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02/24/2019

Huawei greift mit neuen Modellen Apples MacBook Air und Pro an

Huaweis MateBooks 13, 14 und X Pro sollen Apples Notebooks Konkurrenz machen.

Huawei hat drei neue Laptops vorgestellt, mit denen man vor allem den Rivalen Apple und seine MacBook-Reihe herausfordern will. Während das MateBook 13, das für 999 Euro in den Handel kommen wird, eine günstigere Alternative zum MacBook Air darstellen soll, werden MateBook X Pro und MateBook 14 als Konkurrenz zum MacBook Pro positioniert. Die neuen Modelle wurden im Rahmen einer Pressekonferenz in Barcelona gezeigt, die im Vorfeld der Mobilfunk-Konferenz Mobile World Congress stattfand.

Das wohl spannendste neue Modell ist das MateBook X Pro. Die technischen Daten und das Design ähneln denen des Vorgängers, der ebenfalls im Vorjahr auf dem Mobile World Congress sein Debüt feierte. Die Hardware hat eine Frischzellenkur erfahren, als Prozessor kommen nun Modelle von Intels Whiskey-Lake-Generation zum Einsatz. Das Top-Modell wird mit Intels energiesparendem Core i7-8565U ausgestattet, der laut Huawei um 40 Prozent schneller als sein Vorgänger sein soll. Zudem kommt Nvidias Geforce MX250 mit zwei Gigabyte GDDR5-Speicher als dezidierte Grafikkarte zum Einsatz, die 3,5 Mal so schnell wie aktuelle integrierte Grafikchipsätze sein soll. Ein überarbeitetes Kühlkonzept soll dafür sorgen, dass der Lüfter seltener aktiv wird und dabei leiser agiert.

Neue Komponenten, altes Design

Auch beim Bildschirm behält man die bisher bekannten Spezifikationen bei: Der 13,9-Zoll-FullView-Bildschirm nimmt 91 Prozent des Laptop-Deckels ein, die Ränder wurden besonders schmal gehalten. Der LC-Bildschirm (100% sRGB-Abdeckung, 1500:1 Kontrastverhältnis) löst mit 3000 mal 2000 Pixel auf und setzt somit auf das von Windows 10 bevorzugte 3:2-Bildverhältnis. Mit einer Helligkeit von 450 Nits soll es sich trotz spiegelndem Bildschirm gut für den Einsatz im Freien eignen.

Um den Rahmen möglichst klein zu halten, wurde die Webcam, wie beim Vorgänger, in der Tastatur versteckt. Zwischen den Funktionstasten lässt sich die Kamera durch Drücken ausklappen und soll so auch Sicherheitsbedenken von Business-Nutzern zerstreuen. Wer die Kamera nicht benötigt, fährt sie einfach mit einem Knopfdruck wieder ein.

Man schaut falsch drauf

Beim Vorgänger sorgte das vor allem aufgrund der gewöhnungsbedürftigen Perspektive für Probleme, da der Nutzer beim Videochat von unten gefilmt wird. Zudem sieht man die Hand, wenn man nebenbei die Tastatur verwenden möchte. Laut Huawei wurden keinerlei Anpassungen vorgenommen, um dieses Problem zu beheben. Es helfe jedoch, einfach in die Kamera zu schauen - das weckt Erinnerungen an Apples "Antennagate", als der US-Konzern Nutzern bei Empfangsproblemen vorwarf, das Smartphone "falsch" zu halten. Denn auch wenn man direkt in die Kamera blickt, am Grundproblem ändert das nichts: Eine Verwendung der Tastatur während des Videochats verdeckt stets das Bild.

In der Power-Taste wurde weiterhin ein Fingerabdrucksensor verbaut, mit dem man bereits beim Einschalten das Log-In vornimmt und so den Bootvorgang erheblich beschleunigt.

AirDrop-Ersatz soll Nutzer locken

Auch bei den Anschlüssen sucht man Veränderungen mit der Lupe und entdeckt diese nur im Kleingedruckten. Wie beim Vorgänger wurden ein USB-A- sowie zwei USB-C-Anschlüsse verbaut, einer davon unterstützt Thunderbolt 3 und kann somit auch für den Betrieb von externen 4K-Bildschirmen und eGPUs genutzt werden. Laut Huawei werden externe Grafikkarten bis zu Nvidias Geforce GTX 2080 unterstützt (beim Vorgänger markierte die GTX 1080 die Grenze). Drahtlose Verbindungen wurden durch einen neuen WLAN-Chip, der Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 1733 Mbps erlaubt, sowie Bluetooth 5.0 verbessert.

Die größten Veränderungen betreffen die Software. Mit Huawei Share 3.0 will der US-Konzern vor allem Apples AirDrop Konkurrenz machen. Wer ein Huawei-Smartphone besitzt, kann relativ nahtlos Daten zwischen den beiden Geräten übertragen. Nimmt der Nutzer beispielsweise ein Foto mit dem Smartphone auf und legt es danach rechts vom Touchpad ab, wird es per WiFi-Direct auf den Laptop übertragen und dort sofort geöffnet. Über der Fläche mit dem Smartphone wackeln startet eine Videoaufnahme des Laptop-Bildschirms, die am Ende sofort zum Smartphone übertragen wird. Laut Huawei will man damit vor allem Gamer ansprechen, die Highlight-Videos per Smartphone übertragen wollen. Auch die Zwischenablage zwischen den Geräten soll künftig geteilt werden – wer Text auf einem Gerät markiert, kann diesen rasch auf dem anderen einfügen.

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Auch andere Aspekte wurden vom Smartphone übernommen, beispielsweise Touch-Gesten. Wer mit drei Fingern über den Bildschirm wischt, macht einen Screenshot. Auf Wunsch kann auch nur ein Teil des Bildschirms aufgenommen werden.

Der 1,33 Kilogramm schwere Laptop setzt weiterhin auf einen Aluminium-Unibody, der in den Farben Mystic Silver und Space Gray angeboten werden soll. Der Akku soll ausreichend Leistung für bis zu 13 Stunden Videowiedergabe, 14 Stunden Office-Nutzung sowie zwölf Stunden Surfen mit dem Internet-Browser bieten.

Das neue Matebook X Pro kommt Mitte Juni in den Handel. Die Preise wird Huawei zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgeben.

Das MateBook 13 wurde bereits im Rahmen der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas vorgestellt, in Barcelona bestätigte man aber auch den Europa-Start. Der Bildschirm ist etwas kleiner als beim MateBook X Pro (13 Zoll) und weist schwächere technische Daten auf (2160 mal 1440 Pixel, 300 Nits, Kontrastverhältnis 1000:1). Huawei betont jedoch, dass der Bildschirm des MateBook 13 im direkten Vergleich mit Apples MacBook Air mehr Platz einnimmt (86 gegenüber 82 Prozent).

Der Laptop soll in zwei Ausstattungsvarianten angeboten werden. Während das Basismodell auf einen Intel Core i5 8265U mit integriertem Grafikchip (Intels UHD620), acht Gigabyte Arbeitsspeicher sowie 256 Gigabyte an internem Speicher setzt, wird es auch eine flottere Variante mit Core i7 (8565U), dezidierter Grafikkarte (Nvidia Geforce MX150), acht Gigabyte Arbeitsspeicher sowie 512 Gigabyte SSD geben.

Auf einen USB-A-Anschluss wird verzichtet, an der Seite sind lediglich ein Kopfhörer- sowie zwei USB-C-Anschlüsse zu finden. Im Lieferumfang ist jedoch ein Adapter (MateDock) enthalten, der neben einem USB-A auch einen HDMI-Anschluss sowie SD-Kartenleser nachrüstet. Im Vergleich zum MateBook X Pro kommt lediglich zwei statt vier Lautsprechern zum Einsatz. Der Akku fällt jedoch deutlich schwächer aus: Huawei gibt die offizielle Laufzeit mit bis zu zehn Stunden Videowiedergabe, neun Stunden Office-Nutzung oder sieben Stunden Surfen mit dem Internet-Browser an.

Wie das MateBook X Pro soll es in Space Gray und Mystic Silver angeboten werden, die beleuchtete Tastatur ist zudem spritzwassergeschützt. Die Webcam ist bei diesem Modell zudem im Rahmen verbaut.

Das MateBook 13 kommt Ende März in den Handel und wird ab 999 Euro zu haben sein.

Das MateBook 14 ist auf gewisse Art und Weise eine Kombination aus MateBook X Pro und MateBook 13. Der Bildschirm weist die gleichen technischen Daten auf wie beim MateBook 13, in der Diagonale ist es aber ein Zoll größer. Die restliche Hardwareausstattung ist hingegen identisch zum MateBook X Pro und übertrumpft dieses in einigen Punkten sogar: Intels Core i7-8565U, Nvidias Geforce MX250, zwei USB-A- und ein USB-C-Anschluss sowie ein vollwertiger HDMI- und Kopfhörer-Port. Der 57,4-Wh-Akku soll zudem ausreichend Leistung für 15 Stunden Videowiedergabe, 14 Stunden Office-Nutzung sowie 10,5 Stunden Surfen im Internet-Browser bieten.

Auch das Quad-Lautsprechersystem sowie die ausklappbare Kamera in der Tastatur sind im MateBook 14 zu finden. Umso enttäuschender ist es, dass es das MateBook 14 laut der futurezone vorliegenden Informationen nicht nach Österreich schaffen wird, nach Deutschland hingegen schon. Hier wird man auf Grauimporte zurückgreifen müssen. Auch ob das besser ausgestattete MateBook 13 mit Intels Core i7 hierzulande verfügbar sein wird, ist noch unklar.

Das MateBook 14 will Huawei ab Mitte Juni verkaufen, die Preise wurden noch nicht bekanntgegeben.

Hoffen auf PC-Markt

Der vor allem als Netzwerkausstatter und Smartphone-Hersteller bekannte Konzern ist erst seit 2016 auch im PC-Markt tätig. Obwohl man keine konkreten Zahlen nannte, spricht das Unternehmen von einem rasanten Wachstum. Allein im Vorjahr hätten die Umsätze mit Laptops und 2-in-1-Geräten um 335 Prozent zugelegt, das stärkste Wachstum aller Produktgruppen.

Absolute Zahlen gab man jedoch nicht bekannt. 2017, kurz nach dem Einstieg in den PC-Markt, gab man als Ziel aus, innerhalb von fünf Jahren zum Marktführer aufzusteigen. Derzeit ist der Konzern aber noch nicht in den Top 5 zu finden, die vom chinesischen Konzern Lenovo angeführt werden.