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Ab 2030 will Google komplett ohne CO2-Emissionen auskommen

In Sachen Klimaschutz hat sich der Technologiekonzern ambitionierte Ziele gesetzt

Was macht ein Technologiekonzern wie Google, um seinen CO2-Ausstoß zu verringern? Das hat die futurezone bei Wolfgang Fasching-Kapfenberger, Unternehmenssprecher von Google Austria, nachgefragt.

futurezone: Jede Google-Suchanfrage produziert 0,2 Gramm CO2. Das hat Google im Jahr 2009 bekannt gegeben. Wie sieht das heute, 12 Jahre nach dieser Berechnung aus?
Wolfgang Fasching-Kapfenberger:
Die Zahl ist völlig überholt und total veraltet. Bereits seit 2007 ist Google klimaneutral. Wie haben wir das erreicht? Dank immer effizienterer Technologie, wie die Verwendung von Künstlicher Intelligenz beziehungsweise Machine Learning in den Rechenzentren, durch sogenannte "Carbon-Offsets" die wir leisten und durch den umfangreichen Einsatz erneuerbarer Energie. 

Wir haben dabei viele Nachhaltigkeitsprojekte für erneuerbare Energie unterstützt, sodass wir bereits seit 2017 100 Prozent unseres Strombedarfs ausgleichen können. Das heißt, dass wir übers Jahr genauso viel Strom aus Wind und Sonne zukaufen, wie wir verbrauchen. Und mittlerweile sind wir bereits weiter als nur zu kompensieren: Wir haben uns verpflichtet, bis 2030 komplett zu dekarbonisieren und überhaupt keine Emissionen mehr auszustoßen.

Unsere Rechenzentren sind im Schnitt 50 Prozent energieeffizienter als der Branchenschnitt.

Wolfgang Fasching-Kapfenberger, Unternehmenssprecher von Google Austria

Wie soll das funktionieren?
Nachhaltigkeit ist seit der Gründung ein wichtiges Thema für Google. Das nächste Jahrzehnt ist unser bislang sportlichstes: Wir wollen nicht nur über das Jahr gerechnet, sondern an allen Standorten rund um die Uhr ohne CO2-Emission produzieren. Das wollen wir bis 2030 schaffen. Heute, 2021, gelingt es uns im Schnitt bereits zu rund zwei Drittel der Zeit CO2-frei zu arbeiten. Auf 100 Prozent zu kommen ist sehr ambitioniert, das wissen wir, aber eben auch sehr wichtig. Wir haben für uns beschlossen die Ampeln auf Grün zu stellen.

Rechenzentren und Serverfarmen haben einen enormen CO2-Ausstoß. Was macht Google, um in diesem Bereich die Emissionen zu reduzieren?
Unsere Rechenzentren sind im Schnitt 50 Prozent energieeffizienter als der Branchenschnitt. Wir reduzieren laufend den Energiebedarf weiter, zum Beispiel mit Künstlicher Intelligenz beziehungsweise Machine Learning. Was uns aber noch viel wichtiger ist, als unser eigenes Unternehmen sauber zu betreiben, ist es anderen zu helfen, dasselbe zu tun. Durch Nutzung von Google Cloud können Unternehmen beispielsweise ihren CO2-Fußabdruck reduzieren.

Wird Google auch eigene, nachhaltige Kraftwerke, wie Windparks oder Solarfarmen, errichten beziehungsweise betreiben?
Unser Ansatz bei der erneuerbaren Energie ist ein systemischer. Wir investieren gezielt in neue Energieprojekte, um die Betreiber dabei zu unterstützen, die regionalen Stromnetze grüner zu machen. Das trägt dazu bei, dass saubere Energie für alle leichter und günstiger verfügbar wird. Den systemischen Ansatz werden wir auch weiterhin verfolgen, sowie mit unseren Partnern arbeiten, um sie bei dem Prozess der Dekarbonisierung zu unterstützen.

Beim Entwurf des neuen Campus haben wir alle Aspekte der Nachhaltigkeit immer im Auge.

Wolfgang Fasching-Kapfenberger, Unternehmenssprecher von Google Austria

Könnte Google in Zukunft nicht auch unter die Energieproduzenten gehen?
Als Unternehmen werden wir auch in Zukunft unserer Firmen-Mission treu bleiben, die Informationen der Welt zu organisieren und allgemein zugänglich und nutzbar zu machen. Dabei bleiben wir. Aber natürlich investieren wir massiv in den Ausbau erneuerbarer Energie. Wir werden in unseren wichtigsten Fertigungsregionen bis 2030 durch entsprechende Investitionen 5 GW neue CO2-freie Energiekapazität schaffen. Wir gehen davon aus, dass wir dadurch Investitionen in saubere Energie in Höhe von mehr als 5 Milliarden US-Dollar auslösen. Dadurch werden Emissionen vermieden, deren Volumen dem von mehr als einer Million Autos pro Jahr entspricht. Außerdem werden so über 8.000 Arbeitsplätze im Bereich sauberer Energien entstehen.

Google plant gerade ein neues Firmengelände in San Jose im Silicon Valley. Der Klimawandel soll bei der Gestaltung des neuen Campus eine wesentliche Rolle spielen. Was macht ein klimagerechtes Firmengelände im Jahr 2021 aus?
Dies gilt nicht nur für das Silicon Valley sondern - um ein anderes Beispiel zu nennen, das deutlich näher ist - auch für unser geplantes neues Entwicklungszentrum in der Arnulfpost in München. Beim Entwurf dieses neuen Campus haben wir alle Aspekte der Nachhaltigkeit immer im Auge. Von der Entscheidung für gesundheitlich unbedenkliche Materialien, über die Nutzung von Technologien zur Verbesserung unserer CO2-Bilanz, bis hin zur Implementierung von Echtzeitlösungen, um unseren Energieverbrauch für den gesamten Komplex zu kontrollieren, tun wir alles für einen nachhaltigen Standort.

Auch Arnulfpost soll als Standort natürlich CO2-neutral arbeiten. Wir setzen dabei auf Kreislaufwirtschaft, belastbare Technologien und die Nähe und Nutzung der Natur als Raum für Erholung und Inklusion. Wo immer möglich, möchten wir das bestehende Gebäude erhalten, weiter nutzen und so seine ursprüngliche Substanz und seine Einzigartigkeit in das Zeitalter der Nachhaltigkeit und Effizienz tragen.

Die beste Energie ist immer noch die, die man spart.

Wolfgang Fasching-Kapfenberger, Unternehmenssprecher von Google Austria

Wie kann technologischer Fortschritt bei gleichzeitiger Klimaneutralität erreicht werden? Kann Technologie helfen, die Klimaziele zu erreichen?
Technologie spielt eine enorm wichtige Rolle beim Erreichen der Klimaziele. Uns ist sehr wichtig, dass wir mit unseren Bemühungen nicht nur dafür sorgen, unser eigenes Unternehmen sauber zu betreiben. Um die Klimakrise einzudämmen, müssen es alle tun. Deshalb ist es uns so wichtig, anderen dabei zu helfen.

Wir arbeiten mit Partnern in der Industrie, in Städten und im Klimaschutz zusammen, um einen systemischen Wandel zu erreichen. Das tun wir beispielsweise dadurch, dass wir Klimaschutzprojekte fördern, oder dadurch, dass wir hilfreiche Produkte, wie zum Beispiel den Environmental Insights Explorer, zur Verfügung stellen, mit dem Städte Emissionsquellen oder Luftverschmutzung erfassen können, sowie nach Lösungsansätzen suchen.

Google stellt Geräte wie smarte Lautsprecher, Thermostate und Smartphones her. Inwieweit ist es hier überhaupt möglich, diese Geräte nachhaltig zu erzeugen?
Nachhaltigkeit in unsere Produkte zu integrieren ist ein kontinuierliches Bestreben, entlang des gesamten Produktentwicklungsprozesses. Egal ob es um das Verwenden von recycelten Materialien - alle unserer neuen Nest-Produkte enthalten recycelte Kunststoffe - oder das Versenden von Produkten geht: Seit Oktober 2019 sind 100 Prozent aller Sendungen der von Google hergestellten Produkte an Kunden klimaneutral.

Smart Home bedeutet mehr Elektronik und dadurch auch mehr Energieaufwand. Inwieweit kann ein Smart Home helfen Energie zu sparen?

Die beste Energie ist immer noch die, die man spart. Einerseits bemühen wir uns bereits beim Design von unseren Hardware-Geräten uns über den Energieverbrauch Gedanken zu machen. Da geht es neben der Hardware-Entwicklung auch um so Dinge wie zum Beispiel die Möglichkeit beim Nest Hub, unserem Smartspeaker mit Bildschirm, das Display mit dem einfachen Sprachbefehl "Bildschirm abschalten" zu deaktivieren und so schon einiges an Strom zu sparen.

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation mit Google Austria.

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