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Satelliten-Internet Starlink: "Zu teuer, zu wenig Leistung"

Wie berichtet, wird Elon Musk mit seinem Satellitennetzwerk Starlink in Kürze auch Europa mit Internet versorgen. Angesichts der hohen Anschaffungskosten und Monatsgebühren von 80 Euro für Geschwindigkeiten zwischen 50 und 100 Mbit/s Upload darf allerdings stark bezweifelt werden, ob sich das Internet aus dem Weltraum in Europa und vor allem auch in Österreich durchsetzen wird.

Kaum mehr weiße Flecken

„Wir sind beim Thema Festnetzbreitband und hier insbesondere Glasfaser zwar europäisches Schlusslicht. Gleichzeitig verfügt Österreich aber selbst in niedrig besiedelten Gebieten über ein sehr engmaschiges Netz an Mobilfunkstationen. Weiße Flecken der Internetversorgung sind damit sehr selten geworden“, erklärt   Branchenanalyst Karim Taga von Arthur D. Little im futurezone-Interview.

Dazu komme, dass Österreich seit jeher ein Niedrigpreisland in diesem Bereich sei. „Kaum jemand ist bei uns bereit, im Monat mehr als 20, 30 Euro für Breitband auszugeben. Satelliteninternet zu so einem Preis erscheint mir einfach zu teuer und letztlich auch zu wenig leistungsstark, als dass sich das bei uns durchsetzt“, ist Taga skeptisch.

Auch bei A1, das neben anderen kleinen Anbietern bereits jetzt Satelliten-Internet im Programm hat, ist das Internet aus dem All ein absolutes Nischenthema. Man biete es an, um alle Kundenbedürfnisse zufriedenstellen zu können und es sonst keine andere Möglichkeit der Internetversorgung gebe, heißt es von A1 auf futurezone-Anfrage. Zum Einsatz komme die Technologie vor allem an entlegenen Orten wie Almen und Berghütten.

Bessere Technologie

Die bereits bestehenden, teils spezialisierten kleineren Anbieter mieten sich für ihre Dienste bei Satellitenbetreibern wie Eutelsat und Astra ein. Technologisch besitzt das Starlink-Netzwerk den Vorteil, dass dessen Satelliten tiefer fliegen und dadurch schnellere Reaktionszeiten (Latenz) beim Schicken von Datenpaketen schaffen.

Geplantes Satelliten-Internet

Starlink
42.000 Kleinsatelliten sollen die Erde mit Internet versorgen. Aktuell gibt es 10.000 Testkunden. Im Laufe des Jahres ist der Dienst in Europa verfügbar. Die gesamte Infrastruktur von Starlink wird von SpaceX ins All gebracht.

Kuiper
Die Amazon-Firma will über 3.200 Satelliten ins All schießen, hinkt Starlink aber zeitlich hinterher. Erklärtes Ziel von Kuiper ist ein leistbares Internet für entlegene Regionen. Das Unterfangen soll nicht nur mit Jeff Bezos Weltraumfirma Blue Origin realisiert werden.

Oneweb
Die von der britischen Regierung unterstützte Firma Oneweb musste das Ziel nach einem Konkurs von 48.000 Satelliten auf 6.372 herunterschrauben, will aber weitermachen.

Für Computerspiele, aber auch kritische Anwendungen, die stets verfügbar sein müssen, wie etwa in der Medizin, ist aber auch das Starlink-Internet mit angegebenen 31 Millisekunden (ms) nur sehr bedingt geeignet und auch guten Mobilfunkverbindungen mit LTE unterlegen. Für künftige Internet-of-Things-Anwendungen wird man ohnehin auf 5G zurückgreifen müssen.

USA und Afrika

Laut Marktforscher Taga ist Satelliteninternet eher für schlecht versorgte Regionen in den USA, Kanada, Afrika, Russland oder China interessant: „Dort gibt es Millionen Quadratkilometer, die noch unerschlossen sind. Viel wird allerdings davon abhängen, ob Starlink und andere Anbieter auf ein Preisniveau von 30 bis 40 Euro im Monat kommen können. Dann wäre das sogar für Europa interessant.“

Was die geplanten neuen Satellitennetzwerke betrifft, glaubt Taga nicht, dass global mehr als ein bis 2 Anbieter überleben werden. Die Instandhaltung der Satelliten-Infrastruktur sei teuer. Der technische Nachteil gegenüber Funkstationen am Boden sei physikalisch bedingt und nicht wettzumachen.

"Ein bisschen ist das wie bei Tesla. Es wird Jahre bis Jahrzehnte dauern, dass die Infrastruktur und das Geschäftsmodell dahinter aufgeht. Und nur weil Elon Musk dahinter steht, muss es deswegen noch lange nicht aufgehen“, warnt Taga vor zu großer Euphorie. "Als Investor wäre ich bei all diesen Projekten jedenfalls vorsichtig."

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Martin Stepanek

martinjan

Erste Computer-Begegnung: Macintosh 128k (1984). Erster eigener Computer: Atari 520ST. Wissenschaftsverliebt. Alte-Musik-Sänger im Vienna Vocal Consort. Mag gute Serien. Und Wien.

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