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Digital Life

Wer mit NFTs richtig Geld verdienen kann

„Eigentlich ist der Begriff NFT schrecklich“, sagt Christoph Weiss, als DJ und Musiker unter dem Namen „Burstup“ bekannt. Weiss beschäftigt sich schon seit Jahren mit Kryptowährungen, der Blockchain und seit dem Auftauchen von „Non Fungible Tokens“ (NFTs) auch mit diesen. NFTs kann man sich am ehesten als Zertifikat vorstellen, das in einer Blockchain existiert.

Los ging es vor rund 4 Jahren mit dem ersten Ethereum-basierten Spiel „Cryptokitties“. Dort züchtete man digitale Kätzchen. Jede virtuelle Katze ist einzigartig und kann von ihrem Besitzer verkauft werden. Manch ein Kätzchen wurde damals bereits für einen sechsstelligen Betrag verkauft.

"Ein Hype ist nichts Schlechtes"

Mittlerweile werden mit NFTs ganz andere Summen erwirtschaftet, etwa am Kunstmarkt. Das digitale Kunstwerk des Künstlers Mike Winkelmann (Beeple) sorgte zuletzt für einen neuen Rekord im NFT-Bereich. Das Bild, eine Collage aus 5.000 Einzelbildern, brachte dem Künstler in einer Auktion bei Christie’s 69,3 Millionen US-Dollar ein. Ein anderes Bild von ihm wurde knapp davor von einem Kunstsammler um 6,6 Millionen US-Dollar weiterverkauft.

Derartige Kunstprojekte sind für Weiss allerdings ein Hype. „Wobei ein Hype nichts Schlechtes ist. Es zeigt uns, dass diese neue Technologie langsam beginnt, an Fahrt zu gewinnen und sie Mainstream werden könnte. Da gehören Hypes dazu“, sagt der Musiker. Für ihn ist es allerdings „relativ sinnlos“ sich für Millionenbeträge ein Zertifikat zu kaufen, das belegt, dass einem ein bestimmtes GIF gehört, das bereits digital unzählige Male vervielfacht wurde. „Das ist als Anwendungsszenario nicht wirklich interessant“, sagt Weiss.

Lebenslanges Recht auf Konzert-Sitzplatz

Spannender sind für Weiss NFT-Projekte rund um Musik oder virtuelle Spielewelten, sowie Zertifizierungen von Eigentum aus der „physischen Welt“, wie etwa Immobilien. „Musiker können etwa Goldtickets für Konzerte über NFTs verkaufen, zusammen mit dem neuen Album“, so Weiss. „Da könnte man etwa das lebenslange Recht auf einen guten Sitzplatz bei allen Konzerten vergeben. Wenn ein Goldticket auf der Blockchain liegt, kann man dieses auch überall auf einem Digitalgerät herzeigen“, sagt Weiss.

Doch viele dieser Projekte sind entweder noch in einem frühen Stadium oder noch nicht erfunden worden. Weiss träumt etwa von einer dezentralisierten Musik-Streaming-Plattform wie es Spotify ist, wo Künstler über die Blockchain genau mitverfolgen können, wie lange jemand ihre Songs streamed und dafür einen adäquaten Anteil an Erlösen erhalten. „So etwas gibt es bislang aber noch nicht“, sagt Weiss.

Virtuelle Welten und digitale Items

Bei den virtuellen Spielewelten sieht die Lage schon anders aus. Hier gibt es bereits einige Nischenprojekte, wie Weiss erzählt: Mit Decentraland gibt es etwa eine virtuelle Welt, die wie Second Life ist, und wo man sich Land kauft. „Die Serverstruktur ist sehr dezentralisiert und alles, was man dort kaufen kann, sind NFTs. Das gilt für Land, Avatare, Accessoires“, erklärt Weiss. „Das bedeutet, dass man all diese Dinge mitnehmen kann, sollte die Plattform eines Tages scheitern.“

Derzeit würden Menschen bereits viel Geld in Skins und Kleidung für Avatare in regulären Videospielen stecken, so Weiss. „Dabei existieren diese Assets nur auf den Servern von großen Spielekonzernen wie Electronic Arts, Microsoft oder Steam. Die Spiele sind geschlossene Welten, voneinander isoliert und die Spielekonzerne haben die vollständige Kontrolle. Für Benutzer gibt es keine Sicherheit, dass sie die Assets, die sie erwerben, behalten können“, sagt Weiss. Das würde sich bei dezentralisierten Spielewelten ändern.

Marktplätze im Aufwind

Neben Decentraland gibt es auch Cryptovoxels, und hier entstand unter österreichischer Beteiligung bereits das Projekt CryptoWiener des Vereins zur Verknüpfung und Förderung von Blockchain, Kunst und Kultur (VRON). Derartige Projekte waren bislang nur Nischen, doch gerade im Bereich Handelsplattformen kam es in der letzten Zeit zu einem regelrechten NFT-Boom.

Der größte Marktplatz OpenSea.Io verzeichnete enorme Zugewinne. „Dort sind bereits Millionen NFTs zu teilweise irren Preisen getraded worden“, sagt Weiss. „Man kann dort auch besagte Assets kaufen, die für virtuelle NFT-Welten sind.“

Infrastruktur-Dienstleister

Mit wax.io gibt es auch eine eigene Blockchain, die nur für NFTs gebaut wurde. Die US-Firma ist ein Blockchain-Infrastruktur-Dienstleister, der den Handel von NFTs vereinfachen möchte. Der als Captain Kirk in „Star Trek“ bekannt gewordene Willliam Shatner nutzte wax.io etwa, um dort Sammelkarten von seinen privaten Momenten zu handeln. Rund 125.000 digitale Fotos hat er in 10.000 Päckchen aufgeteilt und gehandelt. Nach nur 9 Minuten waren alle ausverkauft und Shatner verdient auch jetzt noch bei jedem Tausch dieser Sammelkarten einen kleinen Anteil am Erlös mit. „Das ist etwa ein Modell, dass Musiker auch für ihre Songs anwenden könnten“, sagt Weiss.

Der Musiker und Krypto-Experte rechnet allerdings nicht damit, dass sich NFTs bereits in den nächsten Jahren im Mainstream wirklich durchsetzen werden. „Das wird noch 10 bis 20 Jahre dauern, bis diese Technologie wirklich Mainstream wird“, sagt Weiss. „Blockchain ist jetzt da, wo das Internet Mitte der 90er-Jahre stand. Es ist eine superneue, revolutionäre Technologie, die neues Denken voraussetzt und das passiert nicht so schnell.“

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Barbara Wimmer

shroombab

Preisgekrönte Journalistin, Autorin und Speakerin. Seit November 2010 bei der Kurier-Futurezone. Schreibt und spricht über Netzpolitik, Datenschutz, Algorithmen, Künstliche Intelligenz, Social Media, Digitales und alles, was (vermeintlich) smart ist.

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