Start-ups

Erste Bank über Start-ups: "Regionalität ist das neue Bio"

Die vergangenen zweieinhalb Jahre waren geprägt von der andauernden Corona-Pandemie und den daraus resultierenden Krisen. Und die nächsten Krisen stehen schon vor der Tür. Davon ist auch der Start-up-Sektor nicht ausgenommen. Gleichzeitig gibt es in Österreich aber mittlerweile auch Jungunternehmen, die als so genannte Unicorns gelten – also Start-ups mit einer Marktbewertung von mehr als einer Milliarde US-Dollar.

Wie es um den Start-up-Sektor in Österreich derzeit steht, wo die großen Herausforderungen liegen und welche Trends sich abzeichnen, darüber haben wir mit Birgit Polster vom GründerCenter der Erste Bank und Emanuel Bröderbauer, Leiter Marketing "Gründer and SME" bei der Erste Bank, gesprochen.

futurezone: Wie geht es den Start-ups in der aktuellen "Dauerkrise"?

Birgit Polster: Mittlerweile wieder besser. In den vergangenen 2 bis 3 Jahren haben sich Investor*innen etwas zurückgehalten, wodurch Start-ups zunehmend Schwierigkeiten hatten, an Gelder zu kommen. Nun scheint die Lust von Investor*innen in Start-ups zu investieren wieder zu steigen. Außerdem haben die Förderstellen nach der hohen Belastung durch die Corona-Pandemie jetzt wieder mehr Luft, sich um Start-ups zu kümmern und neue Ideen zu unterstützen.

Emanuel Bröderbauer: Dass wir in Österreich nun auch das eine oder andere Unicorn haben, kommt den Start-ups und der gesamten Szene auch zugute. Auf der globalen Start-up-Landkarte wurde Österreich dadurch deutlich sichtbarer. Viele internationale Investor*innen sind im Zuge dessen auf Österreich aufmerksam geworden, wodurch auch zusätzliche Kapitalquellen erschlossen werden konnten.

Birgit Polster, GründerCenter der Erste Bank

Welche Trends seht ihr aktuell bei Gründungen?

Polster: Bei den Gründungen im Allgemeinen liegen krisensichere Branchen voll im Trend. Das klassische Handwerk ist extrem gut über die vergangenen Krisenjahre gekommen und hat sich bestens entwickelt. Außerdem sehen wir einen riesigen Trend in Richtung Regionalität. Das Regionalitätsprinzip hat mittlerweile sogar den Bio- und Öko-Trend überholt – auch hier spielen der Krieg in der Ukraine sowie die Corona-Pandemie hinein.

Bei Start-ups im Speziellen liegt gerade alles im Trend, was sich mit dem Klimawandel beschäftigt. Hier kommt kein Start-up herum: Entweder bieten sie Lösungen oder Services an, die direkt mit der Klimakrise in Zusammenhang stehen, oder sie positionieren sich als klimafreundliche Unternehmen.

Bröderbauer: Weitere Trends gehen in Richtung Mobilität und Energie. Da sehen wir extrem viele junge Unternehmer*innen, die gänzlich neue Zugänge zu den beiden Themen haben. Start-ups in diesen Branchen können Problemstellungen oft unkonventioneller angehen, weil sie nicht so stark in größere Strukturen eingebunden sind. Das ist sehr erfrischend, weil wirklich viele innovative Ansätze dabei sind.

Was würdet ihr derzeit einem noch jungen Start-up raten, das im Bereich Kryptowährungen aktiv werden will?

Polster: Mining beispielsweise ist jetzt nicht unbedingt das große Thema der Zukunft. Aber abseits des Kryptomarktes gibt es im Blockchain-Bereich einige gute Ideen, die sich etwa mit dem Thema der Anonymisierung auseinandersetzen. Auch im Bereich der IT-Sicherheit  tut sich sehr viel.

Darüber hinaus steht die Start-up-Szene vor einigen Herausforderungen, weil Investor*innengelder mittlerweile vielfach in Form von Kryptowährungen übertragen werden. Start-ups tun sich in der Folge schwer, diese Gelder in liquide Mittel umzuwandeln. Da muss erst eine praktikable Regelung gefunden werden. Start-ups ist zu raten, frühzeitig mit der jeweiligen Bank zu klären, wie man solche Gelder aus dem Kryptomarkt herausbekommt.

Emanuel Bröderbauer, Leiter Marketing "Gründer and SME" bei der Erste Bank

Was sind aktuell die größten Hürden bzw. Probleme für Start-ups?

Polster: Nach wie vor ist die größte Schwierigkeit für Start-ups, an Kapital zu kommen - egal in welcher Phase. Viele junge Unternehmen haben Schwierigkeiten, den finanziellen Part von Beginn an richtig aufzustellen und die verfügbaren Gelder entsprechend zu- und einzuteilen. Kümmert man sich von klein an um diese Themen, können nachgereihte Probleme von vornherein abgefedert werden.

Welche Kapitalquellen stehen denn Start-ups derzeit zur Verfügung - während und nach der Unternehmensgründung?

Polster: Es ist wichtig zu berücksichtigen, dass eine Bank an Start-ups erst Kredite vergeben darf, wenn ein Produkt fertig entwickelt ist. Das ist eine Richtlinie der FMA. Eine Bank muss abschätzen können, ob ein Start-up, aus dem Verkauf seiner Produkte, den Kredit auch zurückbezahlen kann.

In den frühen Phasen sind Start-ups in erster Linie auf Eigenkapital angewiesen. Auch Förderungen sind von Beginn an oft eine entscheidende Kapitalquelle. Investor*innengelder sind besonders teuer, aber ebenso wichtig, um die Anfangsphase stemmen zu können.

Auch über eine Crowdfunding-Kampagne können Start-ups zu liquiden Mitteln kommen, vor allem dann, wenn es etwa schon einen Prototypen zum Herzeigen oder Anbieten gibt. Crowdfunding kann aber auch in einer späteren Phase durchaus Sinn machen, etwa um ein neues Produkt bekannt zu machen.

Welche Tools und Services bietet die Erste Bank in diesem Bereich?

Polster: Der Finance Navigator auf unserer Website gibt etwa einen guten Richtwert darüber, in welcher Phase welche Kapitalgeber*innen die besten Ansprechpartner*innen sind. Gerade im Hinblick auf strategische Entscheidungen bei der Finanzierung ist das besonders hilfreich. Im Finance Navigator wird auch eine Risikostreuung bei der Finanzierung berücksichtigt.

Bröderbauer: Auch unter fundnow.at zeigen wir, wie man sich einen optimalen Finanzierungsmix aus den unterschiedlichsten Kapitalquellen zusammenstellen kann. Berücksichtigt werden dabei unter anderem Leasing, Kredite, Eigenmittel, Investor*innengelder, Crowdinvesting, Beteiligungskapital und Förderungen.

Gibt es von der Erste Bank auch Mentoring-Programme für Gründer*innen?

Bröderbauer: Wir bieten etwa in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftskammer die Businessplan-Initiative i2b. Dort können Gründer*innen ihren Businessplan einreichen und erhalten in der Folge ein kostenloses Feedback von Expert*innen. All jenen, die noch keinen Businessplan haben, wird unter i2b.at ebenso geholfen. Auf der Website kann man etwa einen ausführlichen Fragenkatalog durchgehen, der bei der Erstellung eines Businessplans hilfreich ist.

Polster: Auch wenn wir als Bank vielleicht noch gar nicht als Finanzierungsquelle in Frage kommen, können wir mit unseren Netzwerken eine breite Unterstützung anbieten. Wir laden alle ein, einfach mal in einem unserer 8 GründerCenter vorbeizuschauen. Unsere Berater*innen freuen sich immer über ein persönliches Gespräch und helfen gerne dabei, Lösungen zu finden.

Haben Sie noch einen grundsätzlichen Ratschlag für Start-ups?

Polster: Eines der wichtigsten Dinge ist: Feedback einholen und dieses auch berücksichtigen. Auf Ratschläge hören und gegebenenfalls auch annehmen - egal von wem sie kommen. Dabei geht es gar nicht darum, dass andere es immer besser wissen wollen. Feedback-Resistenz ist absolut nicht zielführend - für kein Unternehmen.

 

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation mit Erste Bank und Sparkassen. Die redaktionelle Verantwortung obliegt der futurezone-Redaktion.

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Florian Christof

FlorianChristof

Großteils bin ich mit Produkttests beschäftigt - Smartphones, Elektroautos, Kopfhörer und alles was mit Strom betrieben wird.

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