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Test
12/06/2019

Oral-B Genius X: Die Zahnbürste, die deine Putzschwächen kennt

Die elektrische Zahnbürste Oral-B Genius X verspricht bessere Mundhygiene dank künstlicher Intelligenz. Wir haben sie getestet.

von David Kotrba

Elektrische Zahnbürsten zählen ja eher nicht zu den Produkten, die von der futurezone oft getestet werden, aber dieses Gerät hat unser Interesse geweckt. Die Oral-B Genius X ist eine elektrische Zahnbürste, die angeblich künstliche Intelligenz einsetzt, um das Putzergebnis zu verbessern. Wir haben herausgefunden, was darunter in der Praxis zu verstehen ist.

Verbindungsaufbau

Getestet wurde das Modell mit dem bombastischen Namen Oral-B Genius X 20000N, was schon beinahe an Produktbezeichnungen wie Archwood Flextrek 37.000.000.000.000 Whipsnake Edition erinnert. Es handelt sich um die schwarze Version der elektrischen Zahnbürste, inklusive schwarzem Bürstenkopf. Abgesehen von dem dunklen Äußeren sieht das von Braun gebaute Gerät aus wie eine gewöhnliche elektrische Zahnbürste - bis auf die Reihe an Symbolen unterhalb der Daumentasten. Sie zeigen die verschiedenen Reinigungsmodi an.

Ganz unten in der Symbolreihe erblickt man das Bluetooth-Symbol und damit den Hinweis darauf, dass es noch eine App gibt, mit der sich das Gerät verbinden lässt. Die App bringt auch erst das volle Potenzial der Zahnbürste zur Geltung. Auf dem Smartphone installiert, dient die Oral-B-App als Zahnputz-Coach, liefert exakte Mundreinigungsanalysen und versucht leistungsorientierte Nutzer mit Belohnungen in Badge-Form zu motivieren.

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Durchleuchtete Mundhöhle

Wo bleibt nun die künstliche Intelligenz? Bei der Entwicklung von Zahnbürste und App wurde laut dem Hersteller Machine Learning eingesetzt, um tausende individuelle Putzstile zu analysieren. Das gesammelte Wissen wird nun offenbar eingesetzt, um das Zahnputzverhalten des Nutzers zu erkennen und zu verbessern. Durch Bewegungssensoren in der elektrischen Zahnbürste weiß die Zahnbürste etwa, in welchen Bereichen des Mundes man wie lange und mit welchem Druck herumgewerkt hat.

Man wird dann entweder live auf noch vernachlässigte Zonen aufmerksam gemacht, wenn man während des Zähneputzens ein Auge auf das Smartphone-Display wirft, oder im Anschluss. Durch zusätzliche Angaben kann man der App auch mitteilen, ob beim Putzen das Zahnfleisch geblutet hat, ob man die Zunge gereinigt hat oder ob man zusätzlich Zahnseide und Mundspülung verwendet hat. Alle Putzvorgänge lassen sich im Ergebnis-Bereich der App zurückverfolgen.

Persönliche Putzpläne

Die Ergebnisse lassen sich auch als PDF oder als E-Mail exportieren. In der App kann man außerdem diverse Erinnerungen einstellen, etwa an den Kauf neuer Bürstenköpfe, oder spezifische Zahnreinigungspläne anlegen. Dabei wird man etwa in mehreren Schritten darüber aufgeklärt, wie man innerhalb weniger Wochen seine Zähne aufhellen kann. Je nach persönlichem Reinigungsplan werden die dafür notwendigen Reinigungsmodi ausgewählt, alle anderen gesperrt.

Für die visuelle Personalisierung kann man verschiedene Farben für den LED-Kranz am Fuße des Bürstenkopfs einstellen, der im Betrieb rot aufleuchtet, wenn man zu fest auf Zähne und Zahnfleisch drückt.

Datensammlung

Wer täglich mit der Oral-B Genius X Zähne putzt und regelmäßig die App verwendet, übermittelt klarerweise eine Menge höchst privater Daten. Wer skeptisch ist, dass diese Daten weitergegeben werden und irgendwann potenzielle Kreditgeber über die eigene Mundhygiene Bescheid wissen, tut gut daran. Die Oral-B-App ist so ehrlich, dass sie Nutzer über die Datensammlung informiert.

Beim erstmaligen Verwenden der App erfährt man etwa, dass Google Analytics Daten erhält und dass Werbetracker verwendet werden. Dem kann man zustimmen, man kann es in beiden Fällen aber auch ablehnen und dennoch die App benutzen. Nicht aussuchen kann man sich den Zugriff auf den eigenen Standort für den Bluetooth-Verbindungsaufbau mit der Zahnbürste.

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Fazit und Preis

Die Oral-B Genius X zeigt, dass elektrische Zahnbürsten in Zeiten des Internets der Dinge um einiges mehr können, als zu oszillieren und zu rotieren. In Verbindung mit der App wird das Zähneputzen zu einer wesentlich genauer durchleuchteten und verspielten Angelegenheit als bisher. Wer den Gamification-Ansatz schätzt und gerne virtuelle Abzeichen für das Erreichen unterschiedlichster Ziele in der Mundhöhle sammelt, sich aber zu seriös für eine Playbrush vorkommt, wird das Gerät schätzen. Ebenso toll wird es für jene Menschen sein, die jeden Bereich ihres Lebens, also auch den oralen, optimieren wollen. Für andere sind die vielen Zusatzfunktionen möglicherweise langfristig nicht interessant genug.

Hier wird sich die Spreu vom Weizen trennen, denn so eine Genius X 20000N bedeutet doch eine signifikante Investition. Im Set mit einem Bürstenkopf, induktivem Ladegerät und Reise-Etui (mit Akku, per USB aufladbar, kann auch andere Geräte aufladen, etwa Handys) kommt die Genius X auf einen unverbindlichen Verkaufspreis von 369,99 Euro. Der reale Marktpreis ist zwar um mindestens ein Drittel geringer, für eine elektrische Zahnbürste ist es am Ende dennoch ein hoher Preis.