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Netzpolitik
10/07/2019

EU-Parlament lässt Abgeordnete kein Signal installieren

Stattdessen sollen die Volksvertreter laut einer E-Mail des Service Desks auf WhatsApp setzen.

von Barbara Wimmer

WhatsApp gehört Facebook und wird gerade in „WhatsApp by Facebook“ umbenannt. Wie es Facebook mit dem Datenschutz hält, ist nicht zuletzt dank des Cambridge-Analytica-Skandals bekannt und auch breit diskutiert worden.

Dennoch empfiehlt der Service Desk des EU-Parlaments den EU-Abgeordneten den Einsatz von WhatsApp anstatt des Messengers Signal für die Bürocomputer. Signal ist ein für iOS, Android und den Desktop verfügbarer Messenger und die erste Anlaufstelle für alle, die sich um IT-Sicherheit und Datenschutz bemühen.

EU-Abgeordnete können aber, ähnlich wie es in vielen privaten Unternehmen Praxis ist, Software nicht selbst am Arbeits-PC installieren, sondern müssen dies über die IT-Abteilung veranlassen. Das versuchten nun Abgeordnete der Linksfraktion – und scheiterten damit. Der Service Desk verwies sie stattdessen auf WhatsApp, das auf eine ähnliche Verschlüsselung setze.

Keine "Standarsoftware"

Zwar stimmt es, dass beide Messenger auf eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung setzen, doch bei WhatsApp fließen die Metadaten an Facebook. Bei Signal werden diese Daten hingegen nicht gespeichert. Signal überträgt bei Nutzung der App zudem nur einen Hash. Die Server der Anwendung bekommen also nie die Nummern im Klartext zu sehen.

Die EU-Abgeordneten Martin Schirdewan und Manon Aubry hätten Signal gerne für ihre eigenen Computer und Geräte, sowie für die ihrer Mitarbeiter gehabt. Die Parlamentsdirektion lehnte die Bitte der EU-Abgeordneten, Signal zu installieren, ab. In einer Mail, die der futurezone vorliegt, heißt es dazu als Begründung: „Signal ist keine Standardsoftware im Europäischen Parlament und kann nicht installiert werden, ohne dass es vom Sicherheitsdienst und dem Standardkonfigurationsteam getestet und zugelassen wird.“