Worker inspecting valve

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Science
04/26/2020

Kläranlage kann Coronavirus-Dunkelziffer erkennen

Im Zulauf der Wiener Kläranlage wurden Erbgut-Spuren des Virus entdeckt. Die Menge zeigt, wie verbreitet COVID-19 ist.

Wissenschaftler des Instituts für Wassergüte und Ressourcenmanagement der Technischen Universität Wien ist es gelungen, Erbgut des Coronavirus im Zulauf der Wiener Kläranlage nachzuweisen. Mit der Methode, die dabei angewendet wurde, kann man selbst kleinste Spuren der RNA von SARS-CoV-2 entdecken. Daraus ergeben sich weitreichende Möglichkeiten.

Frühwarnsystem

Umweltstadträtin Ulli Sima meint in einer Presseaussendung: "Daraus könnte ein echtes Frühwarnsystem entstehen und daher unterstützt die Stadt Wien diese Forschung." Steigt die Menge des Viren-Erbguts im Abwasser, lässt das nämlich auf eine Zunahme der Zahl der Personen schließen, die sich mit dem Virus infiziert haben. Die Zahl umfasst die Gesamtheit aller im Einzugsbereich Infizierten, nicht nur die Zahl der Personen, von denen Testergebnisse vorliegen. Die Kläranlage könnte also selbst die Dunkelziffer der Coronavirus-Erkrankten erkennen.

Zusätzlicher Vorteil ist die Aktualität der Daten. Messungen im Abwasser könnten eine schnell verfügbare Informationsquelle für die Gesundheitsbehörden darstellen, die dann umgehend auf die Werte reagieren können. Möglich scheint auch, einzelne Abwasserstränge des Kanalnetzes untersuchen zu lassen, um zwischen einzelnen Stadtteilen unterscheiden zu können.

Kläranlage beseitigt Virus-Reste

Der Eintrag der RNA-Spuren des Coronavirus in das Abwasser erfolgt über den Stuhl infizierter Personen. Neueste Erkenntnisse zeigen, dass diese Ausscheidungen unabhängig von Krankheitssymptomen erfolgen. Bisher konnte noch nicht nachgewiesen werden, dass man sich durch Abwasser mit dem Coronavirus infizieren kann. Die Messungen seien insofern sicher für die Forscher.

Die Kläranlage leistet abgesehen davon auch bei der Beseitigung der Coronavirus-Spuren ganze Arbeit. Im Ablauf der Kläranlage können sie nicht mehr entdeckt werden. Während des rund 20 Stunden dauernden Reinigungsprozesses zerfällt die Viren-RNA. Die Reste werden im Klärschlamm gebunden, der aus dem Abwasser entfernt und verbrannt wird - u.a. um Strom für den Betrieb der Kläranlage zu erzeugen.