Start-ups
10.07.2017

Kalorienzähler und Landschaftsdrucker auf Investorensuche

Beim Business Angel Summit in Kitzbühel präsentierten sich vielversprechende heimische Start-ups internationalen Geldgebern.

Wer wissen will, wie viele Kalorien er zu sich genommen hat, kann dies schon jetzt mit einer Vielzahl von Apps berechnen. Dazu müssen allerdings Speisen und Portionsgrößen händisch in das Smartphone eingetippt werden. Das Start-up Snics hat eine zeitsparende und effiziente Alternative dazu entwickelt. Ein Smartphone-Foto genügt, um die Nährwerte der verzehrten Gerichte zu ermitteln. Das Ernährungsprotokoll wird mit Hilfe von Bilderkennungstechnologien und einer 170.000 Einträge umfassenden Ernährungsdatenbank erstellt. Über Schnittstellen zu Sport- und Fitnessportalen könnten die Kaloriendaten mit anderen Fitnessdaten kombiniert werden, erzählt Gerd Sumah, der Snics vor zwei Jahren gegründet hat. Eine erste Version der App soll schon bald verfügbar sein. Für den Markteintritt sucht das Start-up, dessen Namen die Wörter Snacks" und "Pictures" kombiniert, noch Investoren. Gemeinsam mit zehn anderen ausgewählten jungen Unternehmen präsentierte Sumah am Freitag beim Business Angel Summit in Kitzbühel seine Idee vor österreichischen und internationalen Investoren

Der Austausch zwischen Start-ups und Business Angel in den Tiroler Berger fand heuer bereits zum dritten Mal statt. In den vergangenen Jahren kamen mehrere Abschlüsse zustande, so konnten etwa die Dienste Yodel.io und Dealmatrix, Geldgeber für ihre Ideen gewinnen. Auch heuer wird nach der Vorstellung der Geschäftsideen lebhaft über das Potenzial der jungen Unternehmen diskutiert.

"Wertvolle Berater"

"Das wichtigste sind die Gründer", sagt der Investor Markus Ertler, der im vergangenen Jahr auf dem Business Angel Summit eine Beteiligung bei Dealmatrix einfädelte: "Trau ich ihnen zu, Probleme, die wir heute noch nicht kennen, zu lösen?" Auch die Chemie zwischen Gründern und Investoren müsse stimmen, sagt Ertler, der in den 90er Jahren mit Immobilien.net die erste deutschsprachige Immobilienplattform gründete und seit dem Verkauf des Portals im Jahr 2014 in junge Firmen investiert. "Es ist wichtig, dass Gründer Investoren als wertvolle Berater und nicht als finanziell notwendiges Übel betrachten."

Auch das Aero-Enterprise aus Linz stellte sich auf dem Investorentreffen vor. Das Start-up inspiziert mit Drohnen Windkraftanlagen und bietet auch Software zur Sammlung und Analyse der erhobenen Daten an. Betreiber von Anlagen könnten mit den Lösungen des Start-up Schäden schnell feststellen und auch künftige Störungen prognostizieren und damit Wartungs- und Reparaturarbeiten besser planen und kalkulieren, erzählt Gründer Robert Hörmann.

Roboter bedruckt Landschaften

Auch das aus der Puls4-TV-Show "2 Minuten, 2 Millionen" bekannte Hagenberger Start-up Pixelrunner nutzte den Summit zur Kontaktaufnahme mit Investoren. Pixelrunner hat den nach eigenen Angaben ersten Landschaftsdrucker der Welt entwickelt. Bis Jahresende soll der Roboter der autonom großflächige Werbemotive auf Wiesen, Sportplätzen und Asphalt pinselt, serienreif sein. Schon heute ist er bei der Formel 1 im Einsatz, für die Internationalisierung werden noch Investoren gesucht. Geld verdienen will das Start-up mit der Vermietung der Roboter und mit der Lieferung von Farben. Um wie viel günstiger es sei, Werbebotschaften mit dem autonomen Roboter anstatt mit herkömmlichen Methoden anzubringen, wird Pixelrunner-Mitgründer Rainer Kargel gefragt. Der Personalunterschied sei enorm, erzählt Kargel und spielt ein Video vor, in dem vier Leute in mühevoller Kleinarbeit den Rasen eines Stadions der US-National Football League bepinseln.

"Wir schauen uns alle Geschichten an, in 98 Prozent der Fälle sagen wir nein", sagt der Business Angel Peter Koch. Bevor er investiert, testet Koch die Produkte seiner Start-ups "hart und schnell" am Markt aus, wie er bei dem Summit erzählt: "Wir gehen mit Start-ups gemeinsam zu potenziellen Kunden, bevor wir das Investment machen. Schlussendlich ist der Verkauf entscheidend." Er musste bereits ein Viertel seines Portfolios abschreiben, erzählt der Investor Martin Egger. Das Scheitern sei auch für Investoren eine Lernkurve: "Auch wenn es manchmal schmerzhaft ist."

"Selber die Finger verbrennen"

"Man muss sich selber die Finger verbrennen", sagt Frank Salzgeber von der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA der bei dem Summit die Keynote-Adresse hielt. Salzgeber macht Start-ups die Technologie der Weltraumorganisation schmackhaft. In den vergangenen zehn Jahren habe man europaweit 500 Start-ups unterstützt und mehr als 30 Millionen Euro investiert. Seit vergangenen November ist die ESA auch in Österreich als Inkubator tätig. Geld verdienen wolle man mit den Aktivitäten nicht, erzählt Salzgeber. Weltraumtechnologie - von Wettersatteliten bis zu Navigationsgeräten - sei aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. "Wir wollen zeigen, dass Investment in Raumfahrttechnologie etwas bringt", sagt Salzgeber: "Und wir glauben, dass Start-ups die Zukunft der Innovation sind."

Standort Tirol

Start-ups gewinnen in Tirol zunehmend an Bedeutung. Sie seien eine wertvolle Ergänzung zu den Traditionsbetrieben in dem Land, sagt die Tiroler Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf. "Start-ups und Tirol passen gut zusammen." Seit 2015 hat das von der Standortagentur des Landes betreute Investorennetzerk Tirol Projekte im Volumen von 37 Millionen Euro unterstützt. Veranstaltungen wie das Business Angel Summit sollen helfen, vermehrt internationales Kapital in das Land zu bringen.

In Kitzbühel stellten sich auch zwei Tiroler Start-ups den internationalen Geldgebern vor. Markenfunk aus Innsbruck hat eine cloudbasierte Plattform für Videostreaming und Podcasting entwickelt, die es Unternehmen ermöglichen soll, Medieninhalte zu verwalten und weltweit auszuliefern. Heuer wurde etwa der Wiener Lifeball gestreamt. Für die Expansion im deutschsprachigen Raum such das Start-up, das sich als "DHL für Video" bezeichnet, einen strategischen Investor.

Rateboard, das ebenfalls in Innsbruck ansässig ist, errechnet für Hotels tagesabhängig den optimalen Preis. Neben Reservierungsdaten werden dabei etwa auch Wetterdaten zu Rate gezogen. 200 Hotels in Österreich und Norditalien zählt das Start-up bereits zu seinen Kunden, nun will man in weitere europäische Länder expandieren und auch im Campingsektor Fuß fassen.

"Noch viel möglich"

Einen Erfolg konnte vor kurzem das Start-up Onlim (futurezone-Porträt), das sich im vergangenen Jahr bei dem Summit präsentierte, verbuchen. Der Tourismus-Dienstleister feratel stieg mit einem mittleren sechsstelligen Investment bei dem Tiroler Chatbot-Spezialisten ein. Tourismus sei ein wichtiger Schwerpunkt für Tiroler Start-ups, sagt Landesrätin Zoller-Frischauf: "Da wird noch sehr viel möglich sein."

Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und dem Business Angel Summit Kitzbühel entstanden.