© Iva Hafner, Visit at Living Colour, Laura Luchtman und Ilfa Siebenhaar

Female Founders

"Ich wollte selber CEO sein"

Nur 18 Prozent der österreichischen Gründer*innen sind weiblich. In der Serie "Female Founders" befragen wir Unternehmerinnen über ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Erfolge in der Start-up-Welt.

"Ich wollte selber CEO sein", sagt Karin Fleck. In der Unternehmenswelt machte die Chemikerin, die bei internationalen Konzernen in Deutschland und den Niederlanden in der Energiewirtschaft tätig war, die Erfahrung, dass ihre Aufstiegsmöglichkeiten begrenzt waren. "Wenn es um Management-Positionen geht, sind Männer immer noch in der besseren Position und das spürt man."

Nachdem sie durch eine Freundin in Amsterdam auf das Färben von Textilien mit Bakterien aufmerksam gemacht wurde, beschloss sie, die Idee aufzugreifen und gründete das Start-up Vienna Textile Lab.

An der Entwicklung natürlicher Farbstoffe, die helfen sollen, die Textilindustrie umweltfreundlicher zu machen, arbeitet sie seit mittlerweile 4 Jahren. Anfangs war sie auch weiterhin als Beraterin in der Energiewirtschaft tätig. "Dass man von Luft und einem Traum leben kann, ist ein Schmarrn", sagt die Gründerin. "Man muss nebenbei Geld verdienen und das hab ich als Consulterin gemacht."

"Von Jahr zu Jahr besser geworden"

Mittlerweile bringen Partnerschaften mit Unternehmen aus der Textilindustrie erstes Geld. Auch mit der Weltraumorganisation ESA arbeitet mit Fleck und ihrem Team zusammen. "Wir sind von Jahr zu Jahr besser geworden. Man sieht die Sprünge und das bedeutet auch Eingänge am Konto."

Die größte Herausforderung bei der Gründung war die Suche nach einer geeigneten Cofounderin, es ist schwierig Menschen zu finden, die bereit sind ein Risiko einzugehen. Sie hat sich dann für eine Gründung alleine entschieden.

"Think big"

Was rät sie Gründer*innen? "Sich eine gute Anwältin suchen und eine gute Steuerberaterin", sagt Fleck: "Die haben mir bei den wirklich wichtigen Entscheidungen am meisten geholfen." Und: "Think big!" Auch wenn das tägliche Business wichtig sei, bestimmte Dinge nicht warten können und man ohnehin schon einen 15-Stunden-Tag habe, müsse man sich für die langfristige Planung Zeit nehmen: "Sonst ist man nur ein Unternehmen, das sich durchwurstelt."

"Wenn man Gründerteams sieht, stehen meist 3 bis 4 Maxeln da, die alle gleich aussehen."

Karin Fleck, Gründerin Vienna Textile Lab

Warum gründen so wenige Frauen Start-ups? Bei der besonders niedrigen Vollzeitbeschäftigung von Frauen in Österreich ist das auch kein Wunder. Viele würden sich in einem Angestelltenverhältnis sicherer fühlen, meint Fleck: "Ich muss mir jeden Tag vorhalten, was ich meinem Bankkonto angetan habe." Auch wenn man Kinder haben möchte, werde man in Österreich eher nicht gründen, sagt sie.

Dazu komme das hierzulande weit verbreiteten "Handschlag-Business". Dabei könnten Frauen oft nicht mitspielen: "Da einigen sich 2 Typen im Kammerl und alles ist gut, aber nichts ist klar. Das interessiert mich einfach nicht. Das ist unprofessionell und verantwortungslos, so führt man kein Unternehmen."

Darüber hinaus werde in Österreich akzeptiert, dass Diversität nicht wichtig sei. "Wenn man Gründerteams sieht, stehen meist 3 bis 4 Maxeln da, die alle gleich aussehen." Vor allem bei IT-Produkten merke man oft, dass sie nicht für Frauen entwickelt worden seien. Man sollte nicht Frauen fragen, warum sie nicht gründen, sondern einheitliche Gründerteams, warum sie glauben, ein Produkt entwickeln zu können, das für alle ihre Kundinnen und Kunden gleich gut funktioniere, regt Fleck an.

"Führ dich nicht so auf"

Welche Rolle spielt das Bildungssystem? "Alles was naturwissenschaftlich war, hat mir immer besser gefallen als Sprachen", sagt die Gründerin. Dass sie an der TU Wien studiert habe, habe gut gepasst. "Das wurde auch von zuhause unterstützt und wurde auch nie in Frage gestellt, während es sehr wohl einen Unterschied machte ein Mädchen zu sein. Das ländliche Umfeld hat klare Vorstellungen vom Verhalten und Lebensweg eines Mädchens, während Burschen hier klar für viele Dinge eine Freikarte haben und ihnen vieles nachgesehen wird", sagt Fleck.

Wohl deshalb versuche sie auch heute noch, nicht negativ aufzufallen, meint Fleck. Als Unternehmerin sei das aber kontraproduktiv: "Man muss manchmal mit der Faust auf den Tisch hauen."

Für ihr Start-up sucht Fleck gerade Investor*innen. Auch dabei sei die Diversität wichtig, sagt die Gründerin: "Wir hoffen, dass wir im Lauf des nächsten Jahres unsere erste Finanzierungsrunde abschließen können."

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und Austria Wirtschaftsservice (aws).

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Patrick Dax

pdax

Kommt aus dem Team der “alten” ORF-Futurezone. Beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Innovationen, Start-ups, Urheberrecht, Netzpolitik und Medien. Kinder und Tiere behandelt er gut.

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