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B&W Formation Flex im Test: Wer braucht schon Siri und Alexa

Die Zeiten, in denen hochwertige Standboxen zur Grundausstattung in musikliebenden Haushalten gehörten, sind vorbei. Meist gibt man sich mit kompakten, teils sogar mobilen Monolautsprechern zufrieden, die nicht nur die Musik vom Handy streamen, sondern mittels Siri, Alexa und Google Assistant gleich das Wetter und ein Kochrezept ansagen können. Der Klang gerät dabei oft zur Nebensache.

Keine Kompromisse, was Sound und hochwertige Verarbeitung betrifft, verspricht Bowers & Wilkins bei seiner Produktlinie „Formation“. Diese vereint mehrere Lautsprecher-Typen, die mittels App beliebig zu einem Mesh-Netzwerk zusammengeschaltet werden können – etwa, um die Boxen beim Fernsehen als 5.1-Anlage zu verwenden.

Nach dem ausgefallenen Streaming-Lautsprecher „Formation Wedge“ habe ich für die futurezone nun den kleineren „Formation Flex“ getestet.

Kompakt, aber schwer

Gleich beim Auspacken fällt auf: Der kompakte Speaker, der 13 Zentimeter breit und tief sowie 21,5 Zentimeter hoch ist, bringt mit 2,3 Kilogramm einiges auf die Waage. Gewohnt qualitativ präsentieren sich auch Design, Materialien und Verarbeitung. Bis auf eine schmale Aluminium-Leiste ist der Lautsprecher in tiefschwarz gehalten. Die unter dem Netz befindliche Form greift die Wabenstruktur auf, die schon beim Wedge präsent war – wenngleich um einiges dezenter.

Die Oberseite besteht aus einem schwarzen, minimalistischen Touch-Display, das gerade einmal vier filigran gezeichnete Symbole für Lautstärke, Play und Pause sowie die Konnektivität zeigt. Die in Klavierlack gehaltene Oberfläche schaut zwar schick aus und verleiht dem Lautsprecher ein edles Aussehen – allerdings nur für die ersten Minuten, da sie besonders anfällig für Fingerabdrücke ist.

Laut, aber ausgewogen

Für den versprochenen hochwertigen Sound hat B&W zwei Treiber, einen Hochtöner (25mm Durchmesser) und einen Bass-Mitteltöner (100mm) verbaut, die mit je 50 Watt aufwarten können. Und das hört man auch. Nach dem Einrichten per App, was tatsächlich nur wenige Sekunden dauert, überrascht der Formation mit Lautstärke und vor allem auch einem gewissen Nachdruck, den man von so einem kompakten Speaker nicht unbedingt erwartet.

Ist der erste kurze Wow-Effekt einmal verflogen, gilt es genauer hinzuhören. Beim Flex bleibt Bowers & Wilkins seinem Klangideal treu. Das Spektrum ist ausgewogen. Der obere Frequenzbereich ist kristallklar und auch die tiefen Frequenzen bleiben trotz Nachdruck stets sauber und knackig. In der Mischung leiden noch am ehesten die mittleren Frequenzen, die im Vergleich etwas schwammig wirken.

Kühler Sound in Mono

Dass man von einem derart kompakten Standlautsprecher kein Bass-Wunder erwarten kann, liegt auf der Hand. Im Fall des Flex sorgt die steril saubere Höhen- und Tiefenwiedergabe in Verbindung mit der unterbelichteten mittleren Frequenz aber für einen ziemlich kühlen Sound.

Verstärkt wird dieser Effekt durch den Umstand, dass alles in Mono wiedergegeben wird. Paradoxerweise wird dem B&W-Lautsprecher hier ausgerechnet seine Qualität zum Verhängnis. Denn gerade weil man hört, dass eigentlich etwas Gutes aus dem Speaker kommt, fehlt der Stereoeffekt im Raum, mit dem sich der Klang erst so richtig entfalten könnte.

Dazu kommt, dass der Lautsprecher sehr stark nach vorne in einem engen Winkel abstrahlt und sich als Einzellautsprecher in einem Raum folglich nicht optimal eignet. Damit der Flex seine Stärken wirklich ausspielen kann, sind daher zwei Lautsprecher notwendig, die auch problemlos zusammengeschaltet werden können.

Damit verdoppelt sich der ohnehin nicht supergünstige Preis von 450 Euro aber auf 900 Euro, was das gesamte Konzept in Frage stellt.

Kein Alexa, Google oder Siri

Das Einrichten per App und das Streaming über Bluetooth oder WLAN klappte problemlos. Zumindest mit Apple-Geräten war die Verbindung – egal ob über Spotify Connect oder Apples AirPlay ausgesprochen stabil. Auf anderen smarten Schnickschnack wie Sprachassistenten und Alexa- oder Siri-Support verzichtet Bowers & Wilkins beim Flex. Ich habe die lauschenden virtuellen Assistent*innen ehrlich gesagt aber nicht vermisst.

Fazit: Gut, aber nicht gut genug

Der Formation Flex ist eine zwiespältige Angelegenheit. Verarbeitung, Material und Design sind top. Und auch der Sound lässt keinen Zweifel, dass viel Gutes in dem kleinen Lautsprecher steckt. Genau deswegen hatte ich aber stets das Gefühl, dass zum perfekten Musikhören etwas fehlt: der zweite Lautsprecher zum Stereohören.

Nun sind 450 Euro für einen hochwertigen Streaming-Speaker zwar kein exorbitanter Preis. Bei 900 Euro werden viele Käufer allerdings zweimal überlegen, zumal es zu diesem Preis bereits klassische Lautsprecher mit WLAN-Funktion gibt. Auch Alternativen, die einen besseren Abstrahlwinkel versprechen, wie der Formation Wedge oder das Kompaktsystem Technics SC-C70, das Radiofunktionen und CD-Player vereint, sind dann vielleicht die bessere Wahl.

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Martin Stepanek

martinjan

Erste Computer-Begegnung: Macintosh 128k (1984). Erster eigener Computer: Atari 520ST. Wissenschaftsverliebt. Alte-Musik-Sänger im Vienna Vocal Consort. Mag gute Serien. Und Wien.

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