Angst vor dem Virus in Italien

© APA - Austria Presse Agentur

Digital Life
03/25/2020

Staaten können Ausgangsbeschränkung über Instagram kontrollieren

Über 500.000 Instagram-Profile werden überprüft und die erhobenen Daten an die italienische Polizei weitergegeben.

Die italienische Forschergruppe Ghost Data überprüft eine halbe Million Instagram-Profile von Nutzern in unserem Nachbarland. Ziel ist es zu erfahren, ob sich die Menschen tatsächlich in die vorgeschriebene Quarantäne begeben. 

Die von den Nutzern veröffentlichten Bilder und Videos wurden zur Analyse an das Bilderkennungsunternehmen LogoGrab geschickt, das Menschen sowie Plätze automatisch erkennt. Mindestens 33.120 Personen sollen bisweilen gegen die italienische Sicherheitsmaßnahme verstoßen haben, berichtet CNET. 

Daten anonymisiert

Laut dem Ghost Data-Gründer Andrea Stroppa will das Unternehmen die italienische Regierung dabei unterstützen, das Coronavirus einzudämmen. Ihm zufolge wurden die erhobenen Daten zum Profil und dem genauen Standort anonymisiert. Dem Gründer zufolge werden der Polizei demnach nicht die Namen der Personen oder die Straßen, in denen sie sich aufhalten, weitergegeben, sondern vielmehr die beobachtbaren generellen Trends. 

Die künstliche Intelligenz von LogoGrab konnte erkennen, was die Menschen auf den Bildern machen – etwa sonnenbaden oder shoppen – sowie die Anzahl der Personen in den jeweiligen Gruppierungen. Gesichter wurden allerdings unkenntlich gemacht. 

Hunderte Tote jeden Tag“

Zwischen 11. März und 18. März hat Ghost Data insgesamt 552.000 Profile und 504.592 Storys auf Instagram in Italien durchforstet. Stroppa: "Aus unserer Sicht ist Privatsphäre wichtig. Es ist ein grundlegendes Menschenrecht". Dennoch sei es wichtig, die Regierung zu unterstützen. "Hunderte Menschen sterben jeden Tag", sagt er weiter. 

Laut der Coronavirus-Weltkarte der John Hopkins University zählt Italien mehr als 6.800 Todesfälle, verursacht durch den neuen Erreger. Über 8.000 Personen haben sich davon wieder erholt und über 63.000 Fälle wurden insgesamt bestätigt. 

Bewegungsdaten an Regierung

Ein Einverständnis seitens der Nutzer sei laut den Forschern nicht nötig gewesen, zumal es sich bei den Instagram-Postings um öffentliche Informationen handelt. 

Zahlreiche Tech-Unternehmen sowie Mobilfunkanbieter haben ebenfalls ihre Unterstützung angeboten. In Österreich liefert unter anderem A1 Bewegungsdaten der Bevölkerung an die Regierung. Laut dem Unternehmen werden Bewegungsanalysen untersucht, die aus vollständig anonymisierten Daten mittels Algorithmen errechnet werden.