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Interview UPC: "Zurzeit besteht kein Bedarf nach Gigabit-Speeds".

Foto: Thomas Prenner
UPC will vor allem mit neuen Features und Sponsorings Neukunden gewinnen. So bietet man nun neben der Replay-TV-Funktion auch eSport-Veranstaltungen an.

Lange musste man in Österreich warten, doch 2017 wagte sich auch UPC mit “Replay TV” auf den Markt. Sieben Tage lang wird das komplette TV-Programm aufgezeichnet und kann jederzeit auf Knopfdruck aus der Cloud abgerufen werden. In der Schweiz ging der Dienst bereits 2009 an den Start, hierzulande sorgte die rechtlich komplizierte Situation für Verzögerungen. Das sei nun aber geklärt, wie Gerald Schwanzer, Vice President für Consumer Marketing bei UPC, gegenüber der futurezone sagt.

“Mit Replay für Horizon Go sind wir ja schon seit einem Jahr auf dem Markt”, sagt Schwanzer. Über diesen Dienst für Smartphones, Tablets und den Browser konnte neben Live-TV auch das Programm der vergangenen sieben Tage abgerufen werden. Mit Replay TV kommt dieses Angebot nun auch für den Fernseher. ”Wir haben die Horizon-Plattform erst vergangenen Herbst in Österreich auf den Markt gebracht. Das war ein ziemlich komplexes Projekt und wir wollten vor Einführung von Replay sicherstellen, dass alles wirklich gut funktioniert.”

Keine Drosselung von Netflix

Für Schwanzer ist Replay TV eine “logische Weiterentwicklung des linearen Fernsehens” und sei nicht aufzuhalten: “Es ist eine Erscheinung der Zeit, dass das Fernsehen zunehmend modular wird. Das fordern auch die Kunden.” Die “Horizon Go”-App werde bereits von einigen “zehntausenden Kunden” genutzt, genauere Zahlen wolle man vorerst nicht bekannt geben.

Gerald Schwanzer UPC
Foto: Thomas Prenner
Dass die Bedeutung von Video-Inhalten zunehme, merke man auch bei der Analyse des Internet-Traffics. “Das Internet ist heute ein Video-Medium”, sagt Schwanzer. “Die überwiegende Mehrzahl aller Bytes, die bei uns im Internet konsumiert werden, sind Video-Bytes.” Debatten um eine mögliche Drosselung von Streaming-Anbietern wie Netflix, wie lange Zeit wegen der niedrigen Geschwindigkeiten im Netflix-Ranking vermutet wurde, bezeichnet er als “Quatsch”. “Wir haben nichts damit zu tun. Im Gegenteil, wir haben mit Netflix sogar einen internationalen Vertrag und bieten so in einigen Ländern die Möglichkeit, direkt via Horizon Recorder auf Netflix-Inhalte zugreifen zu können. Das wird auch einmal in Österreich passieren.” Zudem sei der US-Anbieter gemessen am Traffic-Anteil “nichts im Vergleich zu YouTube”, das mittlerweile auch direkt via Horizon Box abgerufen werden kann.

Sprung auf Gigabit

Ein anderes Thema, mit dem sich Schwanzer befasst, ist der Umstieg auf den Kabel-Standard Docsis 3.1, mit dem man künftig auch “Bandbreiten im Gigabit-Bereich” anbieten will. Das werde aber erst im Laufe der nächsten Jahre erfolgen. “Wann welche Geschwindigkeit kommt, ist auch davon abhängig, wie sich die Nutzung unserer Kunden weiterentwickelt. Zurzeit besteht kein wirklicher Bedarf nach Gigabit-Speeds”, erklärt Schwanzer. Dem Umstieg auf den neuen Standard gehen mehrere technische Anpassungen voraus, unter anderem dem Schaffen von mehr Bandbreite in den verfügbaren Downstream Channels. Dazu wurde unter anderem die Abschaltung des analogen Kabel-TV-Signals vorangetrieben, die Anfang 2017 abgeschlossen wurde. Das Aus für das analoge Kabel-TV sorgte kaum für Beschwerden, bei Rückfragen handelte es sich laut Schwanzer meist nur um Kunden mit “alten Zweit- oder Drittgeräten”.

UPC
Foto: UPC
Ein großer Vorteil sei die Tatsache, dass im Kabelnetz das TV- und Internet-Signal getrennt sind und die “Bandbreiten sich so nicht in die Quere kommen”. Zudem gebe es “große Reserven im Netz” wodurch, im Gegensatz zu mobilen Netzen, die Bandbreiten zu Stoßzeiten nicht voll ausgelastet sind. “Unser Durchschnittskunde hat zwischen 100 und 125 Mbit/s an Internetbandbreite”, sagt Schwanzer.

"Wir sind da fair"

Die RTR entschied im Vorjahr, dass Internetanbieter künftig nur mehr mit “echten Geschwindigkeiten” werben dürfen. Dabei handelt es sich um jene Bandbreite, die zumindest zu 95 Prozent des Tages zur Verfügung steht. Laut Schwanzer musste UPC trotz der neuen Regel nichts anpassen. “Wie das abläuft, kann jeder in unseren Leistungsbeschreibungen lesen. Ich rate jedem, das auch bei unseren Mitbewerbern zu tun, da wird man sein blaues Wunder erleben. Wir sind da fair.” Der Fall einer Kundin, die sich vor Gericht eine Rückzahlung erstritt, weil die versprochene Geschwindigkeit nie erreicht wurde, sei ein Einzelfall gewesen.

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Foto: UPC
“Die Internetgeschwindigkeit wird sich in den nächsten Jahren dynamisch entwickeln”, meint Schwanzer. Mögliche Meilensteine will er nicht nennen, er glaubt aber, dass “mittelfristig Internet-Inhalte und klassische TV-Inhalte immer stärker zusammenrücken werden”.

Zuletzt gab es auch Aufregung, weil UPC die Preise für Bestandskunden anhob. Da die Preiserhöhung für einige Tarife über dem sogenannten Verbraucherpreisindex - dem Maßstab für die Inflation - lag, musste der Konzern dabei auch Sonderkündigungsrechte einräumen. Laut Schwanzer erfolgte die Anpassung auf der Basis von vielen Faktoren, nicht nur der Inflation. “Wir investieren jährlich große Summen, um unseren Kunden das beste Netz zu bieten. Bei manchen Produkten haben wir zudem eine stärkere Entwicklung auf der Kostenseite und das führt manchmal zu entsprechenden Anpassungen. Eine Indexanpassung wäre da nur eine Art Tabula Rasa und das wollen wir nicht.”

Analyse von WLAN-Netzwerken

Mit UPC Mobile verzeichne man “sehr schöne Wachstumsraten”. Mittlerweile sind es 56.000 Kunden, 25.000 mehr als neun Monate zuvor. Der Dienst, den UPC als virtueller Mobilfunker (MVNO) im Netz von Drei und T-Mobile anbietet, sei eine “natürliche Erweiterung unseres Angebotsspektrums”, man wolle so viel wie möglich aus einer Hand anbieten. Dabei wird man zunächst wohl weiterhin als virtueller Mobilfunker auftreten.

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Foto: UPC
Ein möglicher Vorteil: Seit kurzer Zeit kann UPCs Wi-Free-Angebot - kostenlose WLAN-Hotspots in allen Ländern, in denen UPC aktiv ist - auch in den USA kostenlos genutzt werden. Das wird durch eine Partnerschaft mit dem US-Anbieter Comcast möglich. Aktuell werde das Angebot “nicht vom Hauptteil unserer Kunden genutzt”, die Nutzer sehen dieses aber als “nette Ergänzung”. UPC bietet zudem seit kurzem auch eine App an, mit der Kunden das WLAN im eigenen Zuhause optimieren können. Mit der UPC Connect App kann der Empfang überprüft und mögliche Funklöcher ausfindig gemacht werden. Neben Tipps zur Platzierung bietet die App auch Powerline-Adapter und Range Extender an, mit denen die Reichweite des Netzwerks erweitert werden kann.

Einstieg bei eSports

Aktuell fällt UPC, das bereits seit einigen Jahren den Eishockeyclub Vienna Capitals sponsert, zunehmend auch im Bereich eSports auf. “eSports ist ein großes Thema für uns, in der Schweiz verfolgen wir das schon seit einigen Jahren”, sagt Schwanzer. “Wir glauben ganz einfach, dass unsere Infrastruktur und unsere Produkte diejenigen sind, die typischerweise von Gamern verwendet werden, weil sie durch die Geschwindigkeit sehr gut für Gaming geeignet sind.” Der Internetkonzern will sich deswegen auch stärker in der Community vernetzen und sponsert unter anderem den “League of Legends”-Bewerb “Vienna Challengers Arena”, der im November auf der Vienna Comic Con stattfinden wird.

 

Dieser Artikel ist im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und UPC entstanden.

(futurezone) Erstellt am 13.11.2017, 06:00

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