Protective face masks and face shields are on display at a market in Vienna

© REUTERS / LEONHARD FOEGER

Science

Maske, Lüften oder Plexiglas: Was wirklich gegen Aerosole hilft

Mittlerweile ist gut dokumentiert, dass Covid-19 auch über Aerosole verbreitet werden kann. Darunter versteht man das Gemisch aus Luft und den darin verteilten festen oder flüssigen Partikel, die im Gegensatz zu einer Tröpfcheninfektion winzig sein können und sich durch Außeneinwirkungen stets verändern. Doch wie sinnvoll sind Masken und Gesichtsvisiere eigentlich? Was bringt ständiges Lüften oder tun es auch Plexiglaswände? Und wie ist das jetzt im Freien?

Aktueller Forschungsstand

Die Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) hat zusammen mit 185 Experten den Stand der Forschung gesichtet und in einem 26-seitigen Positionspapier (PDF zum Download) zusammengefasst. Wer also schon immer alles zu dem Thema wissen wollte, findet in dem Dokument, an dem auch Bernadett Weinzierl, Leiterin der Aerosolphysik und Umweltphysik an der Universität Wien beteiligt war, viele interessante Details zur Aerosolverbreitung, aber auch zum Schutz davor.

Als einfachste und wichtigste Maßnahme gilt weiterhin: Abstand halten. Den Forschern zufolge verdünnt sich die Konzentration ausgeatmeter Viren mit zunehmendem Abstand. Zudem gebe man großen Tropfen die Möglichkeit, zu Boden zu sinken. Die GAeF plädiert dafür, den jeweils vorgeschriebenen Mindestabstand einzuhalten und ihn bei längeren Zusammenkünften sowie in Innenräumen mit verringerter Luftbewegung zu vergrößern, um das Risiko zu senken.

Wie gut schützen Masken?

Bei der wissenschaftlichen Debatte um Masken ist der Konsens klar. Selbst einfache Stoffmasken helfen die Verbreitung des Virus zu verhindern, da die ausgeatmeten Aerosolpartikel durch die anhaftende Feuchtigkeit relativ groß sind und somit zurückgehalten werden. Für den Selbstschutz sind sie deshalb weniger effizient, da Partikel mit längerer Verweildauer in der Raumluft schrumpfen, also den Stoff durchdringen können.

Wer sich selber durch eine Maske schützen möchte, müsse einen Atemschutz der Klasse FFP2, N95 oder KN95 tragen. Damit könne man sich und Mitmenschen effizient schützen, solange die Maske nicht über ein Ausatemventil verfügen. In dem Fall ist man nur selber geschützt, verbreitet das Virus aber ungebremst an Mitmenschen. Eine derartige Vorrichtung sieht die GAeF kritisch, da sie dem Solidaritätskonzept widerspricht.

Visiere und Plexiglas völlig sinnlos

Das Fazit der Forscher nach Durchsicht der bisherigen Studienergebnisse ist eindeutig: "Gesichtsvisiere sind hinsichtlich Aerosolpartikeln weitgehend nutzlos, wenn sie ohne zusätzliche Verwendung von Masken eingesetzt werden, da die Luft mit Partikeln und Viren ungefiltert um die Visiere herumströmt." In Kliniken würden sie lediglich getragen, um Tröpfcheninfektion über die Schleimhäute der Augen zu verhindern.

Protection bubbles for customers of restaurants in Paris

Ähnlich nutzlos sind mobile oder fest installierte Plexiglasbarrieren, um sich vor Aerosolen zu schützen. Diese können nur kurzfristig die kleinräumige Ausbreitung eines Aerosols, etwa im Kassenbereich eines Supermarkts, verhindern. "Gesichtsvisiere und Plexiglasscheiben dienen im Wesentlichen als Spuck- und Spritzschutz gegenüber großen Tröpfchen", folgern die Forscher.

Im Freien ist man vor Aerosolen sicher

Einmal mehr weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass nach aktuellem Forschungsstand im Freien so gut wie keine Infektionen über das Aerosol stattfinden. In geschlossenen Räumen sei Lüften unerlässlich, um die ausgeatmete Luft in einem Raum durch Frischluft von außen zu ersetzen. Dabei spiele es keine Rolle, ob man ein Fenster dauernd geöffnet habe oder in regelmäßigen Abständen stoß- und querlüfte - die für die Winterzeit wohl praktikablere Vorgehensweise.

Inwiefern Luftreiniger bzw. Belüftungsanlagen, die mit einem Filter ausgestattet sind, vor einer Infektion durch Aerosole schützen, ist vom jeweiligen Gerät, aber auch vom Raum abhängig. Wer sich einen Luftreiniger beschafft, müsse darauf achten, dass er für den jeweiligen Raum richtig dimensioniert sei. Der Luftdurchsatz sei hierbei wichtiger als die Filter-Effizienz. Bei fest verbauten Lüftungsanlagen sei es sinnvoll, wenn diese mit möglichst 100 Prozent Frischluftzufuhr betrieben werden.

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Martin Stepanek

martinjan

Als früher „Digital Native“ schon 1984 dem legendären Macintosh 128k seines Vaters ausgesetzt. Erster eigener Computer: Atari 520ST. Gadget-verliebt. Während Journalisten-Verschnaufpausen Alte-Musik-Sänger im Vienna Vocal Consort. Liebt gute TV-Serien. Und Wien.

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