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12.09.2018

Neue iPhones: Warum uns Apple den Home-Button wegnehmen könnte

Apple will erneut am besten wissen, was gut für die Menschen ist - und trägt ein etabliertes Hardware-Feature zu Grabe.

Wenn Apple zur Präsentation seiner neuen Produkte nach Cupertino einlädt, dann erwartet sich die Tech-Welt eine bombastische Show – und das, obwohl Apple wohl kaum überraschen wird, zumal schon im Vorfeld diverse Details durchgesickert sind. So ist zu erwarten, dass es drei neue iPhone-Modelle geben wird: Ein iPhone Xs mit 5,8 Zoll großem OLED-Display, ein 6,5-Zoll-iPhone mit der voraussichtlichen Bezeichnung „ iPhone Xs Max“ oder „iPhone Xs Plus“ und ein günstigeres Smartphone mit 6,1 Zoll großem LCD, das vermutlich den Namen iPhone XC tragen wird.

Alle drei Geräte dürften gemein haben, dass sie dem iPhone X nachempfunden sind – inklusive der Tatsache, dass der Bildschirm einen guten Teil der Frontseite einnimmt. Dies verschafft dem User mehr Bildschirmfläche, wodurch jedoch an anderer Stelle Kompromisse eingegangen werden: Frontkamera und Lautsprecher sind in einer schwarzen Display-Aussparung („Notch“) untergebracht, der Home-Button dürfte komplett verschwinden und damit auch der Fingerabdruck-Scanner.

Diesen Schritt haben bereits bei der Vorstellung des iPhone X zahlreiche Fans beklagt. Denn seit Einführung des ersten iPhones im Jahr 2007 haben sich die Menschen an den runden Button gewöhnt. Er verschafft ihnen haptische Kontrolle über ihre digitale Welt und bietet immer die Möglichkeit, durch einen einfachen Tastendruck aus einer App auszusteigen und in das virtuelle Zuhause, den Home-Screen, zurück zu kehren – die Eliminierung dieser Möglichkeit trieb teils kuriose Blüten, im Web finden sich zahlreiche How-To-Anleitungen mit dem Titel „Wie man Apps auf dem iPhone X schließt“.

Prinzip

Trotzdem  Apple fährt weiter mit jener Philosophie, die schon unter Steve Jobs als unbequemes Erfolgsrezept galt. Dem Kunden Dinge wegnehmen, die er selber gerne behalten würde, nach Ansicht des Unternehmens aber nicht braucht – jetzt nicht mehr, und in Zukunft erst recht nicht. So verabschiedete man sich in der Vergangenheit auf dem Mac frühzeitig von optischen Laufwerken und Firewire, auf dem iPhone verschwand die Kopfhörer-Buchse. Glaubt man den Gerüchten, dann will Apple nun nicht einmal mehr einen kostenlosen Adapter für herkömmliche Kopfhörer mitliefern. Wozu auch? Bluetooth ist die Zukunft, Kabel verknoten sich bloß. Zumindest ist man in Apples Chefetagen dieser Ansicht, und dem User wird die Entscheidung kurzerhand abgenommen. 

Diese Bevormundung bringt einen Mangel an Freiheit, zugleich aber an Mehr an Gewissheit und Sicherheit mit sich. Wer als Gegenbewegung dazu zum Beispiel auf Plain Android setzt, der hat eine ungleich größere Bandbreite an Gestaltungsmöglichkeiten – und kann zugleich auch mehr kaputt machen, wenn er sperrige Apps installiert oder bei der Nutzung des Developer Modus Einstellungen vornimmt, die ihm mehr schaden als nutzen. Apple-User hingegen haben zwar weniger Freiheit, können zugleich aber auch weniger falsch machen: Das gilt von der Nutzung des Betriebssystems über die Abwägung zwischen Screengröße und Homebutton-Vorhandensein bis zur Wahl der Kopfhörer.

Dass im Vergleich dieser beiden Lager die Apple-Jünger zumindest jene sind, die für das Leben im goldenen Käfig mehr Geld auf den Tisch zu legen, zeigt Apples jüngste Bilanz: Das vergangene Quartal war das erfolgreichste Juni-Quartal der Firmengeschichte, nachdem der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um 17 Prozent gewachsen war. Und genau das ist es, was den Managern des Konzerns am Herzen liegt.