At The Subway Station
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Digital Life

Täglich landen AirPods auf den Wiener U-Bahn-Gleisen

Apples AirPods sind extrem beliebt. Weltweit wurden schon mehr als 150 Millionen Stück verkauft – obwohl das Design der True-Wireless-In-Ear-Kopfhörer immer wieder Ziel von Gespött ist. Ein Meme-Klassiker ist etwa der Vergleich mit den Putzköpfen von elektrischen Zahnbürsten.

Trotzdem schwören die User*innen darauf. Besonders gut passen sie aber anscheinend nicht auf ihre AirPods auf. Wie die Wiener Linien gegenüber der futurezone bestätigt haben, landen im Grunde täglich AirPods auf den U-Bahn-Gleisen.

Es gehen mehr AirPods als Kinderspielzeuge verloren

Erhoben wurden die Daten anhand der Bitten von Kund*innen, die AirPods von den Gleisen zu bergen. Diese Zahlen beinhalten auch andere True-Wireless-In-Ear-Kopfhörer, da manche Kund*innen nur von „Kopfhörern“ reden oder die AirPods als „EarPods“ bezeichnen. Tatsächlich werden laut den Wiener Linien auch True-Wireless-In-Ears anderer Hersteller geborgen, die AirPods seien aber deutlich in der Mehrzahl.

Die aktuelle Generation der Apple AirPods haben einen kürzeren "Stiel", sitzen aber immer noch lockerer als andere Kopfhörer im Ohr

Demnach werden am häufigsten AirPods von den U-Bahn-Gleisen geborgen. Danach folgt Kinderspielzeug und „Gegenstände, die gut zwischen Zug und Bahnsteig passen, wie Handy, Schlüssel oder Schmuck.“ Jetzt könnte man daraus schlussfolgern, dass AirPod-Besitzer*innen weniger gut auf ihre Kopfhörer aufpassen, als Kinder auf ihr Spielzeug. Bei den Wiener Linien gibt es eine Vermutung dazu. Grund könnte die mittlerweile ausgelaufene Maskenpflicht gewesen sein. Weil AirPods lockerer im Ohr sitzen als In-Ears anderer Hersteller, würden die möglicherweise leichter aus dem Ohr fallen, wenn Fahrgäste beim Betreten der U-Bahn ihre Maske aufsetzen.

Anmerkung dazu: Die Maskenpflicht in den Wiener Linien, die durch die Stadt Wien auferlegt wurde, galt auch im Stationsbereich. Wenn sich jemand erst am Bahnsteig beim Betreten der U-Bahn die Maske aufsetzt, war das eigentlich zu spät. Hätte sich die Person schon beim Betreten der Station die Maske aufgesetzt, wären die AirPods womöglich nur zu Boden gefallen und nicht auf die U-Bahn-Gleise.

Am häufigsten wird der Verlust vor Ort gemeldet

Anfragen zur Bergung bekommen die Wiener Linien über verschiedene Wege. Am häufigsten wird Personal bei den U-Bahn-Stationen kontaktiert oder die Leitstelle, mittels der Notsprechstelle. Dies passiere ein- bis zweimal pro Tag für verlorene Gegenstände. Am zweithäufigsten wird der Verlust per Mail gemeldet. Von 1.1.2022 bis 28.2.2023 waren es 487 Bergungs-Anfragen. Telefonisch gibt es nur wenig Meldungen: im selben Zeitraum lediglich 49.

Es gibt noch eine Dunkelziffer. Manche Personen merken nicht, wo sie ihre Kopfhörer verloren haben und haben die „Wo ist“-Funktion in ihren iPhones nicht aktiviert. Einige Menschen klettern auch selbst ins Gleisbett, um die Kopfhörer zurückzuholen. „Das ist höchst lebensgefährlich“, warnen die Wiener Linien. Das gilt selbst dann, wenn gerade keine U-Bahn kommt. In der gelben Stromschiene der U1, U2 und U4 fließen 750 Volt.

Wie die Bergung funktioniert

Daher ist die Bergung von AirPods und Co. auch für die Wiener Linien nicht trivial. Der Ablauf ist üblicherweise so: Nach der Meldung kommt Service-Personal zum Verlustort. Erfolgt die Meldung per Notsprechstelle, kann, je nachdem bei welcher Station man ist, das Personal in 10 bis 30 Minuten vor Ort sein. Die Notsprechstelle zu nutzen, wenn Gegenstände ins Gleisbett gefallen sind, ist in Ordnung. Das Ziehen des Zugnotstopps allerdings nicht, es sei denn, der Gegenstand auf den Gleisen gefährdet die Sicherheit der Personen am Bahnsteig oder in der U-Bahn. Ein großer Kinderwagen auf den Gleisen wäre ein Fall für den Notstopp (Trümmerflug, Beschädigung an der U-Bahn oder Stromschiene), aber ein AirPod, der zwischen den Schienen liegt, nicht.

U3

Ist das Personal vor Ort, wird der verlorene Gegenstand gesichtet. Liegen Kopfhörer, Stofftier oder Handy weit genug von der Stromschiene weg, können sie gleich geborgen werden. Hierzu wird der Betrieb kurzzeitig unterbrochen. Wenn ihr das nächste Mal in der U-Bahn seid und die zwischen 2 Stationen stehen bleibt und es „zu einem kurzen Aufenthalt“ kommt, könnte es sein, dass hier gerade ein AirPod vom Gleis geholt wird.

Ist der Gegenstand zu nahe an der Stromschiene, muss der Strom abgeschaltet werden. Das geht nur in der betriebsfreien Zeit, also wenn die U-Bahn nicht mehr fährt. In diesem Fall wird mit der Person, der der AirPod aus dem Ohr gefallen ist, eine Abholung zu einem späteren Zeitpunkt vereinbart, z. B. am nächsten Tag in einem Service-Center.

Bergung ist kostenlos

Die Bergung ist nicht kostenpflichtig. Laut den Wiener Linien arbeitet das Service-Personal im Schichtdienst, es fallen also keine Überstunden für Bergungen außerhalb der Fahrzeiten der U-Bahn an. Dennoch bitten die Wiener Linien die Fahrgäste, ihre Gegenstände festzuhalten und auf die AirPods aufzupassen.

Das gilt auch für Aufzüge, betonen die Wiener Linien. Hier werden ebenfalls oft AirPods verloren. Muss der Aufzug zu Betriebszeiten angehalten werden, um die Kopfhörer zu bergen, ist die Barrierefreiheit nicht mehr gegeben. Weil jemand seine AirPods nicht unter Kontrolle hat, muss eine Person im Rollstuhl womöglich 10 bis 30 Minuten in der Station ausharren, bis der Aufzug wieder fahren kann. Die Bergung im Aufzugsschacht ist nämlich mit einem nicht unerheblichen Aufwand verbunden.

Verluste bei den ÖBB

Die futurezone hat auch bei den ÖBB nachgefragt, ob hier überdurchschnittlich viele AirPods verloren und geborgen werden. Aufgrund der Struktur und des österreichweiten Bahnnetzes gibt es keine konkreten Zahlen dazu. Immerhin weiß man auch bei den ÖBB, dass AirPods am häufigsten betroffen sind, gefolgt von Schlüsseln und Mobiltelefonen.

AUSTRIA-STRIKE-SOCIAL-UNIONS

Die ÖBB schätzen, dass am Hauptbahnhof Wien eine Bergungsanfrage etwa alle 2 bis 3 Monate eintrifft. Beim Praterstern seien es 2 bis 3 Anfragen pro Monat. In Innsbruck sind es 3 bis 4 Anfragen pro Jahr.

Auch hier sollten Kund*innen keinesfalls selbst ins Gleisbett steigen, obwohl das leider viele machen – vor allem bei kleineren Bahnhöfen. Zwar besteht keine Gefahr durch den Strom der Oberleitung, es kann aber jederzeit ein Zug ein- bzw. durchfahren. „Da die Züge der ÖBB beim Einfahren kaum hörbar sind, ist es für Kund*innen nicht möglich richtig einzuschätzen, ob und wann ein Zug in die Station einfährt. Da Züge aufgrund ihres Tempos und ihres Gesamtgewichts einen entsprechend langen Bremsweg haben, ist es für Lokführer*innen nahezu unmöglich, den Zug rechtzeitig zum Stillstand zu bringen“, so die ÖBB.

Auch die ÖBB bergen AirPods und Co. kostenlos. Fahrgäste sollten die ÖBB-Mitarbeiter*innen vor Ort über den Verlust ihrer Gegenstände informieren. Dann wird kurzzeitig das Gleis gesperrt. Der Gegenstand kann geborgen und gleich den Eigentümer*innen zurückgegeben werden. Weil während der Bergung der Zugverkehr für das betroffene Gleis eingestellt ist, ist „eine Beeinträchtigung des planmäßigen Zugbetriebs nicht ausgeschlossen“, so die ÖBB.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, vom Kopfhörer über Smartphones und Kameras bis zum 8K-TV.

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Gregor Gruber

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