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Was bei der Smartphone-Kamera das Wichtigste ist

"Wir erwarten, dass die Bildqualität von Smartphones in den nächsten Jahren die von Spiegelreflexkameras übertreffen wird." Mit dieser Aussage ließ Terushi Shimizu, CEO von Sony Semiconductor Solutions (SSS), vor kurzem aufhorchen.

Oliver Schindelbeck, Senior Smartphone Technology Manager vom Optikspezialisten Zeiss kann dieser Prognose nur zum Teil zustimmen. Zwar seien Smartphone-Kameras in manchen Bereichen Spiegelreflexkameras beziehungsweise Systemkameras bereits überlegen. Vor allem deswegen, weil Smartphone-Kameras den User*innen fertig bearbeitete Bilder liefern würden. 

Kompaktkameras vs. Handy-Kameras

Es gäbe aber immer noch zahlreiche Anwendungen sowie spezielle Objektive und Optiken, die nur bei Spiegelreflex beziehungsweise Systemkameras realisierbar sind. "Das wird voraussichtlich auch in 5 oder 10 Jahren noch sein", sagt Schindelbeck, der auch maßgeblich an der Entwicklung des Vivo X80 Pro mitgewirkt hat – hier im futurezone-Kurztest

"Die Kompaktkameras wurden allerdings in Sachen Fotoqualität von Smartphone mittlerweile längst überholt", sagt der Zeiss-Manager. Nicht zuletzt deswegen wurden die kleinen Kompaktkameras von Smartphones nahezu vollständig aus dem Markt gedrängt.

Optik vs. Sensor vs. Software

Dass auch eine wenig hochauflösende Kamera, mit einem älteren Sensor mithilfe einer ausgefeilten Post-Processing-Software schöne Bilder liefern kann, hat Google spätestens mit dem Pixel 4a bewiesen. Das zeigte auch der futurezone-Test des Google-Handys.

Doch die Software sei nicht alles, sagt der Optik-Experte. Welche der 3 Komponenten - Optik, Bildsensor, Software - die wichtigste ist, könne man so nicht sagen, meint Schindelbeck. Alle 3 Teile seien im Grunde gleich wichtig beziehungsweise voneinander abhängig.

"Was die Optik nicht zum Bildsensor bringt, ist weg. Das muss irgendwie hinzuerfunden oder ausgebügelt werden. All das, was der Sensor nicht verarbeiten kann, sind ebenso Informationen die fehlen. Und letztlich kann die Software immer nur das verarbeiten was sie auch bekommt", führt der Zeiss-Manager aus. Der Schlüssel einer guten Smartphone-Kamera sei das perfekte Zusammenspielen dieser 3 Komponenten.

Die Software könne eben nur dazu dienen, Sachen zu verfeinern und zu verbessern. "Aber die Grundlagen des Bildes müssen von der Optik und vom Sensor geliefert werden", sagt Schindelbeck.

Die Lichtdurchlässigkeit der Optik

Ein zentraler Faktor bei der Qualität der der Optik sei unter anderem die Lichtdurchlässigkeit. Trifft nämlich Licht auf die Linsen, wird immer ein Teil dieses Lichts von der Optik zurückreflektiert. In der Folge kommt es zu Spiegelungen, die zu Lens-Flares führen oder - speziell bei Nachtaufnahmen - eine diffuse Lichtstimmung verursachen.

Zeiss habe für dieses Problem die so genannte T*Beschichtung (T-Star) entwickelt. Dabei werde die Optik mit einer extrem dünnen Entspiegelung beschichtet. "Ziel ist es, dass möglichst viel Licht auf den Sensor trifft und so wenig Reflexionen wie möglich auftreten, sodass die Störeffekte im Bild auf ein Minimum reduziert werden", weiß der Optik-Experte von Zeiss.

Zusätzlich zur T*-Beschichtung würden die Kanten der einzelnen Komponenten, die mechanischen Teile sowie die Sensor-Oberfläche entspiegelt, um ebenso störende Lichteffekte zu unterbinden.

"All das haben wir bei der Kamera des neuen Vivo X80 Pro umgesetzt. Vor allem - aber nicht nur - sorge die ausgefeilte Optik für hervorragend klare Ergebnisse beim Super-Night-Mode. Bei der Reduzierung des Streulichts und dem diffusen Licht kommt meiner Meinung nach kaum ein anderes Produkt heran", sagt der Zeiss-Mananger.

Der Gimbal im Smartphone

Abgesehen von der speziellen T*-Beschichtung ist Vivo bereits vor einigen Jahren mit einer Smartphone-Kamera vorgeprescht, die von einer Gimbal-Stablisierung unterstützt wird. Besonders ruhige Videoaufnahmen mit butterweichen Kameraschwenks wurden dadurch ermöglicht. Das hat auch beim futurezone-Test des Vivo X60 Pro einen guten Eindruck hinterlassen. Beim Vivo X80 Pro ist die Gimbal-Stabilisierung allerdings von der Hauptkamera zum Tele-Portrait-Objektiv gewandert.

Die Gimbal-Kamera bringe zwar bei Videoaufnahmen große Vorteile mit sich. Diese ruckelfreien Aufnahmen könne man aber ebenso mit der herkömmlichen optischen Bildstabilisierung erreichen, sagt der Zeiss-Manager: "Analysen haben uns dann gezeigt, dass die Gimbal-Stabilisierung beim Tele-Portrait-Objektiv für die User*innen mehr Vorteile mit sich bringt, als dies bei der Hauptkamera der Fall war". 

Natürlich wäre es besser, wenn alle Objektive einen Gimbal zur Seite gestellt bekämen. Die Zusammensetzung des Kamera-Setups sei aber immer ein Kompromiss, der auf den beschränkten Platz zurückzuführen ist. "Eine Stabilisierung per Gimbal vergrößert nämlich das jeweilige Objektiv-Modul um den Faktor 2", erklärt Schindelbeck.

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Florian Christof

FlorianChristof

Großteils bin ich mit Produkttests beschäftigt - Smartphones, Elektroautos, Kopfhörer und alles was mit Strom betrieben wird.

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