Fahrradfahrer mit Lastenfahrrad unterwegs

Die Klimaneutralität erreicht man nur in Etappen. Ein Umstieg auf saubere Transportmittel ist eine von vielen Möglichkeiten

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B2B

Wie sich Klimaschutz für kleine Unternehmen auszahlt

Österreich soll bis 2040 klimaneutral sein. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen auch alle heimischen Unternehmen an einem Strang ziehen. Viele größere Unternehmen haben den Weg Richtung Klimaneutralität bereits eingeschlagen. Kleine und mittelgroße Unternehmen drohen dagegen, auf der Strecke zu bleiben. Viele haben den Ernst der Lage noch nicht erkannt, haben keine Kapazitäten, um sich mit dem Thema ernsthaft auseinanderzusetzen und besitzen nicht genügend Wissen, um Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen.

Nachweis gefragt

2023 wird für Unternehmen ab 250 Mitarbeiter*innen die Pflicht eingeführt, Nachhaltigkeitsberichte abzuliefern. Für Unternehmen ab 500 Mitarbeiter*innen gilt diese Pflicht bereits seit 2017. Für KMUs gibt es derartige gesetzliche Vorgaben noch nicht. Dennoch steigt der Druck. Die eigene Klimaschutzstrategie wird vermehrt bei der Vergabe von Förderungen oder Bankkrediten berücksichtigt. Auch seitens der Kundschaft wird immer öfter nach Informationen über innerbetriebliche Emissionen gefragt.

Beratungsstellen vorhanden

KMUs, die bereit sind, sich auf die veränderten Anforderungen einzustellen, aber nicht wissen wie, können Hilfe von Expert*innen erhalten. In jedem Bundesland kann man etwa geförderte Beratungsleistungen in Anspruch nehmen, erklärt Petra Lackner von der Österreichischen Energieagentur, Leiterin des Programms "klimaaktiv Energieeffiziente Betriebe". Das vom Bundesministerium für Klimaschutz initiierte Programm will KMUs durch Beratung und eine Auszeichnung dazu motivieren, eigene Maßnahmepläne zu entwickeln und umzusetzen.

Unternehmen, die es schaffen, sich an unterzeichnete Zielvereinbarungen zu halten, werden zum klimaaktiv Projektpartner und können ein eigenes Logo verwenden. In eine ähnliche Kerbe schlägt die Klimainitiative "Let's go for zero". Sie hilft bei der Verbesserung der Nachhaltigkeitsstrategie und vergibt den "Go Klima Indikator", eine Art Ausweis des eigenen Fortschritts am Weg zur Klimaneutralität 2040. "Keiner kennt sich recht aus, wo die größten Emissionstreiber in der Firma sind. Wir haben einen Zielpfad entwickelt, der zeigt, wie viel man wo reduzieren kann, was wirtschaftlich vertretbar ist und wo man investieren muss", sagt Petra Hartl, Geschäftsführerin der Move Forward GmbH, der Betreiberin der Initiative. "Viele KMUs entwickeln zwar ein Bewusstsein für den Klimaschutz, haben aber ganz andere Probleme und kämpfen ums Überleben. Corona hat die Lage verschärft."

Tiefer Blick ins Geschäftsmodell

"In bestimmten Bereichen sollte es eigentlich gar kein Problem sein, Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen", erklärt Petra Lackner. Der Bezug von Ökostrom oder die Anschaffung von Firmen-Pkw mit Elektroantrieb seien einfache Lösungen. Schwieriger wird es für manche KMUs, wenn sie "einen tieferen Blick ins Geschäftsmodell werfen", meint Johannes Naimer-Stach. Er hat die Klimaschutzakademie mitgegründet, die seit knapp zwei Monaten persönliche Beratung und Online-Kurse für KMUs anbietet. "Ehrlicherweise muss man sagen, dass es Geschäftsmodelle gibt, die nicht klimafit gemacht werden können." In den meisten Fällen sei eine schrittweise Veränderung aber möglich.

"Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe geben und mit wenig Aufwand einen schnellen Einstieg in das Thema Klimaschutz ermöglichen", sagt Naimer-Stach. Er rät Unternehmen generell, den Weg Richtung Klimaneutralität als Marathon und nicht als Sprint zu begreifen. "Viele Unternehmen schreiben voreilig 'klimaneutral' auf ihre Produkte, das ist aber oftmals nur ein Marketingmittel. Wenn man dann hinter die Fassade schaut, merkt man, dass nur selektive Punkte adressiert wurden."

Wer nicht reagiert, verliert

Die Verantwortung von Unternehmen, auch von KMUs, gehe soweit, dass man die gesamte Wertschöpfungskette betrachten müsse: Zulieferer, Logistik, Recyclierbarkeit etc. Vor allem aber sei es wichtig, sich möglichst rasch mit dem Thema Klimaschutz zu beschäftigen: "2030 sollen die Treibhausgasemissionen auf EU-Ebene um 55 Prozent reduziert sein. Das ist schon in 7,5 Jahren. Unternehmen, die sich nicht in den nächsten drei Jahren darauf vorbereiten, gibt es bald nicht mehr."

Energiesparpotenziale für KMUs

99,6Prozent
aller österreichischen Unternehmen fallen in die Kategorie KMU. Das sind rund 350.000 Stück

Ihre Emissionen
werden üblicherweise nach dem Standard Greenhouse Gas Protocol berechnet

Einsparungen
lassen sich branchenspezifisch in vielen Bereichen erzielen: Beleuchtung, Mobilität, Belüftung, Maschinensteuerung, Abgasverwertung, Isolierung und vieles mehr. Die Einführung eines Energiemanagementsystems hilft in vielen Fällen.

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David Kotrba

Ich beschäftige mich großteils mit den Themen Mobilität, Klimawandel, Energie, Raumfahrt und Astronomie. Hie und da geht es aber auch in eine ganz andere Richtung.

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