American Airlines 737 max passenger planes are parked on the tarmac at Tulsa International Airport in Tulsa

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B2B
06/03/2020

Niemand will Flugzeuge kaufen: Preise auf Tiefstand

Die Luftfahrt wurde von der Corona-Krise besonders hart getroffen. Die Preise für Flugzeuge sind stark eingebrochen.

Die Einschränkungen in der Corona-Krise haben den internationalen Flugverkehr nahezu zum Erliegen gebracht. Zahlreiche Airlines haben fast ihre gesamte Flotte geparkt und die Flugverbindungen auf ein Minimum reduziert. Obwohl der Luftverkehr in den vergangenen Wochen leicht angestiegen ist, waren am 1. Juni 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 48 Prozent weniger Flugzeuge unterwegs.

Das Einbrechen der Luftfahrt hat für den Gebrauchtmarkt von Flugzeugen dramatische Folgen. Die Preise sind in den vergangenen Monaten stark eingebrochen.  Lufthansa-Chef Carsten Spohr gab bekannt, dass man mit Airbus und Boeing über Verschiebungen und Stornierungen von Bestellungen verhandle. "Das Problem ist: Das machen gerade wahrscheinlich alle Airlines auf der Welt", wird der Lufthansa-CEO von AeroTelegraph zitiert.

Flugzeuge werden aussortiert

Die eingebrochene Nachfrage hat auch zur Folge, dass Airlines ihre Flotte aussortieren. So hat sich beispielsweise die Lufthansa von etlichen Airbus A380 getrennt. Air France hat den Riesenflieger komplett ausgemustert. KLM tritt sämtliche Boeing 747 ab und auch kleinere Jets werden zunehmend in den vorzeitigen Ruhestand geschickt, beispielsweise bei der Lufthansa-Tochter Eurowings.

Das bedeute, dass das Angebot auf dem Gebrauchtmarkt zuletzt stark gestiegen ist, die Nachfrage jedoch weitgehend nicht vorhanden ist, schreibt AeroTelegraph. Die auf Flugzeugwerte spezialisierte Beratungsfirma IBA hat nun eine Prognose abgegeben, wie sich die Corona-Krise auf die Gebrauchtmarkt- sowie Leasingpreise von Passagiermaschinen auswirkt.

Preisverfall am Gebrauchtmarkt

Demnach büßen Großraumjets, die ungefähr 3 Jahre alt sind, 3 bis 7 Prozent an Wert ein. Folglich würden die Leasingraten für diese Flugzeuge um 8 bis 19 Prozent zurückgehen. Langstreckenflieger, die rund 12 Jahre alt sind, trifft es noch härter: Deren Wert geht um 11 bis 25 Prozent zurück, die Leasingpreise fallen zwischen 13 und 17 Prozent.

Bei neueren, kleineren Flugzeugen geht IBA von einem Wertverlust zwischen 6 und 12 Prozent aus. Die Leasingpreise sollen dadurch um 10 bis 15 Prozent fallen. Ein Wertverlust zwischen 16 und 29 Prozent sei bei Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen, die 18 Jahre alt sind, zu erwarten. Die entsprechenden Leasingraten würden um 10 bis 15 Prozent sinken.

Allerdings seien die Prognosen mit Vorsicht zu genießen, so die Beratungsfirma. Denn die einzigartige Situation der Corona-Krise mache Vorhersagen nur bedingt zuverlässig. Beispielsweise könne das Rekordtief des Ölpreises dazu führen, dass ältere Flugzeuge, die vergleichsweise viel Sprit brauchen, wieder attraktiver werden, da sie in der Anschaffung relativ günstig zu haben sind.