iPhone 3GS

iPhone 3GS

© Gregor Gruber

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Deshalb hatte das erste iPhone kein Copy and Paste

15 Jahre ist bereits her, dass Apple sein allererstes iPhone vorgestellt hat. Es hatte einen Screen mit einer Diagonale von 3,5 Zoll und einer Auflösung von 480 x 320 Pixel. Auf diesem kleinen Screen eine vollwertige, virtuelle Tastatur mit all ihren Funktionen unterzubringen, stellte die Software-Entwickler*innen vor eine gewaltige Herausforderung.

Ken Kocienda war einer von ihnen. Er arbeitete an der Entwicklung dieser Tastatur und bezeichnet sich selbst als "Erfinder der iPhone-Autokorrektur". Erst kürzlich hat Kocienda einige Einblicke in die frühen Jahre des iPhone gegeben und dabei unter anderem erklärt, warum das allererste Apple-Phone kein "Copy and Paste" hatte.

Textlupe und Software-Tricks

Die kurze Antwort darauf: Es fehlte einfach die Zeit, die Funktion fertigzustellen. Das Team um Kocienda konnte sich um das "Copy and Paste"-Feature erst kümmern, als das erste iPhone bereits präsentiert wurde. Zuvor war man mit Auto-Correct und der virtuellen Tastatur beschäftigt.

Für die "Copy and Paste"-Funktion musste erst eine Lösung gefunden werden, um den iPhone-User*innen überhaupt exakt anzeigen zu können, wo sich der Cursor befindet und wo der Finger den Touchscreen berührt. Im Zuge dessen kam Kocienda die Idee der mittlerweile allseits bekannten, vergrößernden Textlupe.

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Der Weg zu "Copy and Paste"

Dabei ist allerdings ein neues Problem aufgetreten. Denn sobald der Finger den Screen verlassen hatte, ist der Cursor aufgrund von "natürlichem Flackern" meist zwischen den Buchstaben hin und her gesprungen.

Also wurde ein so genannter "touch history log" entwickelt. Dabei merkt sich die iPhone-Software, an welcher Stelle ein Finger den Touchscreen verlässt und belässt den Cursor exakt dort, wo er zuletzt den Bildschirm berührt hat.

Ausgestattet mit diesen Funktionen war das mobile Apple-Betriebssystem bereit für das "Copy and Paste"-Feature. Eingeführt wurde es 2009 als Teil von iPhone OS 3.0, das auf dem iPhone 3GS vorinstalliert war. Die "Copy and Paste"-Funktion wurde sogar in einer TV-Werbung hervorgehoben.

Weitere Einblicke in die frühe iPhone-Entwicklung

Neben der Entwicklung dieser zentralen Funktion, hat Kocienda noch einige weitere Details erwähnt, die bei den frühen iPhones von elementarer Bedeutung waren. Zu der Zeit, als die iPhones immer größere Verbreitung erfuhren, waren Touchscreens noch nicht so allgegenwärtig. Der Umgang damit war für viele etwas schwierig und musste erst erlernt werden.

Beispielsweise war es laut Kocienda nicht so einfach, jedes Mal auf Anhieb mit dem Finger einen kleinen Button auf dem Interface zu treffen. Also entwickelte das Team eine virtuelle Fläche, die etwas größer war als die Auswahl-Buttons selbst. Das habe die Bedienung des Touchscreens erheblich erleichtert, so Kocienda.

Dieselbe Vorgehensweise wurde auch bei der Entwicklung der Autokorrektur eingesetzt. Die Software merkt sich dabei etwa sämtliche Buchstaben auf der Tastatur, die in der direkten Nähe zu der vom Finger berührten Fläche liegen. Auf diese Weise konnten die Vorschläge treffsicher gestaltet werden.

Die Wahrnehmung täuscht

Kocienda erklärt auch, dass die Wahrnehmung beim Berühren eines Touchscreens täuscht. In der Regel glaubt man nämlich, der Finger würde den Bildschirm weiter oben berühren, als das tatsächlich der Fall ist. In Wahrheit berührt nicht die Fingerspitze, sondern die Fingerkuppe weiter unten das Display.

Auch hier wurde mittels Software ausgeholfen und die Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und tatsächlicher Bildschirmberührung ausgeglichen. Laut Kocienda habe sich dieses Ausgleichen bis heute gehalten und es sei auch der Grund, warum es manchmal etwas schwierig ist, den Touchscreen eines Smartphones verkehrt herum zu bedienen.

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