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Warum ist es in den Wiener Öffis trotz Klimaanlage heiß?

Mit Temperaturen bis zu 36 Grad Celsius stehen in Wien im Hochsommer einige Hitzetage an. In den Wiener Öffis wird es daher ebenfalls ganz schön heiß: Wenn es draußen etwa 36 Grad hat, hat es selbst in einer klimatisierten U-Bahn oder Straßenbahn über 30 Grad und ist damit gefühlt heiß. Die Klimaanlage in den Wiener Öffis kann nämlich nur maximal 5 Grad runterkühlen. Das bestätigte ein Sprecher der Wiener Linien gegenüber der futurezone.

Kombigerät statt Klimaanlage

Das hat mehrere Gründe: Einerseits liegt es daran, dass in Wien keine klassische Klimaanlage in den Öffis eingesetzt wird, sondern immer ein Kombi-Gerät: Dieses kann heizen, lüften und kühlen gleichermaßen. „Bei über 25 Grad beginnt das Fahrzeug runterzukühlen. Das wird anhand von Sensoren gemessen, die sich außerhalb und innerhalb des Fahrzeugs befinden“, erklärt der Wiener-Linien-Sprecher David Amann.

Die Fahrer*innen der Straßenbahnen oder U-Bahnen haben damit auch keinen Einfluss auf die Temperatur. „Die Anlage funktioniert vollautomatisch“, so Amann. Man könne diesen allerdings melden, wenn man das Gefühl habe, dass eine Klimaanlage defekt sei, heißt es. Der Unterschied zwischen Klimaanlage und Kombi-Gerät: Bei einer echten Klimaanlage lässt sich die Wunschtemperatur einstellen, bei einem Kombi-Gerät nur, dass die Temperatur ab einem bestimmten Wert generell gesenkt wird.

Generell gibt es jedoch auch Kombi-Geräte mit einer besseren Leistung, doch diese können bei den Fahrzeugen der Wiener Linien nicht nachgerüstet werden, weil diese zu schwer und zu groß wären, um sie am Dach der Fahrzeuge zu montieren. „Da bei Niederflurfahrzeugen die Komponenten auf dem Dach verbaut sind, gibt es eine natürliche Grenze, wie groß und schwer eine solche Anlage sein kann - und damit wie stark sie kühlen und heizen kann“, heißt es seitens der Wiener Linien in einem Blogeintrag.

Menschliche Wärme und sich öffnende Türen

Ein weiterer Grund, warum nicht mehr als 5 Grad an Kühlung erreicht werden können, liegt an in der Natur der Öffis: Sie bleiben alle paar Minuten stehen und öffnen die Türen. Dadurch geht einiges an Kühlleistung verloren. Außerdem: Menschen geben ebenfalls thermische Wärme ab und zwar im Schnitt 120 Watt Energie. Je mehr Menschen in einer U-Bahn, Straßenbahn oder im Bus sind, desto wärmer wird es. „Es hängt daher auch von der Kapazität der Fahrzeuge ab, wie warm es da drin ist. Busse haben etwa ganz andere Voraussetzungen“, so Amann. Deshalb ist es in Bussen gefühlt öfters kühler als in Straßenbahnen.

Die Wiener Linien selbst sind mit der Kühlleistung von bis zu 5 Grad zufrieden. „Eine stärkere Kühlung ist für den menschlichen Körper gar nicht gesund“, sagt Amann. Zudem würde man auch auf die Umweltfreundlichkeit achten und wolle nicht mehr Energie und Kühlmittel verbrauchen als unbedingt nötig, heißt es.

Von 2020 auf 2021 hat sich nichts getan

Insgesamt waren vergangenes Jahr 3 von 4 Öffi-Fahrzeuge klimatisiert. Vom vergangenen Jahr bis zu diesem hat sich bei der Zahl der klimatisierten Fahrzeuge aber nichts verändert: 75 Prozent der Fahrten finden mit Klimaanlage statt, 25 Prozent ohne. „Derzeit läuft die Anlieferung der neuen Flexity-Straßenbahnen, nächstes Jahr kommen bis zu 5 neue U-Bahn-Züge mit X-Wagen“, erklärt ein Sprecher der Wiener Linien. „Alle Neuanschaffungen sind bereits mit einer Klimaanlage ausgestattet, aber die Fahrzeugerneuerung ist kein superschneller Prozess.“ Mit Klimaanlage ist immer ein Kombi-Gerät gemeint.

Neben den Bussen, die alle mit einer Klimaanlage ausgestattet sind, haben die Wiener Linien vergangenes Jahr auch alle U6-Züge vollklimatisiert. Auf diversen anderen U-Bahn-Linien und im Straßenbahnnetz sind hingegen noch zahlreiche, unklimatisierte Fahrzeuge unterwegs und in denen hat es dann bei Außentemperaturen über 36 Grad entsprechend mehr im Fahrzeuginneren.

Daher noch ein Tipp: So erkennt ihr, welche Öffis klimatisiert sind.

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Barbara Wimmer

shroombab

Preisgekrönte Journalistin, Autorin und Speakerin. Seit November 2010 bei der Kurier-Futurezone. Schreibt und spricht über Netzpolitik, Datenschutz, Algorithmen, Künstliche Intelligenz, Social Media, Digitales und alles, was (vermeintlich) smart ist.

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