Tanmay Bakshi sprach bei der WeAreDevelopers-Konferenz 2019 in der Wiener Hofburg

© Tamás Künsztler

Digital Life
11/30/2019

Tanmay Bakshi, das Wunderkind von IBM

Der 15-Jährige lernte mit fünf Jahren programmieren und arbeitet heute an künstlicher Intelligenz.

von Franziska Bechtold

Hört man Tanmay Bakshi über Programmieren sprechen, kann man kaum glauben, dass der Kanadier erst 15 Jahre alt ist. Seit sechs Jahren hält er regelmäßig Vorträge. So auch in der Wiener Hofburg im Rahmen der WeAreDevelopers-Konferenz. Seine Erfahrung merkt man ihm an. Er weiß, wie er sprechen muss, um zu beeindrucken. Mit schnellen Worten erklärt er, dass er gerade an einer Software zur Qualitätssicherung arbeitet, die ihnen viel Arbeit abnimmt und gibt einen Ausblick darauf was mit Quantencomputern möglich sein wird. 

Bakshi lernte bereits mit fünf Jahren von seinem Vater programmieren, zunächst mit der für Kinder entwickelten Programmiersprache „Scratch“. Für Tanmey wurde diese einfache Art zu programmieren nach kurzer Zeit zu langweilig. Er lernte fortgeschrittene Programmiersprachen wie Python und veröffentlichte mit neun Jahren seine erste iPhone-App: Ein Programm, das Schülern hilft, ihre Stundenpläne zu lernen. Denn anderen etwas beizubringen hat sich Tanmay zur Aufgaben gemacht. Heute ist er unter anderem dreifacher Buchautor und bietet Workshops in Schulen an.

Kinder sollen mit Technologie umgehen können

Dabei sieht er deutliche Defizite: „Ich habe Workshops in einer kanadischen Schule gegeben und einige Schüler dort wussten nicht, wie man eine Datei auf einem Computer findet und kopiert. Bevor diese Kinder lernen, wie man programmiert, sollten sie lernen, wie man Technologie nutzt und einfache Probleme löst - auch ohne zu programmieren“, erzählt er im Gespräch mit dem futurezone. Dazu gehöre beispielsweise, wie man Dateien in ein anderes Format umwandelt. 

„Es ist unethisch, Technologie nicht stärker in die Bildung einzubinden. Kinder werden Technologie in Zukunft zweifelsohne nutzen müssen.“, sagt Tanmay. Er warnt davor, dass die Menschheit ausgebremst wird, wenn das nicht passiert. Menschen, die künftig Technologie schaffen sollen, müssen auch früh damit umgehen können. „Es ist irgendwie ironisch, dass Bildung der Bereich ist, der am schnellsten überarbeitet werden müsste und gleichzeitig am meisten hinterherhinkt“, sagt Tanmay.

Lernen mit YouTube

Auch Menschen, die eigentlich gar nicht Programmieren wollen, sollten zumindest Grundkenntnisse davon haben, was mit Technologie alles möglich ist, sagt er. „Ich habe einen Mann getroffen, der den ganzen Tag Nummern von einem Dokument in ein anderes kopiert. Das kann man mit zehn Zeilen Code automatisieren, aber weil sie nicht wussten, dass das geht, haben sie es nicht gemacht. Das ist Verschwendung von Personal und Menschenleben.“ Auf seinem YouTube-Kanal spricht Tanmay mit Wissenschaftlern über künstliche Intelligenz, oder steht vor einer Tafel und erklärt, wie man maschinelles Lernen anwenden kann. 

Auf der Bühne in Wien zeigt er dem Publikum, woran er gerade arbeitet. Mit künstlicher Intelligenz, eines seiner Lieblingsthemen, hat er ein Programm erstellt, das Personen ganz einfach anhand ihres Herzschlages eindeutig identifiziert. Nebenbei arbeitet er an einem Programm, das Menschen mit Lernschwäche und Legasthenie dabei hilft, besser lesen zu können. 

Das Alter ist keine Barriere

Bei IBM ist er offiziell als Schüler-Praktikant angestellt, tatsächlich ist er vollwertiges Mitglied des Entwicklerteams. Sein Alter ist kein Thema: „Ich bin froh, dass viele Menschen mein Alter nicht als Barriere sehen, daran versuche ich auch stark zu arbeiten. Wenn ich mit anderen Entwicklern zusammenarbeite, sehen sie meine Arbeit und nicht mein Alter.“ dass man ihn „Wunderkind“ nennt, stört ihn nicht, immerhin ist es ja ein Kompliment. Für ihn sei es ebenso ungewöhnlich, dass sich andere Kinder nicht mit komplexen Softwareproblemen und Quantencomputern beschäftigen.

Die futurezone ist Medienpartner der WeAreDevelopers-Konferenz.