Amazon workers in Downtown Miami

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Digital Life

Amazon gibt zu, dass Zusteller in Flaschen urinieren

Nach einem launischen Dementi, in dem die Behauptung des US-Abgeordneten Mark Pocan brüsk zurückgewiesen wurde, Amazon-Fahrer müssten aus Zeitdruck in Flaschen urinieren, rudert der Onlinehändler nun zurück. In einem Blogpost wurde dieser Umstand nicht nur bestätigt, Amazon entschuldigte sich auch für den offenbar falschen Tweet und bei dem US-Politiker, der die Sache öffentlich gemacht hatte.

Interne Dokumente belasteten Amazon

Schon vor dem öffentlichen Dementi war der Online-Händler unter Druck geraten. Denn interne Dokumente sowie zahlreiche auf Reddit gepostete Bilder machten deutlich, dass das Problem des Urinierens in Plastikflaschen, Becher und anderen Behältern mangels möglicher Klopausen nicht nur weit verbreitet, sondern auch bei Amazon längst bekannt ist.

In dem Blogbeitrag gibt Amazon zu, dass die Antwort auf den Tweet inkorrekt war. In den eigenen Verteilzentren seien genügend Toiletten vorhanden und Angestellte könnten diese jederzeit während der Arbeit aufsuchen. Was Fahrer bei der Zustellung betreffe, wisse Amazon, dass diese manchmal aufgrund der Verkehrssituation oder aufgrund ländlicher Routen keine Toiletten finden könnten. Aufgrund der Corona-Pandemie seien zudem viele öffentlichen Klos geschlossen.

Industrieweites Problem

Von dem Problem seien auch andere Firmen betroffen. Man werde daher versuchen, eine Lösung zu finden, teilte Amazon mit. Mit keinem Wort ging der Konzern hingegen auf die engen zeitlichen Vorgaben ein, unter denen Zusteller leiden. Zugegeben, das ist kein reines Amazon-Problem, und es ist auch nicht auf die USA beschränkt. Auch in Österreich oder Deutschland werden die prekären Bedingungen von Paketzustellern wiederholt kritisiert. Die meisten Zusteller werden nicht nach Stunden, sondern nach ausgelieferten Paketen bezahlt.

Darüber hinaus werden Zustellungen, selbst von Anbietern wie der Österreichischen Post, teilweise von externen Firmen abgewickelt, die ihrerseits Verträge an Subfirmen und Ein-Personen-Unternehmen auslagern. Gerade im vergangenen Jahr fiel vielen aufgrund der Home-Office-Situation auf, dass Zustellungen diverser Anbieter nicht klappen, weil aus Zeitmangel erst gar nicht an der Tür geklingelt werden kann.

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Martin Stepanek

martinjan

Erste Computer-Begegnung: Macintosh 128k (1984). Erster eigener Computer: Atari 520ST. Wissenschaftsverliebt. Alte-Musik-Sänger im Vienna Vocal Consort. Mag gute Serien. Und Wien.

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