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Science

Russisches Modul löste Notfall auf ISS aus: NASA-Flugdirektor berichtet

Das russische Forschungsmodul Nauka hatte vergangene Woche die Internationale Raumstation ISS nach dem Andocken ungeplant angeschoben, weil die Triebwerke aktiviert wurden. Die Situation war aber weit schlimmer als die NASA  kommunizierte. Denn die ISS wurde nicht wie zuvor berichtet um 45 Grad gedreht, sondern um ganze 540 Grad. Das berichtet der NASA-Flugdirektor Zebulon Scoville gegenüber der New York Times (hinter einer Paywall).

Konkret begann das 20 Tonnen schwere Modul um 18:34 mitteleuropäischer Zeit aufgrund einer „kurzzeitigen Softwarestörung“ die ISS nach dem Andocken zu drehen. Infolgedessen wurde ein „Raumschiffsnotfall“ ausgelöst.

Der Drehung mit zwei Modulen entgegengewirkt

Zwar sei Scoville zu der Zeit eigentlich nicht im Dienst gewesen, habe das Kommando aber übernommen, weil der zuständige Flugdirektor zu dem Zeitpunkt in einem Termin war. Zunächst musste die Crew an Bord die Triebwerke des Swesda-Moduls zünden, um der Drehung entgegenzuwirken. Da dies aber nicht ausreichend war, behalf sie sich später auch des noch angedockten russischen Progress-Moduls, der Fracht zur ISS gebracht hatte.

Zum Stopp kam es aber erst, nachdem Nauka selbst zum Schieben aufgehört hatte, weil scheinbar kein Treibstoff mehr verfügbar war. Die ISS stoppte kopfüber und wurde in der Folge um 180 Grad vorwärtsgedreht. Die Astronaut*innen auf der ISS waren aber zu keinem Zeitpunkt in Gefahr - die Drehung war nicht spürbar.

Schlimmere Konsequenzen möglich gewesen

Die Folgen hätten dem Experten zufolge verheerend sein können, zumal durch die Drehung nicht nur die Strukturen unter Druck gesetzt, sondern auch die Richtung der Antennen verschoben würden. Auch wenn zusätzliche irdische Antennen nach dem Notfall-Alarm zur ISS gedreht wurden, ging laut Scoville der Kontakt verloren. Einmal für 4 Minuten und einmal für 7 Minuten.  

Nach etwa einer Stunde war allerdings alles wieder wie gewohnt funktionsfähig. Die Station dürfte nach dem misslungenen Andockmanöver zudem in gutem Zustand sein, wie erste Analysen zeigen.

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