© Legitary

Female Founders

"Ich wollte schon immer gründen"

Nur 18 Prozent der österreichischen Gründer*innen sind weiblich. In der Serie "Female Founders" befragen wir Unternehmerinnen über ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Erfolge in der Start-up-Welt.

"Ich wollte schon immer gründen", sagt Nermina Mumic. "Mir war früh klar, dass ich nicht einem Beruf in einer Bank oder einer Versicherung nachgehen möchte und war auf der Suche nach dem richtigen Projekt." Gefunden hat es die technische Mathematikerin in einem Forschungsprogramm der TU Wien zur Betrugsbekämpfung beim Musikstreaming.

Schnell merkte sie, dass in der Branche großes Interesse an Lösungen für das Problem besteht. Gemeinsam mit Günter Loibl, einem Veteranen im Musikgeschäft, und dem Statistiker Peter Filzmoser von der TU Wien gründete sie das Start-up Legitary, das eine selbstlernende Software anbietet, die Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung von Musikstreams erkennt.

Blitzstart

Gründen sei normalerweise ein längerer Prozess, bei Legitary sei es sehr schnell gegangen, erzählt die Mathematikerin. "Wir mussten uns beeilen, weil wir an einem Wettbewerb teilnehmen wollten."

Dabei handelte es sich um die Midemlab, den Start-up-Wettbewerb der größten Musikmesse der Welt in Cannes, den Mumic und ihr Team 2019 auch für sich entscheiden konnten. "Dass wir den wichtigsten Start-up-Wettbewerb der Branche gewinnen konnten, hat uns gezeigt, wie wichtig das Produkt für den Markt ist und dass wir tatsächlich einen Nerv getroffen haben", sagt die Gründerin.

Heute hat das Start-up bereits mehr als 100 Milliarden Streams von Kunden aus der ganzen Welt analsysiert, darunter ein Major-Label und zahlreiche Indies. Vor kurzem konnte sich Legitary auch mit einer hohen sechsstelligen Summe eine Finanzspritze sichern. In der Zwischenzeit hat das Start-up, das mittlerweile 7 Mitarbeiter*innen zählt, auch 2 Patente angemeldet und eines bewilligt bekommen: "Das war sehr herausfordernd", sagt Mumic.

"Wenn man Probleme zusammen lösen möchte ist es wichtig mit vielen unterschiedlichen Perspektiven darauf zu schauen."

Nermina Mumic, Gründerin Legetary

Was rät sie Gründer*innen? Unter Gründer*innen sollte man schauen, dass ein breites Spektrum an Fähigkeiten gut abgedeckt wird, von der Technik über die Finanzen bis hin zur Marktkenntnis, sagt Mumic. Fast noch wichtiger sei, dass die Persönlichkeiten zusammenpassen: "Dass man dieselben Werte und Vorstellungen teilen, wie man ein Unternehmen aufbauen möchte. Man erlebt viele Höhen und Tiefen, es ist wichtig, dass man einander vertrauen kann."

Die Diversität sei ein wesentlicher Faktor: "Wenn man Probleme zusammen lösen möchte ist es wichtig mit vielen unterschiedlichen Perspektiven darauf zu schauen", sagt Mumic: "Nur so ergeben sich gesamtheitliche Lösungen."

Warum gründen so wenige Frauen? Für Gründungen sei die Finanzierung wichtig. Statistiken zeigen, dass es für Frauen oft schwieriger sei, sich Kapital zu holen und Zugang zu bestehenden Netzwerken zu erhalten, meint Mumic. In Österreich gebe es aber ein sehr gutes Fördersystem, das vor allem in frühen Phasen Alternativen zu Risikokapital bereitstellt.

"Role Models sind wichtig"

Dass sie sich für ein technisches Studienfach entschieden habe, sei eine spontane Entscheidung gewesen. In Mathematik sei sie schon immer gut gewesen und habe auch an Olympiaden teilgenommen, erzählt die Gründerin. Weil sie auf Nummer sicher gehen wolle, hatte sie aber ursprünglich Betriebswirtschaftslehre inskribiert.

Erst kurz vor Studienbeginn habe sie sich auf Anraten eines Freundes für Mathematik an der TU Wien entschieden. Dazu hat auch eine Freundin beigetragen, die ihr Mathematikstudium kurz davor abgeschlossen hatte. "Ich hab gesehen, dass es geklappt hat und funktionieren kann", sagt Mumic: "Role Models sind wichtig."

Wie können Gründerinnen besser gefördert werden? Um gleichberechtigte Zugänge zu schaffen und Stereotypen aufzubrechen, gebe es gesamtgesellschaftlich noch viel zu tun, meint Mumic: "Das beginnt schon bei der Frage, womit man Kinder spielen lässt und was man ihnen schenkt."

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und Austria Wirtschaftsservice (aws).

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Patrick Dax

pdax

Kommt aus dem Team der “alten” ORF-Futurezone. Beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Innovationen, Start-ups, Urheberrecht, Netzpolitik und Medien. Kinder und Tiere behandelt er gut.

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