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Google Nest Audio im Test: Kann viel, kostet wenig, klingt OK

Gleichzeitig mit der Präsentation der neuen Pixel-Smartphones (futurezone-Test des Pixel 5), hat Google mit dem Nest Audio eine neue Variante seines smarten Lautsprechers veröffentlicht. Der Nest Audio gilt als Nachfolger von Googles erstem vernetzten Lautsprecher Home, der 2016 vorgestellt wurde.

Herzstück aller smarten Lautsprecher von Google ist seither der Sprachassistent Google Assistent. Die Produkte werden aber seit einiger Zeit unter der Nest-Marke verkauft, so ist das aktuelle kleine Pendant des Nest Audio der Nest Mini.

Dass die beiden Geräte zusammen gehören, ist auch auf den ersten Blick ersichtlich. Der Nest Audio ist bis auf die Unterseite komplett mit Textil überzogen. Etwas schade finde ich, dass man ihn nur vertikal und nicht zusätzlich horizontal aufstellen kann. So würde er auch in niedrigere Regale passen. 

Der neue Nest Audio (links) und der erste Google Home (rechts) von hinten

LEDs und Bedienung

Die Bedienung der smarten Box läuft rein über Touch ab. Berührt man die linke, obere Ecke, dreht man die Lautstärke leiser. Rechts oben wird es lauter. Mittig kann man die Wiedergabe pausieren bzw. fortsetzen. 

Mittig auf der Box befinden sich noch zusätzlich 4 weiße LEDs. Dort kann man die eingestellte Lautstärke verfolgen. Auch ist an jenen ersichtlich, ob die Box ordnungsgemäß funktioniert bzw. mit dem WLAN verbunden ist. 

Der einzige physische Schiebeschalter befindet sich auf der Rückseite der Box. Mithilfe von jenem kann man das Mikrofon ausschalten und so sicherstellen, dass die Box definitiv nicht “mitlauscht”. Außerdem gibt es noch den Stromanschluss, bei dem es sich leider um kein USB, sondern um einen generischen Hohlstecker handelt. 

Google Home

Damit sich die Box mit dem WLAN-Netzwerk verbinden kann, muss sie zuerst eingerichtet werden. Das geschieht per Smartphone über die Google-Home-App. Dort wählt man aus, mit welchem WLAN-Netzwerk sie sich verbinden soll. Auch kann man di Box im Zuge des Einrichtungsassistenten seine eigene Stimme erlernen lassen. 

Der Sprachassistent Google Assistant kann dann unterscheiden, wer gerade mit ihm spricht. Sinnvoll ist das etwa, wenn man ihm Notizen diktieren möchte, die anschließend auch auf dem eigenen Smartphone angezeigt werden. Kann Google zwischen den Stimmen einzelner Haushaltsmitglieder unterscheiden, kann das System sie dann entsprechend zuordnen. 

Der Assistant

Wer den Google Assistant bereits verwendet - entweder mit einem anderen smarten Lautsprecher oder am Handy - dürfte mit dem Nest Audio keine Überraschungen erleben. Die Funktionen sind exakt dieselben, wie bei anderen Assistant-Geräten.

So kann man nicht nur per Sprachbefehl Radio und Musik streamen, sondern auch allgemeine Fragen stellen, (“wie wird das Wetter?”). Darüber hinaus kann man seine Smart-Home-Geräte verbinden und etwa Lichter (zb. von Philips Hue) ein- und ausschalten, oder sein Thermostat regulieren. Unterstützt werden von Google zahlreiche Hersteller von Smart-Home-Hardware. Ein Hinweis darauf findet sich zumeist auch bei der Beschreibung des jeweiligen Gerätes.

Grundsätzlich funktioniert der Assistant beim Nest-Audio sehr gut und besser als bei dem alten Google Home oder dem Nest Mini. Offenbar durch die Bauweise und den 3 integrierten Far-Field-Mikrofonen dürfte er die Ansagen klarer verstehen und aufnehmen. Auch reagiert der Nest Audio flotter als andere Google-Assistant-Geräte, die ich bislang verwendet habe.

Sound

Hauptargument, sich den Nest Audio zuzulegen, ist sein Sound. Und hier bietet der Nest Audio tatsächlich die beste Leistung unter Googles Smart Speakern - abgesehen vom Google Home Max, der in Europa nie offiziell verkauft wurde.

Dafür sorgen ein 75-mm-Woofer und 19-mm-Tweeter. Ein Sound-Wunder darf man sich dennoch nicht erwarten. Die Höhen sind zwar sehr klar und sauber, allerdings fällt der Bass zu dünn aus. In Sachen Laustärke sind ca. 75 Prozent das höchste der Gefühle, bevor ein ungutes Dröhnen wahrnehmbar ist. Damit könnte sich eine (Corona-konforme) kleine Party recht gut beschallen lassen - mehr aber auch nicht. 

Es ist zusätzlich möglich, 2 Nest Audio im Stereo-Verbund zu betreiben. Der Sound dürfte hier entsprechend füllender und lauter sein. Im Rahmen des Tests konnte ich in Ermangelung zweier Geräte das zwar nicht ausprobieren, es ist aber davon auszugehen, dass der Ton dadurch deutlich verbessert wird.

Multiroom

Wie Sonos unterstützt auch der Nest Audio Multi-Room-Streaming. Hat man mehrere Geräte, muss man sie in der Google-Home-App zu Gruppen kombinieren. Unterstützt werden sämtliche Google-Cast-kompatiblen Geräte, also neben allen Google-Home-Boxen auch etwa der (leider eingestellte) Chromecast Audio. 

Diese Gruppen tauchen dann in der Geräteübersicht als eigenes Gerät auf, auf dem Musik wiedergegeben werden kann. In meinem Fall habe ich für wohnungsweites Streaming einfach die Gruppe “Wohnung” angelegt. Die Lautsprecher tauchen als Casting-Devices auf - also genau dort, wo auch Chromecasts angezeigt werden. 

Das Multiroom-Streaming funktioniert dabei tadellos. Egal ob Radio via TuneIn oder Musik via Spotify oder YouTube Musik, der Sound wird zuverlässig und synchron in alle Räume übertragen. 

Falls sich Apple-User die Frage stellen: Airplay wird von dem Google-Produkt nicht unterstützt. Das Casten über Apps ist aber auch unter iOS problemlos möglich.

Fazit

Der Nest Audio ist eine smarte Box mit einem Sound, der sich im Vergleich zu den anderen smarten Google-Lautsprechern durchaus hören lassen kann. Nicht nur das Hören der Abendnachrichten im Radio oder eines Podcasts machen mit dem Gerät Freude, auch Musik lässt sich so wiedergeben, dass man sie genießen kann. Der Ton ist extrem sauber und klar, so, dass man über den schwächelnden Bass durchaus hinwegsehen kann - sofern man nicht ausschließlich extrem basslastige Musik hört. 

Der Sound hat aber seine Grenzen. Als kleiner Küchenlautsprecher reicht der Nest Audio zwar vollkommen - um ein größeres Wohnzimmer mit mehreren Leuten darin gleichzeitig zu beschallen, wird es jedoch knapp. Hier braucht es wohl mindestens 2 Geräte im Stereo-Verbund, um ein halbwegs angenehmes Ton-Erlebnis zu kreieren. Ist man bereits jetzt im Google-Universum und steuert etwa auch sein Smart Home über die Google-Home-App, integriert sich der Nest Audio innerhalb weniger Minuten in das Ökosystem - ein Vorteil für bestehende Kunden. Aber auch Google-ferne Anwender dürften sich in der Oberfläche gut zurechtfinden.

Für den Preis von 100 Euro liefert der Nest Audio jedenfalls eine erstklassige Vernetzung samt guten smarten Assistenten und zufriedenstellenden Sound. Das Gesamtpaket kann sich also sehen lassen.

Alternativen

Ebenfalls um 100 Euro bekommt man das Amazon-Pendant Echo in der 3. Generation. In Sachen Sound kann jenes aber nicht ganz mit Googles Nest Audio mithalten. 

Für den gleichen Preis bekommt man auch den günstigen Sonos-Lautsprecher Symfonisk von Ikea (futurezone-Test). Beim Ton hat man hier aber das gleiche Problem: Für einen raumfüllenden Sound braucht man 2 Boxen. Hier ist zudem kein Mikrofon für einen smarten Assistenten integriert - für manche ein Vor- für andere ein Nachteil.

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Thomas Prenner

ThPrenner

Beschäftigt sich mit Dingen, die man täglich nutzt. Loggt sich gerne ein. Checkt sich gerne ein. Wäre gern überall dabei. Hätte gern alles sofort. Möchte Altes mit Neuem verbinden. Mag Spotify genauso gern wie seine Schallplatten. Fotografiert am liebsten auf Film, manchmal aber auch mit dem Smartphone.

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