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Science
03/14/2020

TU Wien: Coronavirus-Maßnahmen sollten bald Wirkung zeigen

"Aber nur wenn alle mitmachen", sagen die Forscher, die neue Berechnungen zur Ausbreitung vorgelegt haben.

Die Maßnahmen der Regierung der vergangenen Tage zur Eindämmung der Coronavirus-Infektionen "sollten bald Wirkung zeigen - aber nur wenn alle mitmachen". Das zeigen die um die aktuellen Regulierungen angepassten Simulationsmodelle der Technischen Universität (TU) Wien, teilten die Wissenschafter Freitagabend mit.

Laut den aktuellsten Berechnungen des Teams um Niki Popper von der TU Wien und dem TU-Spin-Off dwh sollte es durch die verordneten de-facto Schulschließungen und die Reduktion der Kontakte vor allem zu den als besonders gefährdet geltenden älteren Menschen möglich sein, die Ausbreitung von COVID-19 deutlich einzubremsen. Wenn die Kontakte tatsächlich eingeschränkt werden, sollten erste Auswirkungen bereits Ende nächster Woche zu sehen sein, meinen die Forscher. Die Zahl der Neuinfizierten werde zwar weiter ansteigen, aber in weitaus geringerem Maße als in den bisher verbreiteten Hochrechnungen. Das mache es dem Gesundheitssystem deutlich einfacher, mit der Situation umzugehen.

Reduktion der Kontakte

Die Wissenschafter gehen dabei davon aus, dass die Schulschließungen zu einer Reduktion zwischenmenschlicher Kontakte um etwa zehn Prozent in der Gesamtbevölkerung führen. Sollten Menschen über 65 ihre Kontakte um die Hälfte reduzieren, gehe die Gesamtzahl der Kontakte in der Gesamtbevölkerung um weitere acht Prozent nach unten. "Das reduziert die Maximalzahl an Personen, die gleichzeitig krank sein werden, bereits um 40 Prozent. Und was noch wichtiger ist: Die Zahl der schweren Fälle insgesamt reduziert sich laut unserem Modell dadurch sogar um 55 Prozent von jenem Wert, den wir ohne diese Maßnahmen hätten", so Popper. Der Grund sei, dass besonders viele Menschen aus der Risikogruppe sich in diesem simulierten Fall nicht anstecken.

Derzeit verdoppelt sich die Zahl der Infizierten etwa alle 2,5 Tage. "Diese Verdopplungszeit wird sich unseren Berechnungen nach verlängern, wir gehen aktuell davon aus, dass die Verdopplungszeit zumindest auf fünf bis sechs Tage gebremst werden kann. Aber wirklich nur wenn die Kontakte auch wirklich reduziert werden", erklärte Popper. Die Kontakte wirklich zu reduzieren und sich an die Maßnahmen zu halten sei der entscheidende Faktor.