Digital Life
27.03.2018

Tödlicher Uber-Unfall: Intel-Software hätte Frau erkannt

© Bild: REUTERS / HANDOUT

Nach dem tödlichen Unfall mit einem autonomen Uber-Auto ließ Intel das Onboard-Video durch seine Mobileye-Software analysieren.

Hätte der Unfall des autonomen Uber-Testfahrzeugs in Tempe, Arizona, bei dem eine 49-jährige Frau getötet worden war, verhindert werden können? Dieser Frage widmen sich momentan diverse US-Behörden. Währenddessen wurden sämtliche Testfahrten mit Ubers Roboterautos in Arizona verboten, berichtet The Verge. Nun schaltet sich auch Uber-Konkurrent Intel in die Debatte ein.

Objekterkennung wird unterschätzt

"Es fühlt sich wie der richtige Moment an, um ein paar Beobachtungen rund um die Bedeutung von Sicherheit bei der Erkennung und Entscheidungsfindung [von autonomen Fahrzeugen] anzustellen", schreibt Amnon Shashua in einer Presseaussendung. Shashua ist CEO des auf autonomes Fahren spezialisierten israelischen Unternehmens Mobileye, das vor einem Jahr von Intel übernommen wurde. Die Aufnahmen, die von der Polizei von dem Uber-Unfall freigegeben wurden zeigen laut Amnon, welch schwierige und oft unterschätzte Aufgabe die Erkennung und Klassifizierung von Objekten durch Roboterautos darstelle.

Eine Sekunde

"Diese Fähigkeit bildet die Basis heutiger fortschrittlicher Fahrerassistenzsysteme (ADAS), die etwa für automatische Notbremsungen oder Spurhalteassistenten verwendet werden", meint Amnon. Um zu demonstrieren, wie zuverlässig der eigene Stand der Technik in dieser Hinsicht sei, habe Intel bzw. Mobileye seine eigene Roboterauto-Software über das von der Polizei veröffentlichte Video aus der Fahrerperspektive des Uber-Autos laufen lassen. Wie sich gezeigt habe, wurde die Fußgängerin mit Fahrrad selbst bei schlechter Videoqualität - das von der Polizei veröffentlichte Video zeigt, wie ein Bildschirm gefilmt wird, auf dem das Video des Uber-Fahrzeugs abgespielt wird - spätestens eine Sekunde vor dem Zusammenstoß eindeutig als Hindernis erkannt. Ob der tödliche Ausgang des Zusammenstoßes so zu verhindern gewesen wäre, dazu äußert sich der Intel-Experte nicht.

"Die aktuellen Entwicklungen bei künstlicher Intelligenz haben viele glauben lassen, dass es jetzt leicht wäre, ein hochpräzises Objekterkennungssystem zu entwickeln und die jetzt über zehnjährige Erfahrung von Computer-Vision-Experten zu ignorieren", meint Shashua. "Diese Dynamik hat dazu geführt, dass es viele neue Neuzugänge auf dem Gebiet [des autonomen Fahrens] gibt."

Intel-Software analysiert die Videoaufnahmen des Uber-Roboterautos, das in Arizona eine Radfahrerin getötet hat © Bild: Intel

Redundanz und Transparenz

Die Redundanz von Sensorsystemen in autonomen Autos werde heute oft so interpretiert, dass Daten von Kameras, Radar und Lidar zusammengelegt und dann erst analysiert werden. Das sei schlecht für die Sicherheit, ist Shashua überzeugt. Bei Mobileye sei der Ansatz, die Daten von Kameras sowie jene von Radar und Lidar zu trennen. Außerdem sei laut Shashua Transparenz bei der Entscheidungsfindung autonomer Fahrzeuge wichtig. Mobileye habe deshalb ein Modell entwickelt, das mit Beurteilungen durch Menschenverstand bestmöglich übereinstimmt.

Plädoyer für Rahmenwerk

Vorfälle wie der Unfall des Uber-Autos seien gefährlich, weil sie das Vertrauen von Konsumenten erschüttern könnten, meint Shashua. Intel plädiere daher für ein verbindliches Industrie-Rahmenwerk, dass Sicherheit garantiert. Das Unternehmen lade daher alle Roboterauto-Entwickler dazu ein, zusammenzukommen und eine gemeinsame Vorgehensweise zu beschließen.

Wie Mashable berichtet, wird die Technologie von Intel bzw. Mobileye von Googles Tochter Waymo verwendet. Außerdem arbeitet das Unternehmen gemeinsam mit BMW, Nissan und Volkswagen an autonomen Fahrzeugtechnologien.