Anthony Bourdain dead at 61

© EPA / Jose Sena Goulao

Digital Life

KI rekonstruiert Stimme von Anthony Bourdain für Dokumentarfilm

In seinen Sendungen "No Reservations" und "Parts Unkown" reiste der Koch Anthony Bourdain um die Welt. Markant war dabei seine Erzählerstimme aus dem Off, die durch die Episoden führte. Filmemacher Morgan Neville verwendete Auszüge daraus für seine Dokumentation "Roadrunner" über Bourdains Leben. Doch eine bestimmte Szene konnte er nicht aus Archivmaterial zusammenschneiden. Deshalb beauftragte er eine Firma mit der Rekonstruktion von Bourdains Stimme.

In der Szene liest der Künstler David Choe eine E-Mail vor, die Bourdain ihm geschickt hat. Dabei geht Choes Stimme in die von Bourdain über. Bei einem Interview mit Helen Rosner im New Yorker sagt Neville, es habe 3 Zitate gegeben, für die er keine Aufnahme finden konnte. Um sie trotzdem einbauen zu können, beauftragte er eine Firma damit, die Stimme mithilfe einer Künstlichen Intelligenz zu rekonstruieren.

Täuschend echt

Neville übermittelte ungefähr 12 Stunden an Aufnahmen von Bourdain an die Softwarefirma. So konnte ein KI-Modell seiner Stimme erstellt werden. Damit lässt sich täuschend echt jeder beliebige Satz sagen: "Man wird wahrscheinlich nicht erkennen, welche anderen Zeilen von der KI gesprochen wurden. Und man wird es auch nicht herausfinden. Wir können dann später ein Panel über Dokumentarfilm-Ethik machen", sagt Neville.

Gegenüber GQ sagte Neville, er habe sich die Erlaubnis von Bourdains Witwe geholt. "Ich habe ihm keine Worte in den Mund gelegt, ich habe nur versucht, sie lebendig zu machen", so der Filmemacher. Nachdem sich einige Nutzer*inne über ihre Social Media Kanäle beschwerten, die Vorgehensweise sei unethisch, meldete sich die Filmemacherin Lindsay Beyerstein zu Wort. Sie merkte auf Twitter an, dass sie zwar kein Problem darin sehe, KIs für solche Zwecke zu verwenden, es müsse dem Publikum aber vorab mitgeteilt werden.

Rekonstruierte Schauspieler

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Verstorbener für einen Film rekonstruiert wurde. Für Superman Returns (2004) wurde eine digitale Maske von Marlon Brando aus Aufnahmen des Superman-Films von 1978 erstellt. Über das Performance-Capture-Tool konnten die Filmemacher Brando nach ihren Wünschen sprechen und spielen lassen.

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