over LTE (VoLTE) zum Einsatz. 

Deren Implementierung in ihre Netze haben die Mobilfunker in Österreich vor einiger Zeit begonnen. Dabei wird die Sprache in Datenpaketen übertragen. Die Rufaufbauzeiten verringern sich drastisch, die Sprachqualität steigt. Im Rahmen des Tests wollte die futurezone auch herausfinden, wie gut das neue Telefonieren mit neuer Technik in besserer Qualität funktioniert. Bei den Ergebnissen zeigt sich, dass die Technik bei allen Mobilfunkern problemlos funktioniert  – sofern man ein kompatibles Handy hat.

Wie der Test durchgeführt wurde

Gemessen wurde stationär, sowie auf Autobahnen und in Zügen. Heuer haben die sogenannten „Drivetests“ überwogen, also Tests im fahrenden Auto

Um zum Endergebnis zu kommen, wurden verschiedene Teildisziplinen definiert. Etwa, wer lädt Google.at in der Steiermark am schnellsten, oder wer hat in Tirol die geringste Ping-Verzögerung. Konnte ein Betreiber die besten Ergebnisse eines Unterpunktes erzielen, bekommt er die Höchstpunktzahl von zehn Punkten. Der Zweitplatzierte bekommt neun Punkte und der Drittplatzierte acht Punkte.  

Die Datentest verliefen auf zwei verschiedenen Ebenen. Einerseits wurde die Verbindung zu speziellen Testservern überprüft, die extra für diesen Zweck existieren. Um aber auch ein Bild davon zu bekommen, wie Nutzer das Netz tatsächlich erleben, wurden in einem zweiten Schritt auch Verbindungen zu populären Online-Diensten überprüft.

Getestet wurde auch, wie gut das Streaming über den Videodienst YouTube funktioniert. Bei den Messungen sind keine speziellen Handys oder Gerätschaften zum Einsatz gekommen, sondern gewöhnliche Smartphones, wie sie auch im Handel erhältlich sind. Genutzt wurde eine spezielle App des britischen Unternehmens Metricell. 

Überhitzt

Damit ihnen nicht der Strom ausgeht, mussten die Smartphones permanent geladen werden. Dieser Umstand in Verbindung mit der Belastung durch die permanenten Tests war für manche Geräte zu viel, wie Netzexperte und Testleiter Jürgen Dalmus erzählt. So überhitzten die Handys zum Teil im Auto und schalteten sich ab, weswegen die Test-Software entsprechend angepasst werden musste. Ein Grund dafür war auch, dass in den Handys immer stärkere Chips zum Einsatz kommen, die auch Hitze erzeugen. „Die Smartphones sind für diese Dauernutzung nicht ausgelegt“, so Dalmus.