China hat ein Abhörgerät am Nordpol installiert.

China hat ein Abhörgerät am Nordpol installiert.

© Chinese Polar Missions

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China plant Abhörprogramm am Nordpol, USA und Russland haben Bedenken

China hat erfolgreich eine Unterwasser-Abhöranlage getestet, die im großen Stil im arktischen Ozean zum Einsatz kommen soll. Sobald die komplette Anlage in Betrieb ist, soll sie Kommunikation, Navigation, Positionierung und Zielerfassung unter dem Eis ermöglichen.

Erste Tests wurden bereits 2021 vom Polar Research Institut of China durchgeführt, berichtet die South China Morning Post. Dafür wurde ein „Bojen-System zur akustischen Überwachung polarer subglazialer Oberflächen“ auf einem Eisblock installiert, der in einem abgelegenen Gebiet im arktischen Ozean schwamm.

Unterwassermikrofon soll Lebewesen und Schifffahrt messen

Die Boje war mit mehreren Instrumenten ausgestattet, darunter ein Hydrophon, also ein Unterwassermikrofon. Damit wurden Druck und Teilchenbewegung von Schallwellen in verschiedenen Richtungen gemessen. Nutzen kann man diese Daten, um Lebewesen wie Wale oder Robben, aber auch mechanische Soundquellen zu untersuchen.

Chinas Polarexpedition platzierte Abhörsensoren auf einer Boje im Eis

In der dreimonatigen Laufzeit des Experiments wurde das Hydrophon alle 2 Stunden aktiviert. Damit wurden laute, niedrigfrequente Töne erfasst, die etwa von Schifffahrt oder Öl- bzw. Gasraffinerie erzeugt werden. Wissenschaftler*innen können durch die Vibration von Wasserpartikeln außerdem Rückschlüsse auf Wellengang, Strömungen und die Bedingungen am Meeresboden ziehen.

Extreme Temperaturen sind Herausforderung für Instrumente und Batterie

Die Herausforderung einer solchen Abhörstation ist ihre Lebensdauer. Die verbaute Batterie muss den extremen Temperaturen im arktischen Ozean standhalten, die Instrumente mit genug Energie versorgen und die Satellitenkommunikation garantieren. Dabei haben die Sensoren der neuen Boje die Erwartungen um 17,4 Prozent übertroffen, teilte das Institut mit.  

Die Wissenschaftler*innen konnten zudem messen, wie stark sich die Eisschmelze und -bildung auf den Schall auswirken. Diese Veränderungen können den Salzgehalt des Wassers erhöhen oder verringern und damit auch dessen Dichte. Das verändert, wie sich Schall ausbreitet.

USA, China und Russland wollen Arktis erschließen

Einerseits sollen Chinas Arktis-Expeditionen den Ozean, Meeresbewohner, Eiszusammensetzung und Weltraumwetter untersuchen. Allerdings sollen die Erkenntnisse auch Chinas Schifffahrt stärken.

Laut South China Morning Post könnte das Vorhaben aber auch für weitere geopolitische Spannungen mit den USA und Russland sorgen. Die Nationen drängen auf das arktische Gebiet, um unter anderem neue Ressourcen, strategische militärische Positionen und Handelsrouten zu erschließen. Daher sehen die beiden Nationen Chinas Bemühungen entsprechend kritisch. 

Mehr lesen: China baut Eisbrecher für Tiefsee-Polarexpedition

Alle 3 Nationen versuchen, im Norden Präsenz zu zeigen, um Gebiete für sich zu beanspruchen. Während die USA vor allem die Gefahr sieht, dass unter den Eiskappen Atom-U-Boote versteckt werden können, näherte sich der russische Präsident Putin im März wieder China an. Er halte eine potenzielle arktische Handelsroute für vielversprechend.

Je dünner das arktische Eis durch die Klimakatastrophe wird, desto mehr Möglichkeiten für neue Handelspassagen ergeben sich auf der Nordostpassage. Damit könnte etwa der Transportweg zwischen Ostasien, Europa und sogar Nordamerika deutlich verkürzt werden. 

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