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Start-ups

Software fasst Texte und Videos für Nutzer zusammen

Viele kennen das noch aus der Schule oder Uni: Aus den zahlreichen Inhalten in den Lehrbüchern ist nur ein Bruchteil relevant. Den herauszufiltern nimmt in der Regel viel Zeit in Anspruch. In der digitalen Welt ist das nicht anders. Nur können Nutzer diese Inhalte nicht wie analoge Texte mit dem Leuchtmarker kennzeichnen. Eine innovative Software kann das sehr wohl.

Das Salzburger Start-up GoEssential hat ein auf künstliche Intelligenz (KI) gestütztes Programm entwickelt, das die essenziellen Abschnitte - wie der Name schon sagt - aus digitalen Inhalten wie Videos, Texte und Audios herausfiltert. Wesentliche Passagen in digitalen Texten, etwa ein Online-Artikel oder ein E-Book, werden farblich hervorgehoben. Den "unwesentlichen" Teil können die Nutzer ausblenden, sodass nur noch die Essenz sichtbar ist. 

Finden, merken, teilen

Die Idee stammt von Gründer Christian Kleinferchner und baut auf seine eigenen Erfahrungen auf: „Früher habe ich Bücher, speziell Sachbücher, immer so markiert und mit Anmerkungen versehen, dass ich die relevanten Teile verhältnismäßig leicht wiederfinden konnte“, erzählt er der futurezone. Mit dem Umstieg auf E-Books vor einigen Jahren wurde das Übertragen seiner Vermerke ins Elektronische aber schwierig. Die vorhandenen E-Book-Systeme und Annotation-Tools für Webseiten waren unzulänglich. Also gründete er GoEssential.

Dem Start-up geht es darum, dass Nutzer die Essenz von digitalen Inhalten wiederfinden, merken und teilen können. "Als Nebeneffekt spart man Zeit, weil man den Inhalt besser und schneller überblicken kann“, sagt Kleinferchner und ergänzt: "Außerdem helfen wir auch beim “TL,DR-Problem”: Too long, did not read (or watch or listen)." Aufgrund der Informationsmenge sei man zu meist zu ungeduldig, die Inhalte komplett zu konsumieren.

Video-Erweiterung

Das Konzept für Textinhalte wurde auf Videos erweitert. So wird aus einem 45-minütiger Vortrag ein 5-minütiger Vortrag. Das Video bleibt in seiner ursprünglichen Form erhalten, nur wird es in betitelten Kapiteln unterteilt, sodass Nutzer zur entsprechenden Passage springen können, ohne auf der Zeitleiste navigieren zu müssen. Ein zusätzlicher Button erlaubt es, lediglich die wichtigsten Stellen zu sichten, die grün markiert sind. 

Als Bonus erhalten Nutzer auch das vollständige Transkript des Videoinhalts. Die Konzepte und Tools wurden neuerdings auch für Inhaltsformate wie Podcasts erweitert. 

Mensch und Maschine

Aktuell erfolgt das Filtern der Inhalte noch durch Menschen, "also mithilfe von HI (Human Intelligence)", wie der GoEssential-Gründer erzählt. Auf Basis dieser Erfahrungen würde nun an einer Lösung für eine KI-basierte, automatische Essenzialisierung gearbeitet, die das übernimmt. "Wir gehen davon aus, dass die Qualität dieser Ergebnisse anfangs schlechter sein wird als jene, die von Menschen erzielt werden. Aber mithilfe unserer Crowd-Sourcing-Plattform können wir die Maschine trainieren, besser zu werden", berichtet er.

Normalerweise sind Zusammenfassungen separate Dokumente und man tut sich oft sehr schwer, eine Verbindung zum Originalinhalt herzustellen“, so Kleinferchner. Daher sei in solchen Zusammenfassungen sowohl die Prüfung der Vollständigkeit als auch die Betrachtung des Kontextes sehr umständlich und mit großem Aufwand verbunden.

Im Gegensatz dazu ermögliche die Lösung des Start-ups, dass Nutzer den Originalinhalt immer in Griffweite haben und daher den Kontext von bestimmten Passagen in der Verkürzung einsehen, aber bei Bedarf auch selbst prüfen können, ob die Essenz wirklich vollständig oder „gut“ ist.

Mainstream

Die KI-basierte Lösung wird voraussichtlich im zweiten Quartal 2021 verfügbar sein. Gefördert wird das Start-up dabei von der austria wirtschaftsservice (aws). Vertrieblich war GoEssential bislang hauptsächlich in Österreich, Deutschland und der Schweiz aktiv, der Fokus wurde nun auf die EU und die USA erweitert. "Wir wollen diese Lösung für Videos und Podcasts in den Mainstream bringen", sagt Kleinferchner. 

Gedacht ist das Produkt in erster Linie für Inhaltsanbieter und Kanäle, die hochwertige digitale Inhalte bieten und ihren Nutzern eine übersichtliche Aufbereitung anbieten wollen. 

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und austria wirtschaftsservice (aws).

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Andreea Iosa

Andreea Iosa beschäftigt sich mit neuesten Technologien und Entwicklungen in der Forschung – insbesondere aus Österreich – behandelt aber auch Themen rund um Raumfahrt sowie Klimawandel.

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