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Google Pixel 6 und Pixel 6 Pro im Test: Fast perfekt

Das Google Pixel 6 und das Pixel 6 Pro kommen mit einem charakteristischen Balken, der wohl das neue Markenzeichen der Serie ist

Das Pixel 6 ist bislang wohl der meistgehypte Ableger von Googles hauseigener Smartphone-Serie. Bereits wenige Minuten nach der Präsentation waren die ersten Exemplare im Shop ausverkauft - sowohl in Europa als auch in den USA. 

Die neuen Pixel-Geräte machen einiges anders als ihre Vorgänger. Sowohl was das Äußere angeht, als auch das Innere. Und auch beim traditionellen Highlight der Pixel - nämlich der Kamera - hat sich einiges getan. Dazu kommt ein - angesichts der Ausstattung - moderater Preis. 

Wir haben das neue Pixel 6 sowie das Pixel 6 Pro für euch getestet.

Äußeres und Verarbeitung

Beim Design kann man es bekanntlich nie allen recht machen. Gehen Hersteller zu konservativ an die Sache heran, heißt es, die Handys wären fad. Lehnen sie sich etwas aus dem Fenster, heißt es, die Handys seien hässlich. Letztere Kritik war auch im Zusammenhang mit den Pixel-Geräten zu hören. Grund dafür ist ihre - etwas gewöhnungsbedürftige - Kameraleiste auf der Rückseite. Etwa 3 Millimeter steht die Erhebung von der restlichen Rückseite weg - breit ist sie etwa 2 Zentimeter. Damit dominiert der schwarze Streifen das gesamte Design des Smartphones. Etwas gewöhnungsbedürftig fand ich das zu Beginn auch, als störend habe ich die Leiste im Alltag aber nie empfunden. So wackelt das Handy trotz Leiste nicht, wenn es auf der Rückseite am Tisch liegt.

Die Verarbeitung der Pixel ist durchwegs hochwertig. Der Aluminiumrahmen geht nahezu nahtlos in die Gorilla-verglaste Vorder- und Rückseite über. Mängel bei Spaltmaßen oder dergleichen sucht man vergebens. Was man ebenfalls vergebens sucht, ist ein Ladegerät in der Schachtel. Das Pixel kommt lediglich mit einem USB-C-auf-USB-C-Kabel.

Bevor man sich die Pixel-Smartphones kauft, sollte man sich bewusst sein, dass sie groß sind - und zwar wirklich groß. Das reguläre Modell misst 158.6 x 74.8 x 8.9 mm, das Pro sogar 163.9 x 75.9 x 8.9 mm. Aufgrund der Abmessungen tragen die Handys sehr auf, vor allem das Pro ist ein markanter Brocken in der Hosentasche. Beim Gewicht liegen sie mit 207 bzw. 210 Gramm allerdings erstaunlich nah beieinander. Hier fällt im direkten Vergleich auf, dass das Pro besser und sicherer in der Hand liegt. Grund dafür dürfte in erster Linie die etwas andere Gewichtsverteilung im Vergleich zum regulären Pixel sein.

Auffällig bei bei den Geräten ist, dass die Oberfläche der Handys äußerst rutschig ist. Im Test ist es mir mehrmals passiert, dass sie mir (vor allem beim Fotografieren) fast aus der Hand geglitten sind. Zwar konnte ich sie immer noch im letzten Moment auffangen - für den längerfristigen Alltagseinsatz würde ich aber stark zu einer Hülle raten, die sich besser greifen lässt als die Glasrückseite. 

Die Displays

Das AMOLED-Display des regulären Pixel hat eine Auflösung von 1080 x 2400 Pixeln bei einer maximalen Bildwiederholrate von 90Hz. Das ist nicht ganz so schnell wie das Pro mit seinen 120Hz, in der Praxis sind die Animationen und die Darstellung beider Handys aber äußerst flüssig, ein Unterschied beim Scrollen und dergleichen lässt sich im direkten Vergleich höchstens erahnen. Die gesteigerte Auflösung des Pro von 1440 x 3120 Pixeln merkt man Seite-an-Seite, allerdings ebenfalls erst bei genauerem Hinsehen.

Das Display des Pro hat eine Diagonale von 6,71  Zoll und ist im Unterschied zum normalen Pixel (6,4 Zoll) zu den seitlichen Rändern hin abgerundet. Der Rahmen rechts und links neben der Anzeige ist zwar nicht extrem dünn, dafür muss man aber auch nicht mit unbeabsichtigten Berührungen kämpfen. 

Die Darstellungsqualität ist bei beiden Displays gut - aber nicht perfekt. Aus einem geraden Betrachtungswinkel stimmen Farbdarstellung und Kontraste - neigt man das Handy etwas, verfälschen sich die Farben. Das ist nicht tragisch, ginge aber besser. Grund dafür ist die Beschichtung des Glases, die dafür sorgen soll, dass sich Fingerabdrücke nicht zu stark darauf festmachen. Erfreulicherweise funktioniert das immerhin. 

Ebenfalls positiv anzumerken ist, dass die Displays trotz Beschichtung wenig spiegeln und auch im Freien bei Sonnenschein in der Regel gut ablesbar sind. Das Pro sieht hier im direkten Vergleich noch eine Spur besser aus als das reguläre Pixel.

Innenleben und Android 12

Im Inneren kommt die nächste Besonderheit des Pixel 6 zum Tragen - es ist das erste Gerät mit Googles hauseigener Chip-Serie Tensor. Der SoC ist im 5nm-Prozess gefertigt und verfügt über eine Octa-core-CPU (2x2.80 GHz Cortex-X1,  2x2.25 GHz Cortex-A76, 4x1.80 GHz Cortex-A55). Als GPU kommt eine Mali-G78 MP20 zum Einsatz. In Sachen Leistung kann man den Tensor-Chip durchaus mit dem Qualcomm-Flaggschiff Snapdragon 888 vergleichen. Das spiegelt sich auch in den Benchmarks wider - die beiden SoCs liegen hier immer nah beieinander. Je nachdem, welchen genau man macht, hat einmal der Qualcomm, ein anderes Mal der Snapdragon die Nase vorne. 

Leistung ist aber nicht die primäre Stärke des Chips, jene liegen vorwiegend in den Machine-Learning-Fähigkeiten. Im Alltag merkt man das mit dem Pixel in erster Linie bei einigen Kamera-Features (mehr dazu unten). Ebenfalls Teil von Tensor ist der Sicherheitschip Titan M2. Jener soll das Handy besonders gut vor Angriffen aller Art abschotten. 

Die Pixel-Handys kommen mit der aktuellsten Version von Android 12 in der Stock-Variante. Das System bringt sowohl funktional als auch optisch einige Neuerungen. Die offensichtlichste ist die neue Designsprache Material You, die Farbsprache des Systems an das jeweilige Hintergrundbild anpasst. Dazu kommt ein völlig überarbeitetes Schnelleinstellungsmenü, neue Privatsphäre-Einstellungen und Optimierungen bei den Benachrichtigungen. 

Android 12 ist definitiv hübsch, an manchen Stellen sind mir die Menüs etwas zu “bubbly”. Besonders bei den Schnelleinstellungen hätte ich gerne mehr Optionen auf einen Klick, anstatt übergroße Elemente.

Biometrie und Akku

Auf Gesichtserkennung muss man bei den Pixeln übrigens verzichten. Dafür gibt es einen Fingerabdrucksensor unter dem Display. Ich bin von dieser Technologie generell nicht völlig überzeugt - ein dezidierter Sensor am Gehäuse liefert weit präzisere Ergebnisse. Auch mit dem Unter-Display-Sensor vom Pixel wurde ich nicht ganz warm. Das Entsperren funktioniert nicht so blitzschnell, wie ich es gerne hätte und immer wieder versagt der Scan überhaupt. Das dürfte auch daran liegen, dass sich Google für einen optischen Sensor entschieden hat, statt einer Ultraschall-Variante, wie sie etwa bei Samsung verbaut ist.

Mit 4614 beim regulären und 5003mAh beim Pro sind die Akkus mit einer ordentlichen Kapazität ausgestattet. Die paar mAh beim Pro mehr, werden im Alltag wohl vom größeren Display aufgefressen - die beiden Handys halten in etwa gleich lang durch. In Stromnot bin über einen Tag nie gekommen, selbst bei intensiver Nutzung hatte ich am Abend noch einen angenehmen Polster von etwa 20 Prozent. Das ist okay - jedoch hätte ich mir erwartet, dass Google beim Tensor-Chipdesign auch besonderes Augenmerk auf Effizienz legt. Und mit derart großen Batterien, wären hier längere Laufzeiten drinnen gewesen.

Geht der Strom doch einmal aus, unterstützen die Pixel-Geräte Schnellladen mit 30W. In einer halben Stunde kann man die Akkus so zur Hälfte wieder aufladen. Voraussetzung ist natürlich, dass man sich ein entsprechendes Ladegerät dazukauft.

Die Kameras

Einer der Alleinstellungsmerkmale der Pixel sind traditionell ihre Kameras. Und auch bei der neuesten Generation ist das nicht anders. Das reguläre Pixel und das Pro sind jeweils mit der gleichen Haupt- und Ultraweitwinkel-Hardware ausgestattet. 

So löst die Hauptkamera maximal mit 50, die Ultra-Weitwinkelkamera mit maximal 12 Megapixel auf. Wer frühere Pixel-Handys gewohnt ist, wird schnell feststellen, dass sich der Fotostil beim Pixel 6 verändert hat. Die Aufnahmen sind weniger natürlich und “knallen” deutlich mehr, als man es von älteren Modellen kennt. Besonders auffällig ist das im Freien bei blauem Himmel und kontrastreichen Motiven. Hier rutscht das Pixel sehr schnell in eine übersättigte HDR-Optik ab.

Manchmal ist das zu viel, meistens werden die Fotos ansprechend und auf dem Handy-Display sehen sie eigentlich immer gut aus. Gut gelungen ist auch wieder der Nachtmodus. Die Fotos in suboptimalen Lichtbedingungen sind beeindruckend und gleichauf mit anderen Spitzen-Smartphones.

Eher mittelmäßig ist die Porträt-Funktion ausgefallen. Man möchte doch meinen, dass die weit fortgeschrittene künstliche Intelligenz bei den Pixel-Handys schon in der Lage ist, etwa Brillenränder nicht mit der künstlichen Unschärfe zu überdecken. Sie tut es aber dennoch, weswegen die Porträts am ersten Blick zwar okay sind, sich bei genauerem Hinsehen aber als verbesserungswürdig herausstellen. 

Eine gute Leistung liefert die Front-Kamera ab - sowohl beim Pro als auch beim normalen Pixel. Wobei die Kamera des Pro höher auflöst (11 vs 8 Megapixel) und ein Ultraweitwinkel-Objektiv hat.

Foto-Spielereien mit KI

Der Tensor-Chip ermöglicht Foto-Funktionen mithilfe von KI. So kann man etwa per Knopfdruck Menschen auf Aufnahmen verschwinden lassen. Das nennt sich "magischer Radierer" und funktioniert auf dem Pixel mit allen Fotos, die man in Google Fotos hochgeladen hat. Will man etwa das Urlaubsfoto vom letzten Sommer, das man am Hauptplatz der Touristen-Metropole geschossen hat, menschenleer machen, geht das in wenigen Sekunden.

Man denke hier an den Reparatur-Pinsel in Photoshop. Die Funktion ist insgesamt witzig und funktioniert einigermaßen gut, perfekt sind die Ergebnisse nicht. So werden zwar Menschen entfernt, um die Schatten muss man sich aber manuell kümmern.

 

links: © Thomas Prenner

rechts: © Thomas Prenner

Künstliche Bewegung

Eine andere Funktion ist künstliche Unschärfe, um Bildern einen Bewegungseffekt zu verleihen. Auch das ist witzig und macht Spaß. So schnell, wie es auf dieser Aufnahme aussieht, ist die Liliputbahn im Wiener Prater nicht gefahren: 

 

Und eine weitere KI-Funktion sorgt dafür, dass Gesichter auch bei schnellen, bewegungsreichen Aufnahmen scharf sind. Möglich wird das dadurch, dass beim Fotografieren mit dem Normal-Objektiv das Weitwinkel-Objektiv ebenfalls ein Bild macht. Dank der zusätzlichen Bildinformationen kann ein verschwommenes Gesicht nachträglich geschärft werden. 

Fazit

Pixel 6 und Pixel 6 Pro sind die besten Handys, die Googles Serie jemals hervorgebracht hat. Gerade das reguläre Modell bietet mit einem Preis von 649 Euro fast alles, was man sich von einem modernen Smartphone wünscht.

Bei diesem Preis kann man auch über den etwas langsamen Fingerabdrucksensor hinwegsehen sowie über die Tatsache, dass das Display aus manchen Betrachtungswinkeln nicht ganz so perfekt aussieht, wie andere High-End-Phones. In Sachen Kamera müssen sich Pixel-Fans jedenfalls an den neuen, knalligen Look vieler Fotos gewöhnen - insgesamt zählt aber auch sie zu den besten Handy-Kameras, die es aktuell gibt. 

Das Pro ist mit seinen 899 Euro nicht ganz als solches Schnäppchen einzuordnen, wie sein kleines Schwesternmodell. Aber auch hier bekommt man für sein Geld eine ordentliche Leistung. So ganz kann das Handy mit den High-End-Ultras anderer Hersteller nicht mithalten, für jene legt man dann aber auch 1.000 Euro und mehr hin.

Und einer der größten Pulspunkte beider Modelle sind mindestens 3 Jahre Updates mit der jeweils neuesten Android-Version, bei sicherheitsrelevanten Aktualisierungen verspricht Google sogar 5 Jahre Support.

Pro und Contra

Pro

  • Gute Kamera
  • Schneller Chip
  • Attraktiver Preis
  • Stock-Android inkl. Update-Garantie

Contra

  • Langsamer Fingerabdrucksensor
  • Display nicht perfekt

Preis und Verfügbarkeit

Das reguläre Pixel 6 wird offiziell zu einem Preis von 649 Euro verkauft. Das Pixel 6 Pro wird ab 899 Euro angeboten - jeweils mit 128 Gigabyte. In Österreich bekommt man die Geräte nicht über den offiziellen Google-Store, sondern lediglich über Zwischenhändler - zumeist als Grauimport aus Deutschland. Auf Support oder Garantie seitens Google hat das allerdings in der Regel keine Auswirkungen. 

Aufgrund der schlechten Verfügbarkeit, versuchen einige Unternehmen, die Geräte aktuell über dem Listenpreis zu verkaufen. So wird das Pixel 6 hierzulande aktuell um 700 bzw. das Pro um 1000 Euro angeboten. Von derartigen Preisen sollte man jedoch Abstand halten und lieber etwas zuwarten.

Alle technischen Daten auf der Google-Webseite

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Thomas Prenner

ThPrenner

Beschäftigt sich mit Dingen, die man täglich nutzt. Möchte Altes mit Neuem verbinden. Mag Streaming genauso gern wie seine Schallplatten. Fotografiert am liebsten auf Film, meistens aber mit dem Smartphone.

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