Konzeptbild des Boeing Starliner

© Boeing

Science
11/15/2019

NASA: Flug zur ISS mit Boeing ist 60 Prozent teurer als mit SpaceX

Beide Firmen sollen künftig Astronauten zur ISS bringen. Dabei zeigen sich deutliche Kostenunterschiede für einen Platz im Raumschiff.

Die NASA arbeitet mit den Firmen Boeing und SpaceX an einem kommerziellen Flugprogramm. Das Ziel ist zukünftig Astronauten schnell und sicher zur Internationalen Weltraumstation zu bringen. Boeing schickt dafür den Starliner ins Rennen, der mit einer Atlas-V-Rakete gestartet wird. SpaceX arbeitet an Dragon 2, die mit einer Falcon 9 Rakete gelauncht wird. Für die Entwicklung hat Boeing 4,82 Milliarden US-Dollar von der NASA erhalten, SpaceX bekam 3,14 Milliarden US-Dollar. 

45 Millonen Dollar Preisunterschied

In einem ausführlichen Bericht zum aktuellen Stand der Entwicklung vergleicht die NASA auch die nötigen Kosten, mit denen sie für die Nutzung der beiden Raumschiffe rechnen muss. Dabei zeigt sich der Unterschied zwischen den beiden Firmen: Der Preis pro Sitzplatz kostet auf einem Dragon-2-Flug 55 Millionen US-Dollar und mit dem Starliner 90 Millionen. Beide Transportkapseln sollen vier Personen transportieren können.

Während SpaceX mit den ohnehin geringer angesetzten 3,14 Milliarden US-Dollar arbeiten musste, erhielt Boeing laut des Berichts noch einmal zusätzlich 287,2 Millionen Dollar an Zuschüssen. Boeing kommt so auf insgesamt 5,1 Milliarden Dollar.

Ein Statement im Bericht springt dabei besonders ins Auge: Vertretern der NASA zufolge bezahlte man Boeing so viel mehr, um sicherzustellen, dass das Unternehmen weiter am Programm teilnimmt.

Ars Technica Redakteur Eric Berger veröffentlichte ein Statement der NASA zu diesen Vorwürfen. Darin gibt die NASA an, es gebe keine Hinweise darauf, dass Boeing das Programm hätte verlassen wollen und man solle sich nicht auf die Aussage weniger NASA-Vertreter stützen. Auch Boeing dementierte die Vorwürfe. Man habe signifikante Investitionen gemacht und stehe hinter dem Plan, mit dem Starliner zur ISS zu fliegen.

Auch Elon Musk antwortete auf den Bericht mit einem Tweet, es sei unfair, dass Boeing so viel mehr Geld für die gleiche Sache erhält. Für die Zuschüsse hätte Boeing schnellere Vorlaufzeiten für die Starts der Transportkapseln angeboten. SpaceX wurden nicht die Möglichkeit gegeben, Zuschüsse für vergleichbare Verbesserungen zu erhalten.

Kritiker vermuten zudem, dass dahinter die US-Regierung steckt. Boeing, das auch als Rüstungsunternehmen tätig ist, sei der Trump-Regierung wichtiger als Elon Musks SpaceX. Andere mutmaßen, dass es gar ein Erpressungsversuch von Boeing gewesen sei. Würde man nicht mehr Geld bekommen, würde man aus dem Programm aussteigen und die NASA sei ganz auf Elon Musk angewiesen.