Netzpolitik 21.03.2018

Max Schrems: "Facebook wusste von illegaler Datenweitergabe"

© Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Der österreichische Datenschützer übt heftige Kritik an der angeblichen Opferrolle Facebooks im jüngsten Datenskandal.

Datenschützer Max Schrems hat Facebooks Aussagen zum Datenskandal rund um Cambridge Analytica am Mittwoch heftig kritisiert. Als er 2011 in Irland angezeigt habe, das Facebook "millionenfach Daten seiner Nutzer illegal diversen zwielichtigen Apps zur Verfügung“ stelle, habe der US-Internetkonzern „das vollkommen legal“ gefunden. Nun fühle sich der Internet-Gigant sieben Jahre später plötzlich "verraten", kritisierte Schrems. Facebook habe genau gewusst, dass Daten jahrelang missbräuchlich verwendet wurden. Das würden seine Aufzeichnungen bestätigen.

Schon seit 2011 angezeigt

Dass Facebook-Apps nicht nur die Daten ihrer unmittelbaren Nutzer abrufen, sondern ohne deren Zustimmung auch die Daten von Facebook-Freunden, hatte Schrems schon bei seiner im Sommer 2011 bei der irischen Datenschutzbehörde eingebrachten Beschwerde kritisiert. „Wie soll ich wissen, welcher Freund eine windige App installiert, die irgendwo in China gehostet wird und was dann mit meinen Daten passiert“, schreibt Schrems.

Zudem sei damals schon vollkommen unklar gewesen, welche Apps diese Daten erhielten und ob diese Datenschutzvorschriften erfüllten. Facebook habe hier keinerlei Kontrolle gehabt und eklatant gegen europäisches Datenschutzrecht verstoßen, kritisiert Schrems. Doch auch die irische Datenschutzbehörde hätte über diese Vorgänge, die sieben Jahre später nun zu einem großen Skandal geworden sind, genau Bescheid gewusst, jedoch nur oberflächliche Verbesserungsvorschläge gemacht.

Europäischer Datenschutz wichtig

Daher zeige dieser Fall wieder perfekt, „was bisher im europäischen Datenschutz nicht funktioniert hat“, so der Datenschützer. Wäre es nach dem 25. Mai 2018 passiert, dass ein Großkonzern wissentlich die europäischen Gesetze ignoriere und Daten illegal weitergebe, „könnte Facebook eine Strafe von bis zu 1,6 Milliarden US-Dollar (vier Prozent des weltweiten Umsatzes von 2017) ins Haus stehen“. Das seien die Strafen nach der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), so Schrems.

Da es aber auch in Zukunft jemanden brauche, „der diese Fälle - so wie ich 2011 - aufdeckt und zur Anzeige bringt“, sei der europäische Verein noyb.eu gegründet worden. „Sobald wir voll finanziert sind, werden wir mit Juristen und Technikern solche Verstöße aufdecken und auch entsprechende Klagen und Anzeigen einbringen“, kündigt Schrems an. Die „europäische Datenschutzlüge“ trotz strenger Gesetze sollte damit Geschichte sein. Wer Noyb unterstützen finanziell unterstützen möchte, kann dies immer noch tun.

( futurezone , Agenturen ) Erstellt am 21.03.2018