Digital Life 19.03.2018

Frau wird von selbstfahrendem Uber-Auto getötet

Selbstfahrendes Auto von Uber © Bild: Uber

Es ist der erste Unfall mit einem selbstfahrenden Auto, der für einen Fußgänger tödlich endete.

Bei einem Unfall mit einem selbstfahrenden Auto des Fahrdienst-Vermittlers Uber ist eine Frau ums Leben gekommen. Es ist der erste bekanntgewordene tödliche Unfall mit einem Roboterwagen. Das Fahrzeug, das autonom mit einem Sicherheitsfahrer am Steuer unterwegs gewesen sei, habe die Fußgängerin erfasst, als sie auf die Fahrbahn gekommen sei, berichteten der Sender ABC und die „New York Times“ am Montag unter Berufung auf die Polizei der Stadt Tempe.

Uber kooperiere mit den Ermittlungen, teilte das Unternehmen mit. Firmenchef Dara Khosrowshahi sprach bei Twitter von „unglaublich traurigen Nachrichten“. Uber habe alle Testfahrten mit Roboterwagen eingestellt, meldete der Finanzdienst Bloomberg.

Dass 90 Prozent der Unfälle auf Fehler von Menschen zurückgingen und die Technik autonomer Fahrzeuge sie verhindern werde, ist ein zentrales Argument der Entwickler von Roboterwagen. Zugleich bereitete sich die Branche darauf vor, dass es irgendwann auch einen Unfall mit Todesfolge mit selbstfahrenden Autos geben werde.

Uber ist eines von mehreren Dutzend Unternehmen, die eigene Systeme für autonom fahrende Autos entwickeln und auf öffentlichen Straßen in den USA testen. Zugleich war das Roboterwagen-Programm des Fahrzeug-Vermittlers von Anfang an von Problemen belastet. Gleich am ersten Test-Tag in San Francisco wurde ein Uber-Wagen dabei gefilmt, wie er über eine rote Ampel fuhr. Vor gut einem Jahr klagte die Google-Schwesterfirma Waymo mit dem Vorwurf, bei Uber werde von ihr gestohlene Roboterauto-Technologie verwendet. Die Klage wurde vor kurzem beigelegt, belastete aber das Uber-Programm.

Todesfall Tesla

Im Jahr 2016 war bereits ein Mensch am Steuer eines vom Computer gesteuerten Tesla Model S gestorben.Teslas Autopilot gilt allerdings nur als Fahrassistent und nicht als autonomes Steuerungssystem. Der Fahrer hatte die Kontrolle dem Fahrassistenzsystem überlassen, obwohl bekannt war, dass es nicht in der Lage war, komplett die Steuerung des Wagens zu übernehmen. Er raste unter einen Lastwagen-Anhänger, der die Straße querte. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB gab Tesla dennoch eine Teilschuld. Die Computersysteme hätten nicht zulassen dürfen, dass der Fahrer die Kontrolle in dieser Verkehrssituation abgibt.

Fahrzeuge wie die umgebauten Uber-Autos sind dagegen dafür gedacht, ohne Beteiligung des Menschen zu fahren. Derzeit muss aber noch oft eingegriffen werden. Laut einem Bericht von Uber von März 2017 mussten die menschlichen Sicherheitsfahrer alle 1,3 Kilometer, die autonom zurückgelegt wurden, eingreifen.

Selbstfahrende Autos, speziell die von Uber, wurden schon häufiger kritisiert. Ende 2016 meldete eine Fahrradorganisation in San Francisco, dass die Uber-Autos beim Rechtsabbiegen an Kreuzungen Fahrradfahrer gefährden. Statt sich vor dem Rechtsabbiegen in die Fahrradspur einzuordnen, biegen die Uber-Fahrzeuge direkt rechts ab. Dabei besteht die Gefahr, dass vorbeifahrende Fahrradfahrer angefahren werden. Laut dem Bericht wurde Uber bereits vor Beginn der Testfahrten über die gefährliche Fahrweise informiert. Das US-Unternehmen schickte seine Fahrzeuge dennoch zwei Tage später offiziell auf die Fahrt - ohne das Problem zu beheben.

Wie es mit Ubers autonomen Fahrzeug-Programm weitergeht, ist derzeit unklar. Ende 2017 wurde bekannt, dass Uber eine große Anzahl an selbstfahrenden Volvos für seine Flotte bestellt hat - kolportiert sind 24.000 Stück. Dass Uber wegen des tödlichen Unfalls sein autonomes Taxi-Programm einstellt, ist unwahrscheinlich. Vermutlich wird es vorerst nur pausiert, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind, bzw. Uber sich außergerichtlich durch die Zahlung einer hohen Summe mit den Hinterbliebenen des Opfers geeinigt hat.

Der tödliche Unfall wird die Diskussion um selbstfahrende Autos erneut anheizen. Einige Experten werden sich bestätigt fühlen in ihrer Aussage, dass die Technologie noch nicht reif für autonome Fahrzeuge ist. Verfechter der Roboter-Autos halten dagegen, dass in den USA im Durchschnitt täglich 103 Personen im Straßenverkehr sterben und dies der erste tödliche Unfall ist, seitdem autonome Fahrzeuge im Straßenverkehr unterwegs sind. Allerdings gibt es viel mehr reguläre als selbstfahrende Autos, was dieses Argument teilweise entkräftet.

Die meisten Autohersteller rechnen damit, dass sie bis 2020 teilautonome Fahrzeuge verkaufen werden. Diese sollen etwa ohne Eingreifen des Fahrers sicher auf Autobahnen unterwegs sein. Ein komplett selbstständiges Fahren, auch in Städten, wird mit Serienfahrzeugen vermutlich erst ab 2025 möglich sein. Die Tests auf öffentlichen Straßen sind laut den Autoherstellern nötig, um diese Ziele zu erreichen und die autonomen Fahrzeuge sicherer zu machen.

( Agenturen , futurezone ) Erstellt am 19.03.2018