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Digital Life
09/09/2020

Diabetikerin als "Gates-Hure" beschimpft

Eine Frau, die einen Chip zur Blutzuckermessung sichtbar am Körper trägt, wurde von Verschwörungstheoretikern attackiert.

Dass Verschwörungstheorien nicht immer harmlose Internet-Phänomene bleiben, zeigt ein aktueller Vorfall. Eine Diabetes-Patientin hat darüber auf Facebook berichtet.

Die Frau benutzt einen kontinuierlich messenden Glucosesensor in Form eines weißen, runden Geräts, das sie sichtbar am Körper trägt. Per NFC kann man damit mit einem Handy oder einem Messgerät die Blutzuckerwerte auslesen und die Insulinzufuhr entsprechend berechnen.

Die Frau stand laut eigenen Angaben gerade an der Supermarktkasse und kontrollierte mit dem Smartphone den Wert, als sie mit dem Einkaufswagen angerempelt wurde und 3 junge Männer bemerkte. Jene deuteten auf sie und begannen, sie aufgrund des Gerätes zu beschimpfen. „Was bei mir hängenbleibt: Ganz wüstes Verschwörungsgeschwurbel. Mein Chip sei des Teufels. Und der Satz: ‚Du bist eine Gates-Hure‘“, schreibt sie.

Auch das Aufklärungsportal Mimikama berichtet über den Fall und erklärt, dass bei Anhängern von Verschwörungstheorien oft eine Entmenschlichung der Opfer stattfindet. Dadurch sinke die Hemmschwelle, Menschen anzugreifen oder zu beschimpfen.

Bereits im April berichtete Mimikama über ein Eskalationsstufenmodell bei der Entstehung von Coronavirus-Falschmeldungen. In der vierten Stufe würden jene in die Realität getragen und somit eine reale Gefahr darstellen.

Mikrochip-Verschwörung

Der Ex-Microsoft-Chef Bill Gates wurde gerade im Zuge der Corona-Pandemie beliebtes Ziel von Verschwörungstheoretikern. Die erfundenen Geschichten haben dabei oft verschiede Facetten.

Manche werfen Gates, der auch zahlreiche Impfstoffprojekte finanziell unterstützt, vor, dass er mit einer Impfung lediglich Geld verdienen wolle. Andere unterstellen ihm, dass er der Weltbevölkerung so Mikrochips zur Gedankenkontrolle einpflanzen will. Auch kursieren Theorien, dass es mit der Impfung die Menschheit auslöschen wolle.

Das Austrian Corona Panel Project der Uni Wien führt repräsentative Befragungen zu solchen Mythen durch. Dabei stellte sich heraus, dass 39 Prozent der Österreicher eine Bill-Gates-Verschwörung für möglich halten.

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