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Bye Bye, Spotify: So löscht man das Konto und nimmt die Playlists mit

Spotify hat sich jahrelang fest an der Spitze der Musikstreaming-Dienste festgebissen. Das schwedische Service hat eine riesige Auswahl, kuratierte Playlists und konnte in den vergangenen Jahren mit exklusiven Podcast-Deals immer mehr Menschen anlocken.

Einer dieser Deals wird dem Service derzeit zum Verhängnis. Der umstrittene aber enorm erfolgreiche amerikanische Podcast-Moderator Joe Rogan verbreitet Falschinformationen zur Corona-Impfung. Spotify gab zunächst an, nicht für die Inhalte verantwortlich zu sein – obwohl der Podcast The Joe Rogan Experience als exklusive Spotify-Produktion beworben wird. Stars wie Neil Young nahmen ihre Musik als Reaktion darauf von der Plattform und es hagelte Beschwerden von Nutzer*innen (futurezone berichtete). Daher sehen sich viele nach Alternativen um. 

Hinzu kommt, dass andere Streaming-Anbieter mit deutlich höherer Audio-Qualität werben. Verlustfreie Formate, mit denen Musik in CD-Qualität angehört werden kann, sind im Aufschwung. Wer eine hochwertige Anlage besitzt, will das natürlich auch nutzen. Spotify bietet das noch nicht, weshalb ein Wechsel naheliegt. Die futurezone erklärt, wie man Spotify verlässt und welche Alternativen es gibt.

Verlustfrei, Hifi und Hi-Res

Immer mehr Streamingdienste kommen mit Schlagwörtern wie „Hi-Res“ und „verlustfreies Audio“ daher. Das bedeutet, die Musiktitel können besser klingen als eine CD. Früher legte man Wert auf kleine Dateien – zum Beispiel mp3 – um die Internetverbindung zu schonen. Hier werden beim Komprimieren Tonelemente gelöscht, es gibt also einen Verlust. Die beiden Formate FLAC oder ALAC tun dies nicht, sondern komprimieren Dateien, ohne Inhalte zu entfernen. 

Nun unterscheiden Streaming-Dienste zwischen „HiFi“- und „Hi-Res“-Angeboten. HiFi (High Fidelity) meint dabei das Abspielen in CD-Qualität. Das entspricht einer Samplingtiefe von 16 Bit und einer Abtastrate von 44,1 kHz. Die Samplingtiefe gibt an, wie dynamisch die Aufnahme ist. Die Abtastrate gibt an, wie fein die Musik digitalisiert wurde. Hi-Res geht sogar noch weiter und liefert aktuell mindestens 24 Bit und bis zu 192 kHz. Damit soll eine Qualität wie im Studio erreicht werden. Bei beiden Zahlen gilt: Desto höher sie sind, desto exakter wird die analoge Musik digital wiedergegeben.

Nun geben viele Streaming-Dienste das als Bandbreite in kbit/s an. Sie errechnet sich aus Samplingtiefe mal Abtastrate mal die Anzahl an Kanälen. Das sind meistens 2 (Stereo). So ergeben sich aus 44,1 kHz, 16 Bit und 2 Kanälen also 1.411,2 kbit/s. Standardformate wie mp3 haben meist eine Bandbreite von maximal 320 kbit/s  – also ein enormer Unterschied zur CD-Qualität. 

Dafür benötigt man eine entsprechende Musikanlage oder hochwertige Kopfhörer, die diese Qualität auch wiedergeben. Bei einem Neukauf sollte man auf den Hinweis zu „Hi-Res“-Audio achten. Moderne Stereoanlagen bieten meist die Möglichkeit, direkt per WLAN auf Streaming-Dienste zuzugreifen. Zudem ist ein Digital-zu-Analog-Wandler (DAC) notwendig, aber auch der ist meistens schon verbaut. Übrigens können auch analoge Medien wie Schallplatten mit der richtigen Anlage in Hi-Res-Qualität digitalisiert werden.

Abo kündigen

Spotify macht es Nutzer*innen nicht so leicht, das Konto vollständig zu löschen. Mit ein paar Klicks ist es da nicht getan. Wer ein Premium-Abo hat, kündigt das zunächst folgendermaßen:

  • Man loggt sich unter spotify.com/account ein
  • Dort wählt man „Dein Abo“ und dort „Abo ändern
  • Dort scrollt man zu „Spotify Free“ und klickt auf „Spotify Premium kündigen

Kann man das Abo auf diesem Weg nicht kündigen, liegt das wahrscheinlich daran, dass es über Drittanbieter – z.B. den Mobilfunker – abgeschlossen wurde. Das findet man unter „Zahlungen“ in der Kontoübersicht heraus.

Konto löschen

Um das Spotify-Konto komplett zu löschen, muss man den Kundenservice damit beauftragen und das geht ausschließlich im Browser.

  • Man loggt sich wie beschrieben ein und klickt auf „Info“ und im Anschluss auf „Kundenservice und Support
  • Dort wählt man das Kontaktformular und wählt „Konto“ und „Ich möchte mein Konto schließen
  • Schließlich wählt man „Konto schließen“  
  • Im neuen Dialog klickt man auf „Zum Schließen kontaktieren
  • Um mit einem Berater zu sprechen, klickt man auf „Chat starten“. Dort kann man um die Konto-Löschung ersuchen

Das ist nicht nur umständlich, sondern derzeit sogar problematisch. Nachdem Spotify von einer Beschwerdeflut überrollt wurde, war der Kundenservice zeitweise nicht erreichbar.

Playlists übertragen

Ein Grund, warum viele sich mit einem Wechsel schwertun, ist die persönliche Musiksammlung, die man sich über Jahre hinweg aufgebaut hat. Nicht jede*r hat Lust seine Playlists für Sport oder Partys neu anzulegen. Diesem Problem haben sich verschiedene Apps angenommen. Sie funktionieren alle ähnlich: Man gibt ihnen Zugriff auf das Spotify-Konto und das Konto des neuen Dienstes, zu dem man die Playlist übertragen möchte. Der Service kopiert diese dann. 

Eine Möglichkeit ist die Smartphone-App „SongShift“ für iOS. Hier kann man Playlists u.a. zwischen Spotify, Apple Music, Amazon Unlimited Music, Tidal und YouTube Music übertragen. 

Wer kein iPhone hat, kann auf „FreeYourMusic“ zurückgreifen. Der Dienst ist für Android, Windows, iOS, Mac und Linux verfügbar. 

Sogar analoge Plattenspieler gibt es mit Hi-Res: Per USB-Anschluss kann man Vinyl hochwertig digitalisieren

Mittlerweile gibt es zahlreiche Streaming-Alternativen für Spotify. Einige konzentrieren sich auf Quantität, andere wollen mit besonders hoher Audio-Qualität punkten. Hier die 4 beliebtesten Spotify-Alternativen.

Das Komplettpaket: YouTube Premium

Wer auf Tonqualität wie im Studio keinen Wert legt, könnte bei YouTube (hier) eine Alternative finden. Musik wird mit maximal 256 kbit/s angeboten, also weniger als bei Spotify (bis zu 320 kbit/s). Der Service kostet 9,99 Euro im Monat.

Es ist sinnvoll für 2 Euro zusätzlich gleich YouTube Premium zu nutzen. Das beinhaltet neben dem werbefreien Musikhören und Videoschauen auch die Möglichkeit, Inhalte auf dem Smartphone im Hintergrund oder bei ausgeschaltetem Bildschirm laufen zu lassen. Das geht bei der kostenlosen Variante nicht. Die Auswahl ist riesig, denn alles was auf YouTubes Video-Plattform hochgeladen wurde, kann auch über die Musik-App abgespielt werden. 

Musik-Liebhaber-Plattform: Tidal

Die Plattform Tidal des US-Rappers Jay-Z (hier) bietet schon lange hochwertige Musik an. Das hat seinen Preis. Das Standard-Abo mit maximal 320 kbit/s kostet 9,99 Euro, das HiFi-Abo 19,99 Euro. Dafür streamt man Musik mit 1.411 bis 4.608 kbit/s. Einige „Master-Songs“ werden sogar mit 9.216 kbit/s angeboten. Das verspricht eine Qualität, die sich wie im Studio anhören soll. 

Tidal konzentriert sich vor allem auf Musikfans, die auch in die entsprechende Hardware investieren, um die Musik in bester Qualität abspielen zu können. Mit 80 Millionen Songs ist das Angebot sehr groß. Neben dem umfangreichen Musikkatalog bietet die Plattform Konzertmitschnitte, Musikvideos, Interviews und Dokumentationen.

Spotify hat viel Konkurrenz

Gut für iOS-Nutzer*innen: Apple Music

Wer ohnehin schon iPhone und HomePod nutzt, für den ist Apple Music (hier) eine gute Alternative. Der Dienst ist sehr benutzer*innenfreundlich und bietet ein umfangreiches Musik- und Podcast-Angebot. Daher ist es nicht verwunderlich, dass er nach Spotify der zweitbeliebteste Dienst weltweit ist. Auch Apple hat in Sachen Klangqualität zugelegt.

Hier wird zwar keine Bandbreite angegeben, der gesamte Katalog sei aber mindestens in CD-Qualität (16 Bit / 44,1 kHz) verfügbar. Einige Songs sind sogar mit 24 Bit / 192 kHz verfügbar. Dafür zahlt man keinen Aufpreis gegenüber Spotify, sondern 9,99 Euro monatlich. Allerdings können Apples Kopfhörer AirPods, die Bluetooth nutzen, den Ton nicht verlustfrei wiedergeben.

Günstig, aber gut: Amazon Music Unlimited

Die günstigste Alternative für gute Qualität und große Auswahl bietet Amazon. Prime-Kund*innen zahlen monatlich 7,99 Euro, alle anderen erhalten das Angebot für 9,99 Euro. Wer einen smarten Echo-Lautsprecher von Amazon besitzt, zahlt für dieses Gerät 3,99 Euro für den Streaming-Dienst.

Amazon nennt HiFi „HD“, was CD-Qualität mit 1.411 kbit/s entspricht. Zusätzlich werden Songs in „Ultra HD“ angeboten. Hier werden 24 Bit und 192 kHz versprochen. Über 7 Millionen Songs sind in diesem Format verfügbar, 75 Millionen werden in HD-Qualität angeboten – also der gesamte Katalog des Online-Marktplatzes. Wer gerne exklusive Podcasts oder andere Zusatzinhalte nutzt, wird bei Amazon Music Unlimited weniger fündig.

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Franziska Bechtold

frau_grete

Liebt virtuelle Spielewelten, Gadgets, Wissenschaft und den Weltraum. Solange sie nicht selbst ins Weltall kann, flüchtet sie eben in Science Fiction.

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