Digital Life

Google kauft Gesichtsdaten von Passanten für fünf US-Dollar

Google sammelt derzeit offenbar Gesichtsdaten von Passanten. Das berichtet ZDNet, das zumindest von einem Fall in New York erfahren haben will. Demnach sei ein Google-Mitarbeiter auf einen Mann zugegangen und habe diesen darum gebeten, das Gesicht mit einem modifizierten Pixel-Smartphone aus mehreren Blickwinkeln zu fotografieren. Als Entschädigung bot man einen Fünf-Dollar-Gutschein für Amazon oder Starbucks an. Dem Bericht zufolge handelt es sich um keinen Einzelfall. „Er erwähnte, dass sie Teams in vielen Städten haben, die das gleiche machen“, so der Mann, der auf das Angebot des US-Konzerns einging.

Für ein neues Google-Produkt

Darauf deutet ein weiterer Bericht eines Lesers des Tech-Blogs Android Police hin. „Vor knapp zwei Monaten haben sie es auf den Straßen von Miami getestet“, schrieb der Nutzer „Frisi“. „Man gab mir ein Pixel 3 XL, auf dem ein Sensor angebracht war, der meine Bewegungen testweise erfasst und die Gesichtserkennung durchgeführt hat.“ Er musste dabei offenbar ebenfalls konkrete Szenarien durchspielen, unter anderem das Smartphone aus der Hosentasche ziehen und entsperren, Benachrichtigungen schnell lesen sowie die Gesichtserkennung mit und ohne Brille. „Die Person wollte mir nicht sagen, wofür das alles war, aber er erwähnte, dass es für ein zukünftiges Google-Produkt ist.“

Gerüchten zufolge arbeitet Google an einer Face-ID-ähnlichen Technologie zur Gesichtserkennung auf Smartphones. Diese soll deutlich zuverlässiger funktionieren als bisherige Methoden. Ob die mühsam händisch gesammelten Daten in das Produkt einfließen oder ob man lediglich Feinkalibrierung betreibt, ist unklar. Google wird voraussichtlich im Oktober sein neues Smartphone-Flaggschiff Pixel 4 präsentieren, das Leaks zufolge über einen neuen, relativ breiten Sensor verfügen soll. Dabei könnte es sich einerseits um Sensoren für eine präzise Gesichtserkennung, aber auch die Gestensteuerung Project Soli handeln, an der Google bereits seit längerer Zeit arbeitet.

Schlechter Zeitpunkt

Dennoch kommen die Berichte über die Datensammlung auf offener Straße zu einem ungünstigen Zeitpunkt für Google. Der US-Konzern steht, wie Konkurrent Facebook, unter starker Beobachtung der US-Behörden, die die weitreichende Datensammlung der Konzerne unterbinden wollen. Ende Jänner wurde bekannt, dass Facebook monatlich Jugendliche dafür bezahlte, ihren Datenverkehr überwachen zu lassen. So erhielt man Einblick in deren Nutzungsverhalten. Ebenfalls für Aufregung sorgte IBM, das 100 Millionen private Fotos nutzte, um seine Gesichtserkennungs-Technologie zu verbessern. Zuletzt sorgte auch die russische Foto-App FaceApp für Debatten um Datenschutz, da diese den Nutzer nicht darüber informierte, dass die Fotos auf einen Server hochgeladen und vom Unternehmen auch für andere Zwecke verwendet werden können.

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