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Digital Life

Facebook soll Impfgegner hofieren

Das Online-Netzwerk Facebook gerät in den USA zunehmend unter Druck. Die Generalstaatsanwält*innen von 14 US-Bundesstaaten wollen von Facebook-Chef Mark Zuckerberg wissen, ob Impfgegner*innen auf der Plattform eine Sonderbehandlung erfahren haben.

In einem Brief an Zuckerberg zeigten sich die US-Strafverfolger vor allem über Berichte besorgt, laut denen die Nutzungsbedingungen von Facebook für prominente Nutzer nicht oder nur eingeschränkt gelten sollen. Das „Wall Street Journal“ hatte Mitte September von einer intern „Xcheck“ oder „cross check“ genannten Liste berichtet, auf der sich Prominente befinden sollen, bei deren Postings die Facebook Moderator*innen nicht eingreifen dürfen. Das hat zur Folge, dass auch Falschinformationen auf der Plattform verbleiben.

Prominente Impfgegner*innen

Die Generalstaatsanwälte*innen interessieren sich dabei besonders für Robert Francis Kennedy junior, den Neffen des 1963 erschossenen früheren US-Präsidenten John F. Kennedy, der in den USA als vehementer Impfgegner in Erscheinung tritt.

Auch die Namen des bekannten Alternativmediziners und Corona-Leugners Joseph Mercola und des Ehepaars Ty und Charlene Bollinger, die mit Anti-Impf-Büchern ein Vermögen verdient haben, werden in dem Schreiben genannt. 

Die vier prominenten Impfgegner*innen zählen laut einer vor kurzem veröffentlichten Studie zu den 12 Hauptverbreitern von Falschinformationen zur Corona-Impfung. Rund zwei Drittel der in Online-Netzwerken kursierenden Postings von Impfgegner*innen konnten auf das „Desinformations-Dutzend“ zurückgeführt werden.

Desinformations-Superspreader

Laut einer  vom britisch-amerikanischen Center for Countering Digital Hate (CCDH) im Frühjahr durchgeführten Studie lassen sich 65 Prozent aller über  Facebook, Twitter oder Instagram geteilten Beiträge, die Falschinformationen zur COVID19-Impfung enthalten, auf zwölf Personen oder Organisationen zurückführen.

Obwohl  sie damit wiederholt gegen die Richtlinien der Netzwerke verstießen, gab es kaum Konsequenzen. Lediglich drei der 12 Desinformations-Superspreader wurden auf einer der drei  Plattformen gesperrt. Neun veröffentlichen auf allen drei Netzwerken auch weiterhin. Als Falschinformationen werden ihre Beiträge aber nur selten gekennzeichnet.

 

Die US-Generalstaatsanwält*innen machen Facebook indirekt dafür verantwortlich, dass sich viele US-Amerikaner*innen nicht impfen lassen wollen. Obwohl Studien zeigen würden, dass Ungeimpfte mit einer zehnmal höheren Wahrscheinlichkeit als Geimpfte wegen COVID19-Infektionen im Spital landen und eine elfmal höhere Wahrscheinlichkeit hätten, daran zu sterben, würde sich immer noch zahlreiche US-Amerikaner*innen der Impfung verweigern, heißt es in dem Schreiben: „Es gibt überwältigende Beweise dafür, dass die Meinungen dieser Personen von falschen oder irreführenden Informationen beeinflusst wurden, die sie über Plattformen wie Facebook erhalten haben.“

Änderungen im Algorithmus

Falschinformationen über das Virus, Behandlungsmethoden und Impfstoffe haben sich während der Pandemie rasant über Netzwerke wie Facebook, YouTube und Twitter verbreitet. Bei Facebook dürfte das auch von Änderungen im Algorithmus begünstigt worden sein, der entscheidet welche Postings angezeigt werden. Sie führten dazu, dass auf der Plattform vor allem Inhalte angezeigt werden, die Emotionen hervorrufen und polarisieren.

Nutzer*innen sollten, wie die Whistleblowerin und frühere Facebook-Managerin Frances Haugen vor kurzem bei einer Anhörung im US-Kongress sagte, länger auf der Plattform gehalten werden, um die Werbeeinnahmen zu steigern. Zuckerberg soll laut Haugen davon gewusst haben. Vom Facebook-Chef fordern die US-Staatsanwält*innen nun auch Antworten auf diese Vorwürfe.

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Patrick Dax

pdax

Kommt aus dem Team der “alten” ORF-Futurezone. Beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Innovationen, Start-ups, Urheberrecht, Netzpolitik und Medien. Kinder und Tiere behandelt er gut.

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