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Vier Jahre Energiegemeinschaft: Wien Energie zieht Bilanz

2017 hat Wien Energie Neuland betreten und eine der ersten Energiegemeinschaften Europas im Rahmen eines Pilotprojekts ins Leben gerufen. Vier Jahre lang wurde im Viertel Zwei im zweiten Wiener Gemeindebezirk unter anderem darüber geforscht, wie lokal produzierter Strom direkt vor Ort effizient verbraucht werden kann.

Analysiert wurde dabei, wie die Bewohner*innen des Stadtentwicklungsgebiets mit solchen neuen Möglichkeiten umgehen. Nun wurde das Gemeinschaftsprojekt planmäßig abgeschlossen. Der Wiener Energieversorger zieht Bilanz.

Wie die Energiegemeinschaft funktioniert

Die Photovoltaikanlagen im Viertel Zwei produzieren für die Bewohner*innen insgesamt 100 KWp (Kilowattpeak). Allen Teilnehmer*innen der Energiegemeinschaft ist 1 kW zugeordnet. Was sie damit machen, ob sie den Strom selbst verbrauchen, die nicht verbrauchte Energie an andere Teilnehmer*innen weiterverkaufen oder an der Strombörse handeln, können die Bewohner*innen selbst entscheiden.

"Dafür wurden unter anderem zahlreiche Tarife getestet, eine Blockchain-Infrastruktur installiert und ein eigener digitaler Marktplatz für Stromhandel eingeführt und die Bewohner*innen am Weg zu Energiegemeinschaft begleitet", erklärt Michael Strebl, Vorsitzender der Wien Energie-Geschäftsführung im Gespräch mit der futurezone.

Viertel Zwei beim Wiener Prater

Was aus dem Projekt gelernt wurde

Die zentrale Erkenntnis sei, dass mit technischen Lösungen allein die Energiewende nicht gelingen wird, heißt es von Wien Energie. Für die Energiegemeinschaft wurde beispielsweise ein eigener digitaler Energiemarktplatz geschaffen. Dieser wurde von den Teilnehmer*innen auch regelmäßig besucht - etwa um den eigenen Verbrauch und die Kosten zu überprüfen. Individuelle Einstellungen beim Stromhandel wurden allerdings kaum vorgenommen.

Verhaltensänderungen im Alltag waren ebenso wenig zu beobachten - zum Beispiel die Wäsche dann zu waschen, wenn der Tarif günstig ist oder wenn gerade Strom aus der eigenen Solaranlage zur Verfügung steht.

Alltag kann nur begrenzt an Stromtarif angepasst werden

"Wir haben gemerkt, dass es einfach nur begrenzt möglich ist, seinen Alltag an den Energiemarkt anzupassen", schildert etwa eine Teilnehmerin der futurezone. Die finanziellen Einsparungen seien zu gering, um bei den alltäglichen Tätigkeiten im Haushalt den jeweiligen Tarif permanent im Auge zu haben.

"Das Spannendste für mich war aber, dass wir uns aktiv mit dem Thema Energieverbrauch auseinandergesetzt haben", sagt die Bewohnerin. Die umfassenden Analysen würden einen detaillierten Überblick über den eigenen Stromverbrauch bieten. "Das wiederum hilft, seinen eigenen Energieverbrauch zu reflektieren."

Bei der Wahl des persönlichen Stromtarifs ging es den Teilnehmer*innen der Energiegemeinschaft nicht nur um den niedrigsten Preis. Klimaschutz, Transparenz, Nachvollziehbarkeit, Nachhaltigkeit und Regionalität zählten zu den wesentlichen Faktoren bei der Wahl des Tarifs.

Michael Strebl, Vorsitzender der Wien Energie-Geschäftsführung

Bestandteil der Energiewende

"Das Viertel Zwei bietet sich als reales Test-Lab besonders gut an, um Neues auszuprobieren", sagt Walter Hammertinger, Geschäftsführender Gesellschafter von Value One Development, die Wien Energie als Entwicklungspartner von Anfang an zur Seite standen. In Sachen Smart City, nahhaltiger und innovativer Energieversorgung sowie urbaner Mobilität habe man viele Erkenntnisse aus dem Projekt Energiegemeinschaft mitnehmen können.

Bei Wien Energie ist man davon überzeugt, dass Energiegemeinschaften einen wesentlichen Bestandteil bei der Energiewende darstellen. Seit Juli ist in Österreich auch das Erneuerbare-Ausbau-Gesetz (EAG) in Kraft. Es erlaubt die Gründung von Energiegemeinschaften unter realen Bedingungen.

"Das Wissen aus diesem Projekt setzen wir jetzt direkt am Markt um", sagt Strebl. Dementsprechend wird derzeit eine ähnliche Energiegemeinschaft im dritten Wiener Gemeindebezirk aufgebaut.

 

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation mit Wien Energie.

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Florian Christof

FlorianChristof

Großteils bin ich mit Produkttests beschäftigt - Smartphones, Elektroautos, Kopfhörer und alles was mit Strom betrieben wird.

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