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Vivo X60 Pro im Test: Die Konkurrenz kann sich warm anziehen

Der chinesische Smartphone-Hersteller Vivo bringt sein Spitzenmodell nach Österreich.

Wer die ersten Spiele der Fußball-Europameisterschaft gesehen hat, dem wird vielleicht auch das Vivo-Logo untergekommen sein. Mit dem Sponsoring des Sport-Events will sich der chinesische Smartphone-Hersteller in Europa Bekanntheit verschaffen. Denn in Europa ist Vivo erst seit sechs Monaten aktiv und spielt bei den Handy-Verkäufen noch eine untergeordnete Rolle.

Auf dem weltweiten Smartphone-Markt rangiert Vivo derzeit auf Platz 5 und in Asien liegt der Hersteller laut eigenen Angaben sogar auf Platz 1. In Österreich war Vivo bislang nicht aktiv, was sich ab dem 18. Juni ändert. Denn dann sind die Vivo-Handys auch offiziell in Österreich erhältlich.

Zum Marktstart habe ich mir das aktuelle Spitzengerät angesehen. Das Vivo X60 Pro lockt mit einem hochwertigen Bildschirm und einer beachtlichen Kameraausstattung samt Gimbal-Stabilisierung. Mal sehen, ob das X60 Pro auf dem österreichischen Markt für eine Überraschung sorgt oder ob es einfach ein Handy unter vielen bleibt.

Umfassender Lieferumfang und kompakter Formfaktor

Zum ersten Mal überrascht hat mich das Vivo-Handy bereits mit seiner Verpackung. Diese fällt deutlich ausladender aus, als dies bei anderen Herstellern der Fall ist. Und das nicht ohne guten Grund, denn der Lieferumfang kann sich sehen lassen: Netzteil und USB-Kabel sowie Kopfhörer-Headset, Klinke-auf-USB-C-Adapter, Schutzhülle und Schutzfolie.

Überraschen konnte mich das Smartphone auch mit seiner kompakten Bauweise. Das Vivo X60 Pro wirkt trotz seines 6,56 Zoll großen Bildschirms recht klein und handlich. Außerdem ist es mit 179 Gramm vergleichsweise ziemlich leicht.

Technische Spezifikationen des Vivo X60 Pro

  • Maße und Gewicht: 158,6 x 73,2 x 7,6 mm, 179 Gramm
  • Display: 6,56 Zoll AMOLED, 120 Hz, 1080 x 2376 Pixel, Corning Gorilla Glass 6, 500 Nits typical, 800 Nits HBM (High Brightness Mode), 1300 Nits peak
  • Kamera:
    48 MP, f/1,48, 1/2,0", 0,8µm, PDAF, Gimbal-Stabilisierung
    13 MP, 2x optischer Zoom, f/2,46 1/2,8", 0,8µm, PDAF
    13 MP Weitwinkel, f/2,2,
  • Video: 4K mit maximal 60fps / 1080p mit maximal 240fps
  • Selfie-Kamera: 32 MP, f/2,45, 1/2,8", 0,8µm, 1080p mit maximal 30fps
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 870 5G (7 nm)
  • Speicher: 12/256 GB; UFS 3.1
  • Akku: 4.200 mAh, 33 Watt Charging, kein Wireless Charging
  • Software: Android 11, Funtouch 11.1
  • Sonstiges: NFC, Wi-Fi 802.11 a/b/g/n/ac, Bluetooth 5.1
  • Preis: 799 Euro

Das Display des Vivo X60 Pro zieht sich über die seitlichen Ränder

Hochwertiges Display

Überraschendes gibt es beim Display nicht zu berichten. Es erfüllt die hohen Erwartungen an ein High-End-Gerät, sodass es über den Screen im Grunde nichts Negatives zu berichten gibt.

Ein solides 6,56 Zoll großes AMOLED mit 120 Hz und HDR10+. In den Settings hat man bei der Refresh-Rate die Wahl zwischen 60 Hz, 120 Hz oder einer adaptiven Bildwiederholfrequenz, die sich an das jeweilige Nutzungsszenario anpasst.

Kontrast, Farbdarstellung und die Helligkeitswerte sind gut abgestimmt und absolut ausreichend, sodass auch noch bei Sonnenlicht die Bildschirminhalte entziffert werden können.

Die Ränder des Displays ziehen sich über die beiden seitlichen Ränder, wodurch sich das gesamte Gerät rund und flüssig anfühlt. Der überhängende Bildschirm ist allerdings nicht mit etwaigen Sonder-Touch-Funktionen ausgestattet, sodass es auch nicht zu unabsichtlichen Eingaben kommt.

Die Kamera des Vivo X60 Pro kommt mit einer Zeiss-Optik

Innovative Kamera mit Gimbal-Stabilisierung

Die Hauptkamera des Vivo X60 Pro liegt auf einem Gimbal, der in Lage sein soll, das Wackeln beim Fotografieren und bei Videoaufnahmen auszugleichen. Und das funktioniert überraschenderweise wirklich gut.

Vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen und den daraus resultierenden längeren Belichtungszeiten wird deutlich, dass der Gimbal für weniger verwackelte Fotos sorgt.

Bei Videos kommt die Gimbal-Bildstabilisierung noch deutlicher zu tragen: Nimmt man beispielsweise beim Gehen ein Video auf, kann der Gimbal die Bewegungen recht gut ausgleichen, sodass die Bilder deutlich flüssiger und professioneller wirken.

Gimbal-Kamera des Vivo X60 Pro

Hohe Fotoqualität

Im Gegensatz zu anderen Spitzengeräten verzichtet Vivo beim X60 Pro auf eine extrem hohe Auflösung, einen übertrieben hohen Digitalzoom, Tiefensensor und Makrokamera. Dafür sind die 3 Kameraobjektive mit Zeiss-Optik - Hauptkamera, Weitwinkel und 2-facher optischer Zoom - bestens aufeinander abgestimmt, sodass das Gerät eine besonders hohe Fotoqualität zu bieten hat.

Die 48-MP-Hauptkamera, die eben auf einem Gimbal liegt, hat mit f/1,48 eine vergleichsweise riesige Blende. Die Sensorgröße mit 1/2,0'' fällt dagegen nicht allzu groß aus. Jedenfalls gelingen mit dem X60 Pro im Standardmodus wirklich beeindruckende Bilder - sowohl bei Tageslicht und Sonnenschein als auch im Innenraum bei Kunstlicht.

Portrait-Modus und Nahaufnahmen

Die Makrokamera, die bei den meisten Handys ohnehin mehr oder weniger unbrauchbar ist, vermisst man nicht. Denn die Hauptkamera sorgt auch bei Nahaufnahmen für hochqualitative Fotos. 

Auch Porträt-Modus enttäuscht nicht: Er schafft es, die Menschen im Vordergrund korrekt zu fokussieren und den Hintergrund entsprechend unscharf darzustellen. Will man jemanden in Szene setzen, liefert der Porträt-Modus des Vivo X60 Pro überraschend gute Ergebnisse.

Praktisch ist, dass die Stärke der Unschärfe, also die Blendenzahl, sowohl beim Fotografieren als auch im Nachhinein im Photo-Editor angepasst werden kann. Der integrierte Photo-Editor ist übrigens vollumfänglich und bietet zahlreiche Spielereien mit Filter, Sticker und ähnlichem.

Weitwinkelmodus und optischer Zoom

Für eine kleine Überraschung sorgt die Weitwinkelkamera. Während bei vielen Konkurrenzmodellen die Fotoqualität im Weitwinkelmodus sichtbar abnimmt, kann das X60 Pro die hohe Qualität auch bei Weitwinkelaufnahmen nahezu perfekt beibehalten.

Deutlich wird dies vor allem bei der korrekten Wiedergabe der Farben, den nicht allzu flachen Fluchtlinien und einer Schärfe, die sich fast bis zum Bildrand zieht.

Der optische Zoom fällt mit einer 2-fachen Vergrößerung nicht allzu groß aus, bietet dafür aber ebenso eine hohe Qualität, die der Hauptkamera bei guten Lichtverhältnissen nur im Detail nachsteht.

Nachtmodus

Auch der Night-Mode des Vivo X60 Pro hat mich positiv überrascht. Schwer zu sagen, ob es an der Gimbal-Stabilisierung, an der Optik oder an einer gut abgestimmten Software liegt - der Nachtmodus liefert jedenfalls detailgetreue und farblich ansprechende Bilder.

Verwendet man den Weitwinkel oder das Zoom-Objektiv im Nachtmodus, dann nimmt die Bildqualität recht stark ab. Aber auch hier kann der eine oder andere passable Schnappschuss gelingen.

Selfie-Kamera

Auch die Selfie-Kamera, die mit 32 MP auflöst, liefert ansprechende Selbstportraits. Dabei stehen ebenso Nachtmodus und Porträt-Modus zur Auswahl.

Videomäßig sind bei der Frontkamera, die sich in einem Punchhole im Display befindet, 1080p mit maximal 30fps drin.

Wackelfreie Videos durch Gimbal-Bildstabilisierung

Überraschend gut funktioniert die Gimbal-Stablisierung bei Videoaufnahmen. Dabei stehen "Standard-Stabilisierung" und "Super-Anti-Shake" zur Auswahl. Bei Super-Anti-Shake ist eine Auflösung von maximal 1080p möglich, die Standard-Stabilisierung ermöglicht auch Aufnahmen in 4K.

Deaktiviert man die zusätzliche Stabilisierung komplett, sind 4K-Videos mit 60 fps möglich. Zeitlupenaufnahmen sind mit maximal 240 fps bei einer Auflösung von 1080p möglich.

Mit einem echten Handheld-Gimbal-Stick ist die Bildstabilisierung des X60 Pro schwer vergleichbar. Dennoch sorgt der Gimbal des Smartphones für deutlich weniger verwackelte Bilder - vor allem bei Kameraschwenks oder leichtem Wackeln, wenn man etwa aus einem Auto heraus filmt.

Fingerprintsensor

Überraschend effizient ist auch der im Display integrierte Fingerabdrucksensor. Er ist überhaupt einer der schnellsten und präzisesten Fingerprintsensoren, die mir je untergekommen sind.

Es handelt sich um einen optischen Sensor, der in Bruchteilen einer Sekunde das Handy entsperrt. Dass ein Fingerprint nicht beim ersten Mal erkannt wurde, ist kaum vorgekommen.

Vivo X60 Pro - Der Fingerprintsensor befindet sich im Display und funktioniert rasch und zuverlässig.

Leistung und Speicher

Das Vivo X60 Pro wird von einem Qualcomm Snapdragon 870 5G (7 nm) angetrieben. Das ist zwar nicht der stärkste Snapdragon-Chip, er liefert allerdings immer noch mehr als ausreichend Power, sodass man sich keine Sorgen über die Leistungsfähigkeit machen braucht.

Abgesehen davon bietet das X60 Pro 256 GB Speicherplatz und 12 GB RAM. Gespeichert wird nach dem schnellen Speicherformat UFS 3.1, was für zusätzliche Effizienz sorgt.

Software und Update-Garantie

Das Vivo X60 Pro läuft unter Android 11, der hauseigenen Benutzeroberfläche Funtouch 11.1 und auch die Google-Apps sind mit von der Partie.

Das Funtouch 11 birgt wenige Überraschungen, wirkt unaufgeregt, aufgeräumt und beinhaltet lobenswerterweise kaum vorinstallierte Bloatware. Bis auf einige besonders detaillierte Anpassungsmöglichkeiten sind ebenso wenig bemerkenswerte Sonderfunktionen enthalten.

Wie Vivo gegenüber der futurezone bestätigt hat, werden alle Smartphones insgesamt 3 Jahre lang - ab Erscheinungsdatum - mit regelmäßigen (meist monatlichen) Sicherheitsupdates versorgt. Ebenso sollen alle Vivo-Handys die nächsten 2 Android-Versionen erhalten.

Das Funtouch-OS des Vivo X60 Pro bietet einige besonders detaillierte Einstellungsmöglichkeiten

Akku

Die Akkulaufzeit de Vivo X60 Pro ist nicht allzu berauschend. Nutzt man die 120 Hz Refresh-Rate bei recht intensiver Nutzung kommt man mit einer Akkuladung gerade so über einen Tag. Die adaptive beziehungsweise reduzierte Refresh-Rate kann dabei helfen, die Akkulaufzeit ein wenig zu verlängern. Ein Marathonläufer wird dadurch aus dem Vivo-Handy aber auch nicht.

Dafür ist das X60 Pro mit seinen 33 Watt beim Aufladen recht flott unterwegs: In 10 Minuten wird das Handy von 0 auf 20 Prozent aufgeladen. Nach insgesamt 30 Minuten an der Steckdose steht der Akku bei 52 Prozent. Kabellos lässt sich der Akku nicht laden.

Geladen ist das Vivo X60 Pro relativ rasch, ausdauernd ist es hingegen nicht allzu sehr

Pro & Contra

Pro

  • Spitzen-Kamera mit hoher Fotoqualität
  • Gute Bildstabilisierung durch Gimbal-Kamera
  • Top-Display mit 120 Hz und ausreichend Helligkeit
  • Umfassender Lieferumfang: Netzteil, Kopfhörer, Klinke-auf-USB-C-Adapter, Handyhülle, Schutzfolie
  • Langlebige Software: Sicherheits-Updates für 3 Jahre und 2 neue Android-Version

Contra

  • Kein kabelloses Laden
  • Durchschnittliche Akkulaufzeit
  • Hoher Preis von 799 Euro

Fazit

Mit dem X60 Pro bringt Vivo ein durch und durch ausgezeichnetes Smartphone nach Österreich, das mich so manches Mal tatsächlich überrascht hat. Es kann in nahezu allen Belangen weitgehend überzeugen: Spitzen-Display mit 120 Hz, besonders kompakter und handlicher Formfaktor, mehr als ausreichend Leistung, eine brauchbare Benutzeroberfläche und eine annehmbare Update-Garantie.

Vor allem aber kann die hervorragende Kamera mit Gimbal-Stabilisierung fast jeden Zweifel beseitigen. In nahezu allen Situationen liefert das Vivo X60 Pro damit einwandfreie Bilder, die hochpreisigen Konkurrenzmodellen absolut um nichts nachstehen.

Auf der Suche nach einem Schwachpunkt, wird man am ehesten beim Akku fündig. Auch wenn er sich rasch aufladen lässt, hält er nicht allzu lange durch. Auch, dass es keine Möglichkeit gibt, das Handy kabellos aufzuladen ist in dieser Preisklasse ein wenig enttäuschend.

Womit wir beim Preis wären: 799 Euro (UVP) sind zu berappen, wenn man sich das Vivo X60 Pro kaufen will. Damit ist Vivo ziemlich gleichauf mit anderen Spitzenmodellen der Konkurrenz, die eine ähnlich hochwertige Ausstattung bieten. Mit dem X60 Pro wird Vivo der Konkurrenz jedenfalls einige Marktanteil abspenstig machen können.

Wer nicht so viel Geld für ein Handy ausgeben will, kann sich die 2 weiteren Geräte ansehen, mit denen Vivo auf dem österreichischen Markt startet: Die Ausstattung des Mittelklassemodells Vivo V21 (399 Euro) kann sich ebenso sehen lassen, allerdings mit kleineren Abstrichen und ohne Gimbal-Kamera. Das Vivo Y72 ist mit 299 Euro noch günstiger, erfordert aber noch mehr Kompromissbereitschaft.

Die zweite Meinung

Vivo hat mir ebenfalls ein X60 Pro zum Testen geborgt. Ich war von der hohen Qualität überrascht, aber auch vom hohen Preis. Bei 799 Euro muss sich das X60 Pro mit den ähnlich teuren und teureren Geräten von OnePlus, Samsung und Apple messen.

Im direkten Vergleich sind beim X60 Pro die Spaltmaße nicht ganz so perfekt, wie beim Oneplus 9 Pro und Samsungs aktuellen Spitzenmodellen. Am Größten fällt es an der Rückseite auf, beim Übergang zum Rahmen. Ein kleines Ärgernis ist für mich, dass im Always-On-Screen keine Notification-Icons für 3rd-Party-Apps angezeigt werden, wie etwa Instagram.

Beeindruckt hat mich dafür das leichte Gewicht, der schnelle Fingerprint-Sensor und die Fotoqualität: Der Porträt-Modus ist einer der besten, wenn nicht der beste, den es derzeit bei Android-Smartphones gibt. Zwar tendieren Farben leicht ins Rötliche, aber der präzise Bokeh-Effekt und die Gesamtstimmung sind ausgezeichnet.

Um es kurz zu sagen: Für 100 bis 200 Euro weniger wäre das X60 Pro eine "No Brainer"-Alternative zu den aktuellen Spitzenmodellen der anderen Hersteller. So sollte man aber Preisvergleichsportale bemühen, bevor man beim X60 Pro zuschlägt. Das Samsung Galaxy S21+ findet man dort etwa schon für 780 Euro, das Oneplus 9 Pro ab 810 Euro.
(Gregor Gruber)

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Florian Christof

FlorianChristof

Großteils bin ich mit Produkttests beschäftigt - Smartphones, Elektroautos, Kopfhörer und alles was mit Strom betrieben wird.

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