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Xperia 1 im Test: Sony kann einfach nicht mehr mithalten

Es ist gar nicht lange her, da wurde Sony in einem Atemzug mit Samsung, Huawei und Apple genannt. Seither hat sich am Smartphone-Markt einiges verändert – für Sony leider nicht zum Positiven. In den vergangenen Jahren fiel der japanische Technologiekonzern bei Smartphones immer weiter zurück. Innovationen blieben aus, die Qualität der Geräte stagnierte und wegen der ständig sinkenden Absatzzahlen wurden sogar Gerüchte laut, Sony könnte sich als Smartphone-Hersteller zurückziehen.

Nun versucht es das Unternehmen erneut und bringt mit dem Xperia 1 ein Gerät auf den Markt, das mit den Spitzenklassen-Smartphones von Samsung, Huawei und Xiaomi konkurrieren soll. Das gelingt allerdings nur bedingt, wie der futurezone-Test gezeigt hat.

Veraltetes Design

Während andere Hersteller längst auf schmale Ränder setzen und Displays, die sich über die komplette Vorderseite ziehen, hat das Xperia 1 relativ dicke Ränder und erinnert damit an Smartphones aus dem Jahr 2017. 

Mit einer länglichen Bauform will sich Sony von der Konkurrenz abheben, was auch gelingt: Das Gerät wirkt kleiner als es ist und liegt trotz seiner Größe gut in der Hand.

Tasten-Wirrwarr

Andere Hersteller schaffen physische Tasten nach und nach ab. Sony hingegen hält an seinem Bedienkonzept fest und packt auf die rechte Seite gleich vier Tasten: Zwei für Volume, einen Power-Button und eine Taste für den Kamera-Auslöser. Auch die Fläche für den Fingerprintsensor befindet sich auf der rechte Seite.

So sinnlos der Bixby-Button bei Samsung-Smartphones ist, so sinnbefreit ist die Kamera-Taste beim Xperia 1: Fotografiert man im Hochformat, ist die Taste nicht zu erreichen und sorgt regelmäßig für Verwirrung, da sie sich gleich anfühlt wie die Power-Taste.

Standard-Spitzenklasse-Prozessor

Angetrieben wird das Xperia 1 von einem Snapdragon 855. Ihm stehen 6 GB RAM zur Seite. Der interne Speicher beträgt 128 GB und kann mit einer MicroSD-Karte um 512 GB erweitert werden.

An der reinen Hardware-Ausstattung sowie an deren Leistungsfähigkeit gibt es nichts auszusetzen. Sämtliche Anwendungen starten und funktionieren einwandfrei und ohne Verzögerung.

Farbtreues Display

Der 6,5 Zoll OLED-Bildschirm kann weitgehend überzeugen. Dabei soll der Creator-Modus für "nie gekannte Farbtreue" sorgen, schreibt Sony. Aktiviert man den Modus, werden die Farben tatsächlich besser dargestellt. Allerdings macht sich der Modus auch beim Akku durch erhöhten Energiebedarf bemerkbar.

Bei der Helligkeit könnte man sich vom OLED-Bildschirm mehr erwartet. Bei Sonnenlicht kann es zum Teil recht schwer sein, hell dargestellten Bildschirminhalt zu erkennen. Die Display-Auflösung beträgt 1644 x 3840, die Pixeldichte 643 ppi. Geschützt wird der Bildschirm von Corning Gorilla Glass 6.

Abgesehen von der Handlichkeit bietet das schmale, so genannte CinemaWide-Display, keine Vorteile. Gerade beim Videoschauen im Hochformat werden Querformat-Aufnahmen noch kleiner. Schaut man diese Aufnahmen im Querformat, bleiben auf beiden Seiten dicke schwarze Balken.

Akku lässt sich rasch laden

Die Kapazität des Akkus beträgt 3300 mAh. Kabelloses Laden ist nicht möglich. Wie bei den meisten Geräten, hält der Akku bei herkömmlicher Verwendung rund einen Tag durch – dann muss das Handy an die Steckdose.

Einmal angeschlossen, wird mit einer Ladeleistung von 18 Watt relativ rasch geladen. In 5 Minuten wird der Akku beispielsweise von 12 auf 23 Prozent geladen. In insgesamt 20 Minuten schafft es das Handy von 12 auf 48 Prozent.

Keine gute Kamera

Die drei Linsen der Triple-Kamera auf der Rückseite bieten 2-fachen optischen Zoom sowie einen Superweitwinkel und lösen mit jeweils zwölf Megapixel auf.

Obwohl Sony andere Hersteller mit Kamerakomponenten beliefert, schafft es der Konzern nicht, seinen eigenen Smartphones eine gute Kamera zu verpassen. Die Benutzerfreundlichkeit der Kamera-App ist dürftig und die mittlerweile üblichen Aufnahme-Modi wie Portrait-Modus oder Nachtmodus fehlen. Diese sind in abgeschwächter Form im Szenenerkennungs-Modus der Automatikfunktion enthalten.

Sony scheitert vor allem an der Software-basierten Nachbearbeitung der Bilder. Zwar versucht es das Unternehmen etwa mit Unschärfeeffekten, diese können allerdings nicht überzeugen. Vor allem, weil sie dem Foto jegliche Natürlichkeit nehmen und geradezu nach künstlicher Bearbeitung schreien.

Eine positive Überraschung lieferte dann doch noch die Fotoqualität in dunkler Umgebung. Auch ohne dedizierten Nachtmodus schafft es das Xperia 1 gute Bilder in nächtliche Umgebung aufzunehmen. An die Nachtmodi des Huawei P30 Pro oder des Pixel 3 kommt das Xperia 1 allerdings nicht heran. 

Betriebssystem und sonstiges

Das Sony-Handy kommt mit Android 9 Pie. Die Adaptionen und vorinstallierten Apps halten sich wohltuender Weise in Grenzen. Wer den Sony-Launcher nicht verwenden will, kann sich ohne Weiteres andere Launcher installieren und diese default-mäßig nutzen.

Das Xperia 1 ist wasser- und staubfest nach IP65/68. Einen 3,5mm-Kopfhöreranschluss gibt es nicht.

Fazit

Am Ende bleibt das Sony Xperia 1 ein Gerät, dessen Spezifikationen am Papier zwar überzeugen, das aber in der Praxis hinter andere Flaggschiff-Handys zurückfällt.

Das Sony Xperia 1 ist kein schlechtes Gerät. Doch für die Positionierung in der Spitzenklasse ist der Preis von 949 Euro (UVP, ab 850 im freien Handel) zu hoch. Wer so viel Geld für ein Smartphone ausgeben will, bekommt bei der Konkurrenz mehr zu ähnlichen Kosten. Dazu gehört etwa das Samsung Galaxy S10+ (ab 750 Euro) und Huawei P30 Pro (ab 710 Euro)

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Florian Christof

FlorianChristof

Großteils bin ich mit Produkttests beschäftigt - Smartphones, Elektroautos, Kopfhörer und alles was mit Strom betrieben wird.

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